Am 28. Februar 2020 wurde die erste Infektion im MK bekannt

Corona 2020: Als alles seinen Anfang nahm...

Auf einmal stand alles still: Dieses Bild aus einer Klasse des Evangelischen Gymnasiums entstand am 16. März 2020 – am ersten Tag der Schulschließungen, die erst am Freitag zuvor beschlossen worden waren.
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Auf einmal stand alles still: Dieses Bild aus einer Klasse des Evangelischen Gymnasiums entstand am 16. März 2020 – am ersten Tag der Schulschließungen, die erst am Freitag zuvor beschlossen worden waren.

Was zuvor befürchtet worden war, wurde am Ende Gewissheit: In einer bis dahin recht unbekannten Gemeinde namens Gangelt, so war in der Meinerzhagener Zeitung am 27. Februar 2020 zu lesen, sei „das Virus angekommen“.

Meinerzhagen – Die Sorge nach einer Karnevalssitzung in dem Ort war groß. Aber in Meinerzhagen? Da war Corona zwar längst Thema, prägte aber nicht die lokale Berichterstattung. Anlässlich des morgigen Jahrestages des ersten bekanntgewordenen Falles im Märkischen Kreis haben wir ins Archiv geschaut: Wie entwickelte sich die Pandemie im Volmetal? Und was waren die größten Sorgen der Menschen?

Die Welt war noch in Ordnung

Heute vor einem Jahr waren es der späte Wintereinbruch und der Schutz der Valberter vor Motorradlärm auf der L707, die die Lokalberichterstattung prägten. Jahreshauptversammlungen wie die des „Netzwerks Zukunft – Schule, Eltern, Wirtschaft“ und des Grünen-Ortsverbands in Kierspe fanden statt, ohne dass einer der Beteiligten ernsthaft um seine Gesundheit besorgt war. Die MZ wies sogar noch auf den bevorstehenden Seniorentanztee am 2. März hin. Die Welt war noch „in Ordnung“, wie es gerne heißt, wenn zurückliegende Ereignisse verklärt werden.

Die Schlagzahl der Corona-Berichte im Lokalteil nahm in den folgenden Tagen jedoch Fahrt auf. „Was tun bei Corona-Verdacht“ lautete die Schlagzeile eines Artikels am 29. Februar, in dem auch von horrenden Preisen für einfache OP-Masken die Rede war. In den heimischen Apotheken wurden Preise aufgerufen, die heute absurd klingen: Für gerade einmal 50 Einwegmasken verlangten die Händler vor Ort 150 Euro. Eine Folge der hohen Nachfrage und des geringen Angebots, wie es damals hieß. Ob das Virus auch den Märkischen Kreis erreichen wird? „Ich denke schon“, sagte Apothekersprecher Dr. Gunther Fay in der MZ, „wir stochern aber alle noch im Nebel“.

Erste Veranstaltungen abgesagt

Anfang März, nach Bekanntwerden eines Infektionsfalles in Lüdenscheid und nach der Einrichtung eines Krisenstabs im Kreishaus, vermeldete die Redaktion dann die ersten Absagen diverser Veranstaltungen und auch eine geschlossene Kita: Während der Frühjahrsbasar in Valbert, der am 14. März stattfinden sollte, aber bereits hinfällig war und die Kindertagesstätte Otto-Fuchs-Straße allein aufgrund eines Verdachtsfalles (!) komplett geschlossen blieb, hielten andere Vereine und Institutionen recht lange am normalen Alltag fest.

So trafen sich noch am 5. März 200 meist junge Zuschauer in der Stadthalle, um die Aufführung „Der Zauberer von Oz“ des Westfälischen Landestheaters zu verfolgen. Dass der Veranstalter KuK an der Aufführung festhielt, war der allgemeinen Einschätzung der Lage geschuldet: Von einem drohenden Lockdown war keine Rede, sodass die Meinerzhagener Schützengesellschaft in froher Erwartung des Schützenfestes 2020 am 6. März im vollen Schützenhaus ihre Frühjahrsversammlung abhielt und auch die Rinkscheider Schützen an ihrer Frühlingsparty, die für den 14. März geplant war, noch zwei Tage vor der Veranstaltung festhalten wollten. Tags darauf wurde auch diese Party gecancelt.

Die Sorge stieg

Unterdessen stieg die Sorge bei den Gastronomiebetrieben und Hoteliers bereits an. Die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Biggesee/Listersee bezeichnete die Zahl der Anfragen in Sachen Corona aber noch als „verschwindend gering“.

Meinerzhagens größter Arbeitgeber Otto Fuchs hatte da schon längst mit einem Krisenstab auf die Corona-Entwicklung reagiert. Schon seit Anfang März kämpfte man mit verschiedenen Maßnahmen gegen das Virus an: Der Reiseverkehr wurde eingeschränkt, Besuche wurden auf ein Mindestmaß reduziert – und Desinfektionsmittel in großen Mengen geordert. Der Ansturm darauf war Anfang des Monats auch bei Aldi an der Lindenstraße enorm: Innerhalb weniger Stunden waren die kleinen Fläschchen beim Discounter ausverkauft.

Schließung der Schulen

Am Freitag, 13. März, ging es dann ganz schnell: Für den darauffolgenden Montag wurde die Schließung der Schulen angekündigt, viele weitere Veranstaltungen wurden abgesagt, darunter auch der Meinerzhagener Frühling. Am 16. März titelte die MZ im Lokalteil „Öffentliches Leben steht still“. Spätestens jetzt waren die Corona-Auswirkungen auch an der Volme spürbar. Und als die Otto Fuchs KG für den 30. März dann auch noch eine Betriebsruhe für ihr Werk in Meinerzhagen ausrief, war die Stille förmlich greifbar.

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