Ungewöhnlicher Verlauf

42-Jährige aus dem MK erkrankt schwer: Eine (Corona-)Leidensgeschichte

Der von Dr. Reimann durchgeführte PCR-Test fiel negativ aus.
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Der von Dr. Reimann durchgeführte PCR-Test fiel negativ aus.

Nein. Zur Corona-Risikogruppe gehört die Meinerzhagenerin Carola Schmidt nicht. Die 42-Jährige – die eigentlich einen anderen Namen trägt, aber nicht erkannt werden möchte –, ist nicht in einem Alter, in dem schwere Covid-19-Verläufe zu befürchten sind. Und sie ist nicht vorerkrankt. Und dennoch infizierte sie sich mit dem Corona-Virus und erkrankte schwer.

Meinerzhagen – Gleich mehrere Faktoren an ihrer Leidensgeschichte sind allerdings völlig untypisch. Für Schmidts Hausarzt, den Facharzt für innere Medizin Dr. Holger Reimann, ist dieser „Fall“ Anlass dafür, noch einmal auf die Gefahren hinzuweisen, die von dem Virus ausgehen.

PCR-Test negativ

Alles begann bei Carola Schmidt vor einigen Wochen mit Symptomen, die auch für einen grippalen Infekt typisch sind: „Ich bin mit Husten, Unwohlsein und Frieren – Fieber hatte ich nicht – zu meinem Hausarzt Dr. Reimann gegangen. Der dort durchgeführte PCR-Test war negativ“, erinnert sich die Volmestädterin, die zuvor bereits privat einen Schnelltest hatte durchführen lassen – auch der mit negativem Ergebnis.

Nach den Tests traten weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen auf: „Laut Telefonaten mit meiner Familie habe ich über Kopfschmerzen geklagt, woran ich mich aber nicht mehr erinnere. Bei diesen Gesprächen fiel auf, dass ich immer unklarer sprach.“ Da trug Carola Schmidt das Corona-Virus bereits in sich.

Erinnerung fehlt

Sicherheitshalber wurde die 42-Jährige anschließend von ihren Eltern zu ihnen in die Wohnung geholt – nach zwei negativen Tests schien das Risiko überschaubar. Doch der Zustand der Erkrankten verschlechtere sich zusehends. Carola Schmidt berichtet, was dann geschah: „Am nächsten Tag wurde es nicht besser, ganz im Gegenteil. Die Sprache wurde nicht besser und die Hände fingen an zu zittern. Auch hier fehlt mir jede Erinnerung. Nachmittags wurde es dann meiner Familie zu ,heiß‘ und sie fuhren mich ins Klinikum nach Hellersen in die Notaufnahme. Dort wurde ich relativ schnell aufgenommen und kam für zwölf Tage auf die Quarantänestation. Der Coronatest war dort positiv. Ich weiß noch, dass ich direkt mit Sauerstoff versorgt wurde, da meine Sauerstoffsättigung recht schlecht war.“

Zustand verschlechtert sich

Der Zustand der Meinerzhagenerin verschlechterte sich weiter, betroffen war auch die Wahrnehmung beziehungsweise Kommunikation: „Ich war nicht mehr in der Lage, mein Handy zu bedienen und habe nach Falscheingaben direkt meine SIM-Karte gesperrt. Auch einfache Fragen wie ,was möchten Sie zum Frühstück oder Mittagessen?’ haben mich vor unvorstellbare Schwierigkeiten gestellt. Als ich mir Notizen machen wollte, musste ich erschreckt feststellen, dass ich – obwohl eigentlich mit einer schönen Handschrift gesegnet – nicht mehr in der Lage war, zu schreiben und dies zu verstehen. Es hatte etwas von Demenz – und da bekam ich Angst“, denkt die Volmestädterin an diese schlimmen Tage zurück. Immerhin: In Hellersen wurde eine Computertomographie des Kopfes veranlasst, die keine Auffälligkeiten ergab.

Immer noch in Behandlung

Mit der Zeit erholte sich Carola Schmidt. Sie durfte das Krankenhaus verlassen, befindet sich aber immer noch in medizinischer Behandlung. Für ihren Hausarzt Dr. Reimann zeigt diese Krankengeschichte, dass das Corona-Virus eben nicht nur die Lunge angreift: „Auch andere Organe können betroffen sein. Und selbst ein PCR-Test ist nur eine Momentaufnahme und er bietet keine hundertprozentige Sicherheit.“

Zweifel an offiziellen Zahlen

Der heimische Mediziner warnt in diesem Zusammenhang davor, den Lockdown zu früh zu lockern oder die Hygienemaßnahmen zu lasch auszulegen. Und er geht davon aus, dass deutlich mehr Menschen das Virus tragen, als die offiziellen Zahlen das belegen.

Die Impfungen gegen Covid-19 hält Dr. Reimann für die „Waffe“, mit der Corona ausgerottet werden kann. „Wir brauchen die augenblicklichen harten Regeln aber weiterhin, um eine Virus-Ausbreitung wie zum Beispiel in Irland zu vermeiden“, ist er sich sicher.

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