Polizei unterstützt Städte

110: Auch bei Corona gefragt

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Die Polizei rückt auch aus, wenn gegen die Corona-Regeln verstoßen wird.

Meinerzhagen – Die Corona-Schutzverordnung ist noch nicht jedem in Fleisch und Blut übergegangen. Keine unnötigen Kontakte, Treffen von maximal zwei Haushalten – allesamt Regeln, die mitunter nicht eingehalten werden, ob bewusst oder unbewusst.

Aber führt das Fehlverhalten auch zum Denunziantentum? Sehen sich Bürger als „Corona-Polizei“ verstärkt in der Pflicht, Vergehen zu melden? Die Redaktion fragte bei der Polizei im Märkischen Kreis nach.

„Uns wurden seit Beginn des Lockdowns im November bis Mittwochmittag erst 23 Fälle gemeldet, bei denen wir einen Verstoß gegen die Corona-Schutzverordnung zu überprüfen hatten“, sagt Polizei-Pressesprecher Marcel Dilling. Dabei sei seine Behörde eigentlich gar nicht Hauptansprechpartner für solche Delikte, sondern das jeweilige Ordnungsamt. „Häufig kontaktieren wir dann einfach nur die entsprechenden Kollegen in den Städten. Die holen uns bei der Kontrolle nur dann dazu, wenn mit Schwierigkeiten zu rechnen ist“, erläutert Dilling und meint etwa Randalierer, die in Supermärkten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen wollen und diese Ablehnung mit Gewalt durchsetzen wollen – wie zuletzt in Iserlohn. 

Kein Denunziantentum

Generell könne durchaus die 110 gewählt werden, wenn Verstöße gegen die Corona-Regeln erkannt werden, sagt der Polizei-Sprecher. Das allein habe nichts mit Denunziantentum zu tun. „Das ist einfach praktikabler, weil viele Menschen die Nummer ihres Ordnungsamtes, das eigentlich zuständig ist, nicht kennen.“ Wenn dann – wie am 6. November in Kierspe oder am 7. November in Meinerzhagen – von Menschenansammlungen berichtet wird, können die Beamten reagieren, indem sie entweder selbst zum „Tatort“ fahren oder die entsprechende Stadtverwaltung informieren. „Insbesondere nachts ist es dann aber häufig doch so, dass wir aufgrund der personellen Lage in den Rathäusern selbst rausfahren“, erklärt Marcel Dilling.

„Wir arbeiten ganz eng mit den Ordnungsämtern zusammen, der Draht ist kurz.“ Die bis Mittwoch lediglich 23 Fälle, die der Polizei gemeldet wurden, ließen jedenfalls nicht erkennen, dass Mitbürger ganz bewusst „Jagd“ auf Corona-Sünder machten. Ganz im Gegenteil. Seit März taucht in der polizeilichen Kriminalstatistik der Punkt „Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung“ auf. Für März verbuchte die Polizei im gesamten Märkischen Kreis 298 Corona-Einsätze. „Im Monat April wurden uns gleich 500 Verstöße gemeldet.“ Im Mai sei die Zahl dann auf 122 zurückgegangen, ehe es im Sommer aufgrund der zurückgehenden Fallzahlen und lockereren Regelungen noch weniger polizeibekannte Vorfälle gab: 17 waren es im Juni, 8 im Juli, 16 im August, 10 im September. Im Oktober ging die Zahl der Meldungen dann wieder nach oben: 26 Mal wurden der Polizei mutmaßliche Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung gemeldet.

Zahlen nicht vergleichbar

„Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen“, betont Marcel Dilling. Sehr häufig stehe im Einsatzbericht später „keine Feststellung“ – oder es wurde umgehend die örtliche Ordnungsbehörde verständigt. „Insofern ist in all den Fällen nicht wirklich auch ein Streifenwagen ausgerückt.“

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