In Meinerzhagen

Mit Strahlkraft durch die Krise - Busch und Müller profitiert vom Fahrrad-Boom

Busch-und-Müller-Geschäftsführer Guido Müller ist mehr als zufrieden mit der Entwicklung des Meinerzhagener Traditionsunternehmens und schaut auch sehr zuversichtlich in die Zukunft.
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Busch-und-Müller-Geschäftsführer Guido Müller ist mehr als zufrieden mit der Entwicklung des Meinerzhagener Traditionsunternehmens und schaut auch sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Meinerzhagen – Busch und Müller ist ein Unternehmen mit Strahlkraft, das wird vor allem dann deutlich, wenn es rund herum dunkel wird.

Wer sehen will, wie hell Fahrradscheinwerfer leuchten können, muss bei Busch und Müller viele Treppen in den Keller gehen, denn dort findet sich eine Testanlage samt Straßennachbau. Wenn es dann dunkel ist, lässt Geschäftsführer Guido Müller einen „alten“ Halogenscheinwerfer aufleuchten. Maximal 15 Lux brachte diese Lichtquelle auf die Straße – und war bei ihrer Vorstellung eine Revolution. Erstmals war es wirklich möglich, mit einem Fahrradscheinwerfer den Weg vor dem Rad so auszuleuchten, dass der Radfahrer nicht nur gesehen wurde, sondern auch selbst sehen konnte, was sich vor ihm befand.

Doch wenn Müller dann einen modernen Scheinwerfer mit 150 Lux anschaltet, dann scheint der alte wie ein Licht aus einer anderen Zeit. Hell und weit strahlt der Scheinwerfer aus dem aktuellen Sortiment des Meinerzhagener Unternehmens. Nicht einmal zehn Jahre liegen zwischen den beiden Leuchten. Als dann auch noch die Fernlichtfunktion dazu kommt, wird es fast taghell in dem einst dunklen Raum. „In naher Zukunft werden die leistungsfähigsten Lampen 300 Lux haben, das ist dann noch einmal eine ganz andere Helligkeit“, verrät Müller die nahe Zukunft des Fahrradlichts.

Doch es sind nicht nur die Produkte des heimischen Unternehmens die strahlen. Während andere Unternehmen in der Region von Auftragsrückgängen geplagt sind und sich viele Mitarbeiter in Kurzarbeit befinden, stellt Busch und Müller ein. Mit bislang 30 Neueinstellungen wurde die Belegschaft in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent vergrößert – und es werden immer noch Produktionshelfer gesucht.

Dass das so kommen würde, damit hatte der Geschäftsführer im Frühjahr nicht gerechnet. „Wir sind ganz normal ins Jahr gestartet. Aber als dann im März die Geschäfte geschlossen wurden und damit auch der Verkauf der Räder zum erliegen kam, hatten wir noch eine Auslastung von gerade einmal 40 Prozent“, berichtet Guido Müller. Doch dann öffneten die Läden wieder und die Kunden kauften Räder, als gäbe es kein Morgen. Müller: „Nach zwei Monaten Kurzarbeit und einer 40-Prozent-Auslastung ging es schlagartig nach oben auf 140 Prozent.“ Allein bis zum Jahresende brauche man, um den jetzigen Bestelleingang zu bearbeiten. „Die ganze Branche schiebt eine gewaltige Bugwelle vor sich her und es wird wohl weit ins kommende Jahr dauern, bis diese abflaut“, sagt der Geschäftsführer. Danach gehe man von einer Beruhigung auf einem höheren als dem bisherigen Niveau aus.

Nach zwei Monaten Kurzarbeit und einer 40-Prozent-Auslastung ging es schlagartig nach oben auf 140 Prozent.

Guido Müller, Geschäftsführer bei Busch und Müller

Vor allem die Nachfrage nach Elektrorädern heize den Markt an. Müller: „In Deutschland werden mehr als vier Millionen Räder jedes Jahr verkauft. Und während die Absatzzahlen der konventionellen Räder sinken, steigen die der E-Bikes deutlich. 2018 wurden eine Million Elektroräder verkauft, im vergangenen Jahr waren es bereits 1,36 Millionen.“

Für Busch und Müller bringen die neuen Räder gleich zwei Vorteile. Zum einen sinkt der prozentuale Anteil für eine gute Beleuchtung bei den teuren Elektrorädern, zum anderen liefern die Akkus der E-Bikes so viel Strom, dass sich auch leistungsstarke Lampen betreiben lassen.

