Auch der Papst wird mit Licht aus Meinerzhagen erleuchtet

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Firmenchef Dr. Rainer Müller ist enttäuscht über die jetzt in Kraft gesetzte neue Fahrradbeleuchtungs-Vorschrift.

MEINERZHAGEN - Wenn der neue Papst Franziskus, wie er es des Öfteren tut, mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, dann sorgt im Falle von Dunkelheit an seinem nagelneuen E-Bike der Nobelmarke Daimler eine Lampe aus dem sauerländischen Meinerzhagen für die nötige Ausleuchtung des Wegs.

Das hiesige Traditionsunternehmen Busch + Müller gilt als erste Adresse für Hightech-Produkte rund um Licht und Spiegel an Zweirädern. Firmenchef Dr. Rainer Müller hätte sich aktuell gewünscht, dass auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer das richtige Licht aufgegangen wäre. Was unter Regie seines Ministeriums nämlich gerade als verbraucherfreundliche Neuregelung für die Fahrradbeleuchtung in Kraft gesetzt wurde, ist aus Sicht des Meinerzhagener Fachmanns „völlig unausgegoren“ und am Ende eher kontraproduktiv.

Am Mittwoch war es auch auf der Titelseite der MZ zu lesen: „Akkulampen am Rad erlaubt. Neue Verordnung hebt Pflicht zum Dynamo auf.“ Was da vom Bundesrat am 5. Juli im Eