Weihnachtsoratorium ein gelungenes Großprojekt

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Das Kourion-Orchester aus Münster und vier Solisten unterstützten den Chor Cantamus aus Kierspe bei Bachs Weihnachtsoratorium.

Meinerzhagen - Großprojekt Weihnachtsoratorium gelungen – Stadthalle erlebt einen denkwürdigen 4. Advent: So ließe sich in größter Kürze zusammenfassen, was der Chor Cantamus unter der Leitung von Frank Bisterfeld mit Unterstützung des Kourion-Orchesters aus Münster am Sonntag auf die Beine stellte. Dazu kamen vier ausgezeichnete Solisten und die Frau an den Tasten: Gerlinde Rentrop, Kirchenmusikerin an der Jesus-Christus-Kirche.

Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“, eine Zusammenstellung von sechs Kantaten für die sechs Festgottesdienste vom 1. Weihnachtstag bis zum Fest Epiphanias, ist das wohl bedeutendste Werk seiner Art und nicht nur in Deutschland integraler Bestandteil des Festes der Ankunft des christlichen Erlösers.

Üblicherweise werden die ersten drei dieser Kantaten zu einem Weihnachtskonzert zusammengezogen – manchmal gibt es ein zweites mit den Kantaten 4 bis 6. „Wie Sie sehen, ist es uns nicht gelungen, uns für den einen oder anderen Teil zu entscheiden, was zwangsläufig bedeutet hätte, die anderen Teile dieses großartigen Oratoriums auszuschließen“, teilte der Chor den durchaus überzeugenden Grund für das Großprojekt mit allen sechs Kantaten mit. Dennoch war es bei drei Stunden reiner Musizier-Zeit nachvollziehbar, dass Frank Bisterfeld nach der Pause das Publikum musterte und sich darüber freute, dass nur wenige Besucher ihre Plätze nicht mehr eingenommen hatten.

„Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ – mit einer langen Reihe von Aufforderungen beginnt das Oratorium. Jubelnd verbindet der Eingangschor die frohe Botschaft mit dem Appell, diese angemessen zu feiern. Die Berichte der Evangelisten Lukas und Matthäus liefern die Details für die Schilderungen des Evangelisten: „Es begab sich aber zu der Zeit…“, sang Marcus Ullmann, der mit seiner schönen Tenor-Stimme ein immer wieder gern gesehener Gast bei den Konzerten von Cantamus ist.

Ihm ebenbürtig war Bassist Christian Palm, dem unter anderem der sonore Lobpreis auf den „liebsten Heiland“ zufiel: „Großer Herr, o starker König“. Neben vielen anderen Kostbarkeiten sang Mezzosopranistin Lena Sutor-Wernich die Arie „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh“ so schön, dass man ihr sofort ein unruhiges Kind anvertraut hätte. Auch Sopranistin Katharina Leyhe brachte eine brillante Stimme mit, allerdings hatte sie zwischen ihren Arien immer mal wieder mit einem Kratzen im Hals zu kämpfen.

Belohnt wurden all jene, die bis zum Schluss blieben – und das waren eben fast alle – mit Kostbarkeiten aus den Kantaten 4 bis 6, die nicht ganz so oft zu hören sind: So etwa die Tenor-Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben“, sowie die flotten Chorstücke „Jesus richte mein Beginnen“, „Ehre sei dir, Gott, gesungen“ und der finale Choral „Nun seid ihr wohl gerochen“, in dem die jubilierenden Trompeten des Beginns noch einmal auftauchen. So war es an diesem Abend kaum zu vermeiden, dass die Vielseitigkeit dieses herrlichen Stücks Bachscher Musik deutlich wurde.

Es konnte deshalb auch nicht überraschen, dass sich das Publikum für den langen Schlussapplaus von den Sitzen erhob und Sänger und Instrumentalisten gleichermaßen feierte.

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