Angefeuert wird der Markt derzeit durch verschiedene Einflüsse. Nicht nur die Corona-Krise hat die Menschen aufs Rad gebracht, auch der Klimawandel trägt zur Veränderung des Verkehrs bei. Dazu kommen riesige Investitionen in die Infrastruktur wie Radwege und nicht zuletzt das Radleasing über die Firmen.

Die Arbeitnehmer zahlen die Raten fürs Rad vom Bruttolohn und müssen diesen Lohnanteil nicht mehr versteuern, auch Sozialabgaben müssen darauf nicht geleistet werden. Damit werden plötzlich mehrere tausend Euro teure Fahrräder für den Arbeitnehmer gut bezahlbar.

Auch im eigenen Haus hat Müller den Effekt zu spüren bekommen, als seine Firma den Mitarbeitern ermöglichte, Leasingräder zu kaufen. „Als wir den Neubau errichteten, haben wir einen Fahrradkeller für zehn Räder gebaut, da bis zu diesem Zeitpunkt nur drei oder vier Mitarbeiter mit dem Rad kamen, nachdem es dann Leasingräder gab, war der Keller schnell überfüllt. Heute haben wir ein echtes Problem, die Räder unterzubringen“, erzählt Müller, der auch gerne mit dem Elektrorad zur Arbeit kommt, „wenn es nicht regnet“.

E-Bike hat sehr geholfen

Mit dem derzeitigen Boom hilft das E-Bike bereits zum zweiten Mal dem Unternehmen. Groß war die Sorge, als vor einigen Jahren die Dynamopflicht abgeschafft wurde. Seitdem ist es Radfahrern auch erlaubt, Akkuleuchten zu benutzen. Die Befürchtung bei Busch und Müller war, dass etliche Hersteller nun auf die Erstausrüstung mit Leuchten „Made in Meinerzhagen“ verzichten würden. „Tatsächlich haben wir damals einige Kunden verloren. Dafür kamen gerade im E-Bike-Bereich viele neue dazu“, berichtet Müller.

Neue Technik bei den Akkus, den Leuchtdioden und der Elektronik erlaubt es dem Unternehmen, immer leistungsfähigere Lampen zu bauen, deren Energiehunger sich aber in Grenzen hält.

Setzte man zuerst auf immer hellere Lampen mit einer klar definierten Hell-Dunkel-Grenze, um die anderen Verkehrsteilnehmer nicht zu blenden, gibt eine geänderte Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) den Leuchtenherstellern nun ganz andere Möglichkeiten.

Während der normale Scheinwerfer leicht nach unten strahlen muss, dürfen Tagfahr- und Fernlicht auch nach oben strahlen. Durch das Tagfahrlicht wird die Sichtbarkeit des Radfahrers auch bei Helligkeit erhöht – und das Fernlicht beschert dem Fahrer eine deutlich weitere Sicht bei Dunkelheit.

Erhöht wird die Sicherheit aber nicht nur vorne am Rad, auch bei den Rücklichtern hat sich einiges getan. So gibt es dort mittlerweile Modelle, die ein Bremslicht haben, das sich bei Verzögerung dank eines Beschleunigungssensors einschaltet und nachfolgende Fahrer warnt.

Made in Meinerzhagen

Solche Innovationen sind nach Angaben von Guido Müller auch für das Unternehmen, das nach wie vor ausschließlich in Deutschland produziert, unverzichtbar. „Wir müssen der Konkurrenz aus Asien immer einen Schritt voraus sein und eine bessere Leistung bieten.“ Dass man damit auf dem richtigen Weg ist, wird der Geschäftsführung auf den Fachmessen immer wieder vor Augen geführt. Denn dort würden nach wie vor Plagiate von Busch-und-Müller-Leuchten angeboten. So gesehen erreicht die Strahlkraft des Meinerzhagener Unternehmens sogar einen anderen Kontinent.

Der Fahrradmarkt in Deutschland

Im vergangenen Jahr ist der Fahrradmarkt in Deutschland nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) um 3,1 Prozent gewachsen, wobei die E-Bikes der Wachstumstreiber waren. Insgesamt wurden 4,13 Millionen Räder verkauft, 1,36 Millionen davon hatten einen Elektromotor. Nach Schätzungen des ZIV gibt es in Deutschland 76 Millionen Fahrräder, 5,4 Millionen hatten Ende des vergangenen Jahres einen elektrischen Antrieb. Insgesamt soll der Branchenumsatz im vergangenen Jahr rund 7 Milliarden Euro betragen haben, wobei auch die Lieferanten von Komponenten und Zubehör eingerechnet waren. 

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