Christliche Gemeinden „schrumpfen“

Pastor Peter-Wilhelm Keinecke stimmt die steigende Zahl der Austritte nachdenklich. ▪ Archivfoto: Beil

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ St. Maria Immaculata ist eine katholische Großpfarrei. Sie zählt knapp 8000 Christen aus Meinerzhagen, Kierspe und Valbert. Auf den ersten Blick eine stolze Zahl – doch der Mitglieder-Trend gibt zu denken.

„In den Jahren bis 2010 hatten wir in unserem Bereich jeweils ungefähr 20 Kirchenaustritte zu verzeichnen. 2010 stieg diese Zahl auf über 50“, berichtete Pastor Peter-Wilhelm Keinecke gestern auf MZ-Anfrage. Prozentual betrachtet liegt Meinerzhagen damit im südwestfälischen Vergleich mit an der Spitze, lediglich in Warstein habe man ähnlich viele Austritte zu beklagen gehabt, weiß Keinecke. Besonders im zweiten und dritten Quartal 2010 bezeichnet der katholische Seelsorger die Entwicklung in St. Maria Immaculata als „dramatisch“.

Gründe für den Abwärtstrend zu finden, ist auch für den Geistlichen aus der Volmestadt nicht einfach. „Hier vor Ort sind wir eigentlich gut aufgestellt, auch personell. Und Missbrauchsvorwürfe gibt es hier auch nicht.“ Dennoch, so Keinecke, hätten die überregionalen Skandale um den Missbrauch von Kindern und Jugendliche durch kirchliche Amtsträger sicherlich auch eine Rolle bei Austritten in Meinerzhagen, Kierspe oder Valbert gespielt. Letztlich glaubt er aber, dass es in vielen Fällen finanzielle Gründe sind, die viele Menschen zum Ausscheiden aus der Kirche bewegen. Genau kann er das aber nicht sagen, denn: „Die Leute sprechen in der Regel nicht mit uns, wenn sie austreten.“

Allein die evangelische Gemeinde Meinerzhagen hat derzeit etwa 6200 Mitglieder. Die meisten Christen in der Volmestadt sind also Protestanten. Und daran ändern auch die Kirchenaustritte im vergangenen Jahr nichts. 2010 kehrten 22 evangelische Meinerzhagener ihrer Kirche den Rücken und traten aus – durch lediglich acht Eintritte im selben Jahr konnte dieser Verlust allerdings nicht annähernd kompensiert werden. Die demografische Entwicklung, das Missverhältnis zwischen vielen Beisetzungen und weniger Taufen – das ist für den heimischen Superintendenten Klaus Majoress ein Grund für den Negativtrend. Junge Menschen an die Kirche zu binden, das ist auch für Majoress eine große Herausforderung, die bereits mit der Taufe beginnt. Das kürzlich in Meinerzhagen eröffnete evangelische „Jahr der Taufe“ könnte dabei hilfreich sein.

255 Mitglieder zählt die islamische Gemeinde Meinerzhagen zurzeit – die Tendenz ist etwa gleichbleibend. „Wir haben Ende Dezember 2010 eine Aktionswoche zur Mitgliedergewinnung durchgeführt. Die hat uns ungefähr 20 Neuzugänge gebracht“, freut sich Aytac Emrecan, Vorstandsmitglied der heimischen Gemeinde. In der Volmestadt ist die Zahl der Gläubigen schon seit Jahren einigermaßen konstant. „Aus-“ oder „Eintrittswellen“ gibt es kaum, dennoch drücken die Verantwortlichen der Gemeinde mit Sitz in der Moschee am Siepener Weg ähnliche Sorgen wie die christlichen Nachbarn. Emrecan dazu: „Es ist nicht ganz einfach, Jugendliche für die Gemeinde zu begeistern. Die müssen von uns regelrecht abgeholt werden.“ Das haben engagierte Gemeinde- und Vorstandmitglieder im Dezember im Rahmen der Aktionswoche auch versucht. „Wir sind damals mit Mitgliedsanträgen in Dreiergruppen von Haus zu Haus gegangen. Mit dem Ergebnis waren wir recht zufrieden“, erläutert Emrecan. Junge Menschen für die islamische Gemeinde zu begeistern, das wird aber auch auf andere Art und Weise versucht: „Wir spielen auch gemeinsam Fußball oder bieten Hausaufgabenhilfe an“, zählt Emrecan zwei Beispiele auf. ▪ beil

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