City-Lichtspiele werden renoviert

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Heinz-Peter Theiss ist im Vorführraum ganz in seinem Element. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Wer den Kinosaal in der im Jahr 1978 erbauten Meinerzhagener Stadthalle betritt, fühlt sich schlagartig in die 70er Jahre zurückversetzt. So wie hier sahen Kinos damals eben aus. Doch bald wird renoviert.

Klappsessel in Reih und Glied als ansteigende Sitzgelegenheiten, holzvertäfelte oder mit Stoff bespannte Wände und ganz vorne, hinterm Vorhang, die Leinwand.

An diesem Zustand soll sich allerdings bei den City-Lichtspielen im nächsten Jahr einiges ändern. Im Etat der Stadt für dieses Jahr sind bereits 5000 Euro an Planungskosten und im nächsten Jahr 160 000 Euro für die eigentlichen Renovierungsarbeiten vorgesehenen.

Zuständig für das „Kino-Projekt“ ist Piero Del Casale vom Gebäudemanagement bei der Stadt. Bei einem Ortstermin gemeinsam mit Haustechniker Tobias Kleine erläutert er der MZ das Vorhaben. „Wir werden zunächst für kleines Geld, ergänzend zu unseren Plänen, Vorschläge eines Fachbüros einholen. Fest steht aber schon auf jeden Fall, den Teppichboden und die Stufenbeleuchtung zu ersetzen“, so Del Casale.

Bei der Frage, ob die Bestuhlung komplett erneuert wird oder ob eine neue Polsterung sinnvoller und kostengünstiger wäre, gibt es noch keine endgültige Tendenz. „Fakt ist, dass wir etwas am Gestühl machen müssen, es ist in die Jahre gekommen“, erklärt Del Casale am Objekt. Bei dem ein oder anderen Sitz ist der Bezug mittlerweile „hauchdünn“ und lässt einen Blick auf das Innenleben zu.

Entschieden werden muss auch noch über die Farbgestaltung der Wände und der Decke. „Einfach mit normaler Farbe anstreichen, geht allerdings wegen der Akustik nicht“, so Piero Del Casale.

Im Gespräch erinnert er sich dann auch noch an die Vergangenheit, als Kinovorführungen im großen Saal des Gildenhauses – dem heutigen „La Provence“ – am der Kirchstraße stattfanden. Betreiber des Kinos war damals Hermann Arens. Er war auch 1978 der erste, der die „neuen City-Lichtspiele“ betrieb. 1979 folgte Helga Hoffmann und 1994 begann die „Ära Ludwig“.

Im Gildenhaus wurden bereits um das Jahr 1911 „kinematographische Vorführungen“ durchgeführt. Belegt ist dieses im Stadtarchiv durch die „Akte 290 – Theaterangelegenheiten – Kinematografen“. Veranstalter dieses „Frühzeit-Kinos“ war der Deutsche Flottenverein, der damit zusätzliches Geld für die Kasse von Kaiser Wilhelm II sammeln wollte.

Seit 2000 ist Heinz-Peter Theiss aus Köln Pächter des Kinos mit seinen knapp 190 Sitzplätzen. Der gelernte Filmtheaterkaufmann betreibt noch weitere Kinos, unter anderem in Köln und Wipperfürth. Im Gespräch mit der MZ erzählt er, wann und wo ihn die „Kino-Leidenschaft“ gepackt hat. „Meine Begeisterung für Kino und Film entdeckte ich schon im zarten Alter von sechs Jahren im Lichtspielhaus meiner Großeltern. Der Vorführraum und die Technik interessierten mich dort ganz besonders.“

In Meinerzhagen werden zwischen 50 bis 80 Filme im Jahr gezeigt. Bei der Auswahl, was vorgeführt wird, hat Heinz-Peter Theiss im Prinzip einfache Regeln: „In erster Linie Qualität. Schlechtes und billig Produziertes, Gewaltverherrlichendes und Pornografisches kommen in Meinerzhagen nicht auf die Leinwand.“

Dass diese Methode richtig ist, zeigen die Besucherzahlen. Zwar schwanken diese im Jahresrhythmus mitunter stark, liegen aber etwa zwischen 3000 und 10 000. Heinz-Peter Theiß kennt sein Publikum. Ohne lange nachdenken zu müssen, weiß er aus welchen Städten sich die Filmfreunde in die Volmestadt begeben.

Zum Filmkunstmontag (an diesem Tag laufen oft Filme die europaweit nirgendwo anders gezeigt werden) kommen laut Theiss mitunter Besucher aus der ganzen Bundesrepublik, ansonsten aus Gummersbach, Marienheide, Kierspe und natürlich Meinerzhagen. Darunter sind dann auch rund 30 „Stammgucker“, die jeden „Kino-Montag“ da sind.

Über die geplante Renovierung des Kinos freut sich Theiss besonders. „Das ist eine tolle Sache. Das eine oder andere kann bestimmt noch verbessert und verschönert werden“, ist er überzeugt.

Bei der Vorführtechnik indes gibt es keinen Handlungsbedarf. Die City-Lichtspiele sind mit Projektionssystemen von Zeiss Ikon ausgestattet, die im Jahre 2000 angeschafft wurden. Für digitale Filme steht ein Epson-Projektionssystem zur Verfügung.

Ende 2013 steht für Heinz-Peter Theiß jedoch eine Investition in Höhe von etwa 75 000 Euro an. Grund dafür: Ab 2014 führen die Filmverleiher ein neues Verschlüsselungssystem zum Schutz gegen Raubkopierer ein. Um dann weiterhin die großen Blockbuster zeigen zu können, müssen bis dahin alle Kinos mit diesem System ausgerüstet sein.

Dass Heinz-Peter Theiss ein Filmliebhaber ist, zeichnet sich auch bei einem seiner Hobbys ab: Dem Restaurieren alter Filme. Und wenn dann noch Zeit übrig bleibt, geht er auch gerne segeln auf der Nordsee. Dieses hat aber gleich wieder einen Bezug zum Kino. Denn einer von zwei Lieblingsfilmen von Heinz-Peter Theiss ist „Die Nordsee von oben“. Und der andere Film, nicht wirklich verwunderlich, „Cinema Paradiso“. ▪ jjh

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