Begrenzte Besucherzahl und Zeitlimit in Meinerzhagen

Gottesdienst-Beschränkungen: In Gemeinden regt sich Widerstand

Gottesdienste in der Pandemie
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Die Kirchenbänke müssen in Meinerzhagen seit vergangener Woche deutlicher leerer sein als das in einigen Gemeinden offenbar zuletzt der Fall war. (Symbolbild)

Die in Meinerzhagen geltenden Gottesdienstbeschränkungen kommen nicht überall gut an: In einigen freikirchlichen Gemeinden Meinerzhagens regt sich Widerstand.

Meinerzhagen - Seit Freitag gilt in Meinerzhagen eine erweiterte Allgemeinverfügung, die die Besucherzahl bei Gottesdiensten regelt – und offenbar werden die neuen Regeln eingehalten. Das erklärte Thomas Dröscher, Fachdienstleiter des Ordnungsamtes, im Gespräch mit der MZ.

„Wir waren mit zwölf Personen in drei Teams draußen und haben kontrolliert. Die Resonanz war durchweg positiv. Die Begrenzung wurde eingehalten und auch die Reaktionen der Gemeindeältesten waren positiv“, berichtet Dröscher.

Hohe Besucherzahlen in den zurückliegenden Wochen

Wie berichtet, waren in den zurückliegenden Wochen vor allem freikirchliche Gemeinden mit hohen Teilnehmerzahlen bei ihren Gottesdiensten aufgefallen. Während etwa die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden auf Präsenzveranstaltungen aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen freiwillig verzichteten, nutzten diese Glaubensgemeinschaften die grundsätzliche Möglichkeit, weiterhin Gottesdienste in Präsenz anzubieten.

In der Folge trafen sich mitunter weit mehr als 100 Gäste – wobei das zugrunde gelegte Hygienekonzept in den Räumen nicht immer so eingehalten worden sein soll, wie es die Behörden vorsahen. Daher hatte die Stadt in der Begründung der neuen Allgemeinverfügung auch festgestellt, „dass einzelne Kirchen und Religionsgemeinschaften im Stadtgebiet die Vorgaben des Paragrafen 1 Absatz 3 Corona-Schutzverordnung nicht ausreichend umsetzen“. Es würden zum Teil Schutzkonzepte verfasst, deren Regelungen selbst bei einer konsequenten Einhaltung keine wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens darstellen würden. Daher wurde die Besucherzahl auf eine Person pro zehn Quadratmeter und maximal 100 begrenzt.

Kritik aus der FECG

An diese Auflagen haben sich die am Sonntag vom Ordnungsamt aufgesuchten Gemeinden offenbar gehalten – doch zugleich wird auch Kritik an der Allgemeinverfügung laut. Die übte etwa Paul Sudermann, Mitglied der Gemeindeleitung bei der Freien Evangeliums-Christen Gemeinde (FECG) Meinerzhagen, in seiner öffentlich auf der Plattform YouTube abrufbaren Predigt.

Zwar reagierte auch die FECG auf die Verfügung, indem die Zahl der Besucher am vergangenen Sonntag massiv reduziert wurde, allerdings „nicht, weil wir eingeknickt sind“, wie Sudermann in den Eingangsworten zum Gottesdienst betont. Vielmehr habe die Gemeindeleitung nicht schnell genug auf die neuen Regelungen, die am zurückliegenden Donnerstag veröffentlicht wurden, reagieren können. „Wir konnten weder mit dem Bürgermeister noch mit dem Ordnungsamt vernünftig über die neuen Verordnungen sprechen.“ Daher habe man sich zunächst kurzfristig für die Reduzierung entschieden. Man suche aber – auch mit anderen Gemeinden – das Gespräch mit dem Bürgermeister, „damit wir auch hier wieder auf eine ordentliche Linie kommen“, erklärte Paul Sudermann.

Mit den pauschalen Beschränkungen sind wir nicht einverstanden.

Paul Sudermann, Mitglied der FECG-Gemeindeleitung, während des Gottesdienstes am 2. Mai 2021

„Mit den pauschalen Beschränkungen sind wir nicht einverstanden.“ Zwar habe man zum einen die Worte des Apostel Paulus vor Augen, „dass man der Regierung Untertan sein muss“, so Sudermann weiter. „Zum anderen haben wir aber genauso die Worte vor Augen, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen.“ Dies müsse entsprechend abgewogen werden. „Die älteren Generationen unter uns wissen, wie das geht“, sagte Sudermann darüber hinaus, ohne konkrete Beispiele zu nennen.

Petition gestartet

Darüber hinaus wies der Prediger am Sonntag auf eine Petition hin, die direkt nach Bekanntwerden der neuen Allgemeinverfügung gestartet wurde. Angestrebt wird darin die sofortige Aufhebung „der Sonderbeschränkungen für Gottesdienste in Meinerzhagen“ (https://openpetition.de/!nfwpm). Der Initiator der Petition kritisiert unter anderem die Orientierung „an dem umstrittenen Inzidenzwert, der sich allein durch eine höhere Anzahl der Tests automatisch erhöht“. Dabei habe das Ordnungsamt – wie die MZ am Freitag berichtete – zuletzt keinerlei Verstöße feststellen können. Zudem gebe es keine Zahlen, die ein Infektionsgeschehen in den Gemeinden belegten. Die Kirchen und Gemeinden seien für viele die letzten „Häfen“, die ihnen die Tür noch nicht vor der Nase zugeschlagen haben“, heißt es weiter.

Die Gottesdienst-Regelung, die in dieser Form im Märkischen Kreis einzigartig ist, bleibt zunächst bis einschließlich Freitag, 14. Mai, in Kraft. Ob die Verfügung dann fortgeschrieben wird, will die Verwaltung von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig machen, wie Thomas Dröscher am Dienstag erklärte.

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