Ansturm auf den Campingplatz führt zum Umdenken

Mit Seeblick durch die Pandemie

Hermann und Ulla Joerißen (von links) haben das Konzept umgestellt.
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Hermann und Ulla Joerißen (von links) haben das Konzept umgestellt.

Irgendwann wurde es Hermann und Ulla Joerißen zu viel. Die Betreiber des Campingplatzes Seeblick in Windebruch konnten den Ansturm an Gästen kaum noch bewältigen.

Meinerzhagen – An die Zeit, als Reisen im vergangenen Jahr nach dem ersten Corona-Lockdown wieder erlaubt wurde, erinnert sich Hermann Joerißen noch genau: „Damals hatten wir Tage, an denen habe ich per Mail 50 bis 60 Anfragen von Touristen oder Durchgangscampern gehabt, die wissen wollten, ob wir noch etwas frei hätten. Und dieselbe Anzahl an Anrufen kam pro Tag noch einmal dazu. Ich habe nur noch im Büro gesessen. Das fand ich nicht gut, denn eigentlich möchte ich draußen auf der Anlage für unsere Gäste da sein.“ Einen Mitarbeiter einzustellen, der das Ehepaar entlastet hätte, das war für Familie Joerißen übrigens nie ein konkretes Thema: „Das hätte unser Umsatz niemals hergegeben“, wurde dieses Thema schnell abgehakt.

Stellplätze nur für Dauercamper

Hermann Joerißen und seine Frau Ulla zogen jetzt die Konsequenzen: „Wir haben das Konzept geändert und nehmen keine Buchungen mehr an von Durchgangscampern oder Touristen. Wir haben umgestellt und bieten jetzt ausschließlich Stellplätze für Dauercamper an. Das kommt auch gut an, mittlerweile haben wir nur noch einen Platz frei“, erläutert der Seeblick-Eigentümer.

Ausgebucht – aber nicht voll belegt. Dass das kein Widerspruch ist, haben die beiden heimischen Campingplatzbetreiber am Hang oberhalb der Listertalsperre während der Pandemie ebenfalls erfahren. Ohne Probleme hätten alle Plätze vermietet werden können. Doch Hermann Joerißen waren in dieser Hinsicht die Hände gebunden – durch die Corona-Schutzverordnung. „Um die Regeln einzuhalten, mussten wir einen Teil des Sanitärbereiches sperren, damit die Abstände eingehalten werden. Und eine Zeit lang durften wir auch keine Niederländer aufnehmen, weil sie aus einem Hochrisikogebiet kamen. Das hat dann zum Beispiel dazu geführt, dass wir Holländer wegschicken mussten, die aus Skandinavien aus dem Urlaub kamen und bei uns einen Zwischenstopp machen wollten“, denkt Hermann Joerißen zurück und er fügt hinzu: „In dieser Zeit mussten wir viele unangenehme Gespräche führen.“

Schlimme Zeit

Mitte März bis Mitte Mai 2020. Diesen Zeitraum bezeichnet Hermann Joerißen als „die schlimmste Zeit, die wir bisher erlebt haben“. Der „Seeblick“ blieb komplett geschlossen, Einnahmeausfälle waren die Folge.

„Aber wir sind noch relativ weich gefallen, weil wir damals schon etwa 80 Prozent Dauercamper hatten“, erläutert der Windebrucher, der sich zumindest auf diese Einnahmen verlassen konnte und weiter kann. Dennoch bilanziert Hermann Joerißen ein „ordentliches Minus“. Das sei auch deshalb zustande gekommen, weil der Kiosk geschlossen blieb und immer noch nicht öffnen darf. Einnahmen aus dem Verkauf von Getränken, Snacks oder Süßigkeiten fehlen also.

Mehr Ruhe auf dem Platz

Auf seine Dauercamper, die übrigens nach seiner Aussage weiterhin kommen dürfen, kann sich Hermann Joerißen nun aber weiter verlassen. Und darüber freut er sich: „Es herrscht auch mehr Ruhe auf dem Platz. Alle Dauercamper auf einmal sind außerdem nie da, deshalb ist es auch einfach, die Regeln einzuhalten, beispielsweise was die Abstände angeht.“ Ein Camping-Zusammenleben wie zu Zeiten vor der Corona-Pandemie ist für Hermann Joerißen allerdings momentan noch nicht wieder vorstellbar: „Familien beispielsweise dürfen sich nicht gegenseitig besuchen. Auch bei uns gilt: Nur eine Person darf zum Nachbarn.“

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