27 Bewohner und 15 Mitarbeiter infiziert

42 Infektionen im Langemann-Haus

Digitale Technik bringt Erleichterung: Mit Hilfe der Skype-Telefonie können Angehörigen mit ihren Verwandten im Wilhelm-Langemann-Haus sprechen und sie dabei sehen.
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Digitale Technik bringt Erleichterung: Mit Hilfe der Skype-Telefonie können Angehörigen mit ihren Verwandten im Wilhelm-Langemann-Haus sprechen und sie dabei sehen.

Im Wilhelm-Langemann-Haus an der Mühlenbergstraße steigen die Infektionszahlen weiter.

Meinerzhagen – Stand Freitagmittag: 27 Bewohner waren bis dahin positiv getestet. Vier von ihnen mussten mit ihrer Covid-19-Infektion ins Klinikum Lüdenscheid-Hellersen verlegt werden, ein Bewohner auf die Intensivstation. Zwei Verstorbene, die das Virus in sich trugen, werden bis jetzt im Wilhelm-Langemann-Haus beklagt.

Von den Mitarbeitern haben sich bisher 15 infiziert, ins Krankenhaus musste keiner davon eingeliefert werden. „Die meisten der betroffenen Mitarbeiter zeigen keine Symptome. Die letzten fünf positiv Getesteten waren nach dem Ergebnis sogar erstaunt, dass sie erkrankt sind. Sie haben nichts davon bemerkt“, berichtet Einrichtungsleiterin Ingrid Papst.

Betretungsverbot verlängert

128 Menschen wohnen in der Senioreneinrichtung der Perthes-Stiftung. Sie alle dürfen nach dem behördlichen Betretungsverbot, das gestern bis einschließlich zum 22. Dezember verlängert wurde, nach wie vor keine Angehörigen oder Freunde mehr empfangen. Das drückt zusätzlich auf die Stimmung. Doch Gespräche mit der Familie – und zwar von Angesicht zu Angesicht – sind dennoch möglich. Einrichtungsleiterin Ingrid Papst freut sich in diesen Tagen, dass die Möglichkeit der Skype-Telefonie wieder verstärkt genutzt wird. „Unser Träger hat neun Tablets angeschafft und die WLAN-Verbindung im Haus ist sehr gut. So können viele Bewohner mit ihren Verwandten reden und sie dabei sehen. Das wird seit Verhängung des Betretungsverbotes auch wieder stark nachgefragt, nachdem das Interesse daran im Sommer eher abgeflaut ist.“ Allerdings, so Papst weiter, sei kein Bewohner in der Lage, mit der Technik allein umzugehen. „Dabei geben wir dann Hilfestellung“, berichtet sie.

Viele Infektionen, die Angst vor Ansteckungen, Ungewissheit, was die Zukunft bringt. Ist „Corona“ das Dauerthema und in allen Bereichen des Langemann-Hauses ständig präsent? Erstaunliche Erfahrungen hat Sozialdienstleiterin Martina Hüttebräucker gemacht: „Das ist nicht so. Nur wenige Bewohner reden überhaupt darüber. Wenn es um die Pandemie geht, drehen sich die meisten Gespräche dann um die Unberechenbarkeit der Krankheit. Niemand weiß halt, ob sein Gegenüber infiziert ist. Das ist ja das Tückische und es belastet die Menschen natürlich.“

Unterschiedliche Reaktionen

Jeder Mensch ist anders, das gilt auch für Bewohner des Wilhelm-Langemann-Hauses. Und so fallen auch die Reaktionen auf die weltweit einzigartige Situation aus. Einige Bewohner stehen laut Ingrid Papst eher auf den Standpunkt „ich habe schon so viel erlebt, was soll mir noch passieren?“. Für andere sei „Corona“ ein Grund „endlich loszulassen“. Das reiche so weit, dass diese Senioren sogar auf dem Standpunkt stehen würden „wenn es mich erwischt, bin ich froh, dass ich dran bin“. In diesen Fällen helfen meist Gespräche und die „Aussicht auf bessere Zeiten“.

Ein Lichtblick ist bekanntlich die bevorstehende Impfung gegen Covid-19. Setzen die Senioren im Langemann-Haus darauf all ihre Hoffnung, zumal sie zuerst an der Reihe wären? Offensichtlich nicht. „Niemand hat mich bisher von sich aus darauf angesprochen“, berichtet Martina Hüttebräucker und Ingrid Papst bestätigt: „Für unsere Bewohner ist das noch nicht aktuell, obwohl das Thema in den Medien gerade in letzter Zeit sehr präsent ist.“

Bewohner leben nicht in ständiger Angst

„Corona“ hat im Wilhelm-Langemann-Haus laut Martina Hüttebräucker und Ingrid Papst trotz aller Gefühle, die damit verbunden sind, nicht dazu geführt, dass sämtliche Bewohner in ständiger Angst leben. „Grob geschätzt fürchtet sich etwa ein Drittel vor einer Infektion, zwei Drittel fürchten sich eher nicht. „Man muss in diesem Zusammenhang aber auch bedenken, dass wir viele demente Bewohner im Haus haben. Die empfinden die Maske oft als fremd und bedrohlich und sie nehmen sie wieder ab. Diese Menschen dürfen wir natürlich auch nicht einsperren. Wir versuchen deshalb, ständig an die Masken- und Abstandspflicht zu erinnern. Aber wie das immer, an jedem Ort und zu jeder Uhrzeit gewährleistet werden soll – das weiß ich auch nicht“, sagt Martina Hüttebräucker und fügt hinzu: „Wir tun unser Bestes.“

Abwechslung tut gut. Gerade in diesen Tagen. Und so freuten sich Mitarbeiter und Bewohner des Langemann-Hauses auch sehr, als am Mittwoch Besuch von der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Grundschule Auf der Wahr vorbeischaute. Natürlich war das Innere des Hauses auch für diese Gäste tabu, die Senioren verfolgten das Geschehen an den Fenstern.

Kinder basteln für Senioren

„Meinerzhagen lässt uns auch in Coronazeiten nicht im Stich“, freute sich Ingrid Papst, als ihr am Mittwoch Kartons und Tüten mit Geschenken für die Bewohner von zwei Botinnen der Kinder der OGS Auf der Wahr übergeben wurden.

Außerdem gab es eine große selbstgebastelte Karte, mit der die Kinder ihre Weihnachtsgrüße übermittelten, von allen unterschrieben und mit einer Fotocollage versehen, die die Schülerinnen und Schüler zeigt, die in den vorangegangenen Tagen mit Feuereifer an den Geschenken – farbenfrohe Windlichter – gearbeitet hätten, um den Senioren in dieser dunklen Zeit eine Freude zu bereiten, wie OGS-Leiterin Jana Buschmann und Heidrun Fuchs bei der Übergabe berichteten.

Papierstreifen waren zurechtgeschnitten, nach Vorlagen mit verschiedenen Motiven bemalt und anschließend geölt worden, bis das Papier durchscheinend wie Pergament war und anschließend noch verklebt wurde. Auch die entsprechenden Teelichter wurden gleich mitgeliefert.

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