City-Lichtspiele: Kino-Tradition geht weiter

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Sollte der Rat dem „Integrierten Handlungskonzept“ zustimmen, würden die City-Lichtspiele bei Bedarf einen Stadthallen-Saal nutzen.

Meinerzhagen – Bereits im Jahr 1904 wird in Meinerzhagen von einer ersten öffentlichen Filmvorführung mittels Kinematograf berichtet. Seitdem gibt es in Meinerzhagen eine Kino-Tradition, die trotz neuer Planungen auch fortgeführt werden soll.

Der Hintergrund: Wird die Stadthalle einmal saniert, sollen die City-Lichtspiele laut „Integriertem Handlungskonzept“ der Verwaltung in das Hauptgebäude umziehen und ihr altes „Domizil“ im Untergeschoss aufgeben. Dort, so die Planungen, könnte dann das Stadtarchiv eingerichtet werden. 

Heinz Theiß ist Betreiber der City-Lichtspiele – und er möchte das auch nach dem Auszug aus seinem „Stammsaal“ weiter bleiben. „Ich habe von den Planungen in dieser Woche erfahren. So richtig begeistert bin ich nicht. Aber klar: Das Stadtarchiv braucht Platz. Andererseits tut es mir natürlich Leid um die City-Lichtspiele. Gerade das Flair der 1970er-Jahre war etwas ganz Besonderes und so in Nordrhein-Westfalen kaum noch zu finden“, ist Theiß von den Zukunftsaussichten hin- und hergerissen.

Wie auch immer der Rat in Sachen „Integriertem Handlungskonzept“ auch entscheiden wird, Heinz Theiß hat sich mit dem Gedanken an den Umzug in einen der Säle der Stadthalle abgefunden. Das hängt auch mit dem Meinerzhagener Kino-Publikum zusammen. Theiß: „Man kommt hier super mit den Menschen klar. Die Meinerzhagener sind sehr filmbegeistert.“ Wenn möglich, möchte er weiterhin unter dem Begriff „City-Lichtspiele“ firmieren. „Diesen traditionellen Namen würde ich wirklich nicht gerne aufgeben. Aber ich weiß natürlich nicht, welche Pläne die Stadt in dieser Sache hat.“ 

In welcher Form Kino künftig in der Stadthalle möglich sein wird, das ist für Theiß noch nicht ganz klar: „Man hat mir gesagt, dass die Beameranlage grundsätzlich dafür verwendet werden kann“, erläutert er. Auf jeden Fall sei er – zumindest bei Blockbustern – darauf angewiesen, den von den Verleihfirmen geforderten DCP-Standard (Digital Cinema Package) verarbeiten zu können. Dabei wird der Film als Datenpaket geliefert. „Bei Kino-Neueinrichtungen muss das eingehalten werden, das schreiben die Verleihfirmen vor“, erläutert Theiß. 

Immerhin: Programmkino in der augenblicklich praktizierten Form, das sei weiterhin möglich, beruhigt der Kino-Betreiber. Für das laufende Jahr rechnet Theiß übrigens mit keinen Änderungen im zuletzt gewohnten Ablauf. „Dafür steht die Planung auch.“ Beispielsweise Filmkunst-Montage und Vorführungen für Kinder seien für das Jahr 2019 nicht gefährdet, berichtet Heinz Theiß.

Meinerzhagener Kino-Geschichte

In den Anfängen wurde noch gewarnt: 1904 hieß es bei der ersten Kinematografen-Vorführung in Meinerzhagen, dass die Apparate feuergefährlich seien. Im „Borlinghausschen Saal“ an der Kirchstraße „wagte“ dann der Deutsche Flottenverein von der kaiserlichen Marine 1907 und 1908 weitere Darbietungen, ebenfalls nicht, ohne auf die gesundheitlichen Risiken für die Besucher einzugehen. Damals hieß es: „Achtung: Es entsteht eine Hin- und Herbewegung der Bilder, die nicht als ein Mangel des Apparates angesehen werden darf. Die Bewegung des Meeres tritt auch bei der Wiedergabe kinematographischer Aufnahmen in Erscheinung. Dunkle Stellen sind eine Folge der naturgetreuen Aufnahmen, sie entstehen durch die Rauchentwicklung aus den Schornsteinen oder Geschützen, beziehungsweise durch die Gischt bei Seegang.“

Damals musste es schon ein besonderer Anlass sein, zu dem bewegte Bilder gezeigt wurden. So etwa die Pfingstkirmes 1912/13. In Gummersbach gab es zu diesem Zeitpunkt mit dem„Central-Theater“ übrigens bereits ein fest eingerichtetes Kino. Aus dem Kultusministerium wurden Vorführungsgäste 1912 gewarnt: „Die Kinematographentheater können eine schwere Gefahr für Körper, Geist und sittliches Empfinden der Kinder darstellen. Das Gefühl für das Gute und Böse, für das Schickliche und Gemeine, verwirrt sich und manch unverdorbenes kindliches Gemüt kann durch starke, nervenerregende Eindrücke auf Abwege gelenkt werden.“ 

Am 24. Mai 1924 wurden dann die „Lichtspiele Meinerzhagen“ im „Saale des Herrn Borlinghaus“ an der Kirchstraße eröffnet – ohne Ton. Als Filmbegleitung spielte ein Orchester. In der Meinerzhagener Zeitung wurden die Eröffnungsvorführungen sehr gelobt. „Um den Betrieb zu einem dauernden zu gestalten, empfiehlt sich deshalb möglichst weitgehende Unterstützung des Unternehmens.“

In der Meinerzhagener Zeitung vom 11. September 1933 ist nachzulesen: „Ein jahrelanger Wunsch der hiesigen Filmfreunde wird sich nun verwirklichen: Meinerzhagen erhält ein eigenes Tonfilm-Kino. Dem Inhaber des Gildensaales ist es gelungen, die Zeis-Ikon AG dazu zu veranlassen, hier eine ortsfeste Tonfilmanlage einzurichten. Die örtliche Geschäftsstelle wurde Herrn Emil Grote übertragen, der auf kinotechnischen Gebiet besonders ausgebildet worden ist. Eröffnung: Samstag, den 7.10.1933.“

Mit dem Bau der Stadthalle folgte im Jahr 1978 der Umzug ins Untergeschoss des Neubaus, wo die City-Lichtspiele noch heute untergebracht sind. Seit knapp 20 Jahren wird das Kino inzwischen von der Familie Theiß betrieben.

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