Unglück in Los Angeles

Hubschrauber-Absturz mit Kobe Bryant: Heimische Piloten fragen sich „wieso?“

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Ein Sikorsky S-76-Hubschrauber wie dieser stürzte bei Los Angeles ab – an Bord auch Kobe Bryant.

Meinerzhagen - Kobe Bryant, ehemaliger Basketball-Star aus den USA, war einer der Insassen, die bei einem tragischen Hubschrauber-Absturz ums Leben gekommen sind. Einige Details dazu sind inzwischen bekannt. Nebel soll ein Grund für das Unglück gewesen sein.

„Wenn das so war, hat der Pilot grob fahrlässig gehandelt“, sagt Patrick Werner, Chef von Coelncopter aus Meinerzhagen.

Die Firma heißt Coelncopter, ihr Hauptsitz ist seit dem vergangenen Jahr allerdings nicht die Domstadt, sondern der heimische Flugplatz in der Steinsmark. Von hier aus starten die beiden Firmen-Hubschrauber zu Rundflügen. 

Patrick Werner sitzt dann allerdings nicht hinter dem Steuerknüppel, er ist aber ebenfalls Helikopter-Pilot und fliegt privat. Die Dienstflüge übernimmt ein angestellter Berufspilot. Verstehen kann Werner die Vorgänge im fernen Los Angeles nach wie vor nicht. „Natürlich kann ich den Unfall aus der Ferne nur danach beurteilen, was in den Medien bisher berichtet wurde. Aber es scheint tatsächlich so zu sein, dass Nebel eine Rolle gespielt hat. Und hier frage ich mich, wieso?“

Werner geht davon aus, dass der Unglücks-Hubschrauber „instrumentenflugtauglich“ war und so auch bei schlechter Sicht gefahrlos hätte abheben können. „Ein Sikorsky S-76 kostet geschätzt etwa 15 Millionen Dollar und er ist eigentlich mit entsprechenden Instrumenten ausgestattet. Die Ziel-Koordinaten werden dabei vor dem Start eingetippt, die Flugstraße ist bekannt. Und dann tut der Hubschrauber eigentlich alles, damit der Pilot nichts – oder kaum noch etwas – tun muss“, sagt Werner. 

Schlechte Sicht, in Meinerzhagen und Umgebung sind Nebel und/oder tief hängende Wolken ebenfalls keine seltene Erscheinung. Erfahrungen damit hat auch Patrick Werner. Er berichtet: „In Wolken beispielsweise ist manchmal nicht auszumachen, wo oben und unten ist. Man neigt dann unter Umständen sogar dazu, das Gleichgewicht zu verlieren.“ Die Technik lässt sich, anders als das menschliche Auge und der Gleichgewichtssinn, allerdings auch in einem solchen Fall nicht überlisten. „Wenn der Pilot von Kobe Bryant also tatsächlich bei schwierigen Bedingungen nach Sicht geflogen ist, wäre das schlicht und einfach unverständlich, zumal berichtet wird, dass ihn ein Kollege vorher auch noch gewarnt haben soll“, meint Patrick Werner. 

Michael Ganser ist Flugbetriebsleiter bei Coelncopter Meinerzhagen, Ausbilder und Prüfer. Auch er hat eine klare Meinung zu dem Absturz in Los Angeles: „Ein Hubschrauber, der nach Sichtflugregeln betrieben wird, braucht gewisse Flugsichten und Abstände zu Wolken, abhängig von den Luftraumklassifizierungen. Diese wurden wahrscheinlich nicht eingehalten, was die Wettermeldungen am Flughafen bestätigen.“ 

Ganser hat eine Theorie: „So wie es aussieht, ist der Pilot in eine Wolke oder Nebel eingeflogen, hat den Berg vor ihm nicht gesehen und zerschellte an diesem. Ein charakterlich stabiler Pilot würde sich bei solchen Wetterbedingungen entweder weigern den Flug durchzuführen, oder, wenn sich das Wetter während des Fluges unvorhergesehen so verschlechtert, einfach irgendwo landen, mit den Schultern zucken und sagen ,sorry es geht nicht weiter’. Das Schöne an einem Helikopter ist, im Notfall findet sich fast immer ein Plätzchen, um zu landen. Das ist bei der Flugzeugfliegerei etwas anderes, diese benötigen ja immer eine Landebahn.“ 

Auch wenn viele Personen oder VIPs mit deren Management das oft nicht verstehen würden und der Pilot mit dem Verlust seiner Stelle rechnen müsse, sei es immer noch die bessere Wahl, einen Flug abzubrechen oder gar nicht erst zu starten, als so ein Risiko einzugehen, ist Ganser sicher. Er fügt hinzu: „Zudem ist dies auch noch illegal und könnte die Lizenz kosten.“ 

Den Unglücks-Hubschrauber kennt Ganser: Eine S 76 sei ein großer Hubschrauber, der meist auch für Instrumentenflugregeln – im Fachjargon IFR – zugelassen sei und gern von Ölfirmen eingesetzt werde, um bei schlechtem Wetter Arbeiter auf die Ölplattformen zu fliegen. „Deshalb verstehe ich nicht, warum der Flug mit so einem Helikopter nicht unter IFR-Flugregeln stattgefunden hat. Es benötigt die entsprechende Infrastruktur am Start und am Ziel, oder zumindest ein Wetter, das den gefahrlosen Übergang vom Sichtflug zu IFR ermöglicht. Aber wenn nicht einmal das gegeben ist, gibt es nur noch eine Möglichkeit – nicht starten“, steht für Michael Ganser ganz klar fest.

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