Auch Kindergärten stehen in Zeiten von Corona vor besonderen Herausforderungen

+
Hygiene geht vor: Der erste Gang jedes Kindes führt zum Waschbecken – das Foto entstand in einer Kita in Halver.

Valbert – Vor den Blumenkübeln und auf der Bank liegen bunt bemalte Steine. Ein Regenbogen ist darauf zu sehen, Bäume und eine Sonne – und ein Corona-Fresser.

Dass das Virus verschwindet, dass die Corona-Zeit vorbei geht und dass sie wieder in den Kindergarten gehen dürfen, um hier unbeschwert zu spielen, das wünschen sich die Kindergartenkinder nicht nur in Valbert. Noch dürfen Kitas nur Kinder besuchen, deren Eltern die Notbetreuung wahrnehmen können. Im evangelischen Kindergarten in Valbert werden erst seit Mitte April Kinder in Notgruppen betreut – getrennt nach Unter- und Über-Dreijährigen. „Inzwischen sind es sechs“, berichtet Simona Busch-Brock, die erst vor wenigen Wochen die Leitung des Kindergartens übernommen hat. Normalerweise toben und spielen 60 Jungen und Mädchen in der Einrichtung In den Bäumen, die jetzt alle noch zuhause sind. 

Zwischenzeitlich ruhte die Arbeit in der Einrichtung sogar komplett, die Mitarbeiter wurden ins Homeoffice geschickt. Von ihrem zehnköpfigen Team dürfen ohnehin nur vier Kolleginnen arbeiten, berichtet Simona Busch-Brock – die übrigen zählen zur Risikogruppe. Da künftig weitere Eltern das Notbetreuungsangebot nutzen dürfen, könnte es schwierig werden, befürchtet die Leiterin. Wie die organisatorischen Vorgaben sein werden, „das wissen wir einfach noch nicht“. Fest stehe, dass fünf Kinder, die jünger als drei Jahre sind, von einer Person betreut werden müssen, bei Ü3-Kindern dürfen es zehn sein. Trotz aller Schwierigkeiten sei ihr und ihrem Team eines wichtig, sagt Simona Busch-Brock: „Kinder sind unbeschwert und diese Unbeschwertheit sollten sie sich behalten.“ Sie habe sich daher gefreut, als ihre Schützlinge nach vielen Wochen unbefangen in die Einrichtung gekommen seien. „Das war schön zu sehen.“

Kinder sollen sich natürlich bewegen dürfen. „Sie sind in der Prägephase, da spielt auch Nähe und Distanz eine große Rolle.“ Kinderbetreuung ohne Körperkontakt – „das ist einfach schwierig“, beschreibt Simona Busch-Brock: „Was ist, wenn ein Kind weint. Da kann ich doch keinen Abstand halten. Das kann doch niemand mit sich vereinbaren.“ Die Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen seien in der Kita ohnehin groß. Ein eigenes Konzept habe es schon vor dem Ausbruch des Coronavirus gegeben, dieses wird jetzt noch erweitert. Die Corona-Hygieneregeln werden in der Kita eingehalten. Das bedeutet beispielsweise, dass die Eltern ihren Nachwuchs lediglich bis zum Eingang bringen („Das klappt super“), Desinfektionsmittel stehen bereit, und bevor es in den Gruppenraum geht, werden die Hände gewaschen. Das gilt auch, bevor es zum Frühstück geht. „Dabei halten wir Abstand und jedes Kind bringt auch seine eigene Trinkflasche von zuhause mit.“ Normalerweise werden nach dem Frühstück auch die Zähne geputzt – darauf wird augenblicklich aber verzichtet. Alle Veränderungen, die es im Kindergartenalltag gibt, seien besprochen und spielerisch erklärt worden. 

Und was ist mit den Mädchen und Jungen, die noch nicht wieder in die Kita kommen dürfen? „Wir versuchen in Kontakt zu bleiben“, berichtet Simona Busch-Brock. Bei Anrufen zuhause hätten viele Eltern berichtet, dass sie das schöne Wetter im Garten genießen, „der Kindergarten und die Freunde, die man hier trifft, wurden aber auch vermisst.“ Per Post wurde zu Ostern ein Regenbogen zum Ausmalen verschickt, den die Kinder als Postkarte selbst wieder verschicken konnten – „ein Regenbogen kam auch wieder zurück in den Kindergarten“, freut sich die Leiterin, die mit ihrem Team außerdem Kresse zum Züchten samt Rezept verschickte und sich eine Steine-Aktion ausgedacht hat: Alle Kinder können bunt angemalte Steine vor der Tür ablegen. „Unser Steingarten ist in den letzten Wochen gewachsen.“ Das freut Erzieherinnen und Familien, die manchmal sogar extra vorbei kommen, um sich die neuen Steine anzuschauen. 

Eine weitere Aktion wird nun zusammen mit Pfarrer Peter Winterhoff von der Evangelischen Kirchengemeinde Valbert durchgeführt. Alle Kinder wurden dafür gebeten, Karten zu basteln und in eine Kiste vor den Kindergarten zu legen. Eine Bastelanleitung wurde verschickt. Die Karten sollen jetzt an die älteren Gemeindemitglieder verschickt werden. „Für Große und Kleine ist der Alltag schließlich gleichermaßen schwierig.“ Von Woche zu Woche, sagt Simona Busch-Brock, werde derzeit geplant. Bedauerlich sei die Kita-Schließung besonders für die Älteren. Mit den künftigen Schulanfängern sollte es noch einige schöne Aktionen geben. Eigentlich. Wie das Ende der Kindergartenzeit aussehen wird, steht jetzt noch nicht genau fest. „Wir möchten unsere Schulanfänger aber gebührend in die Schulzeit verabschieden. Das ist uns wirklich ganz wichtig“, betont Simona Busch-Brock.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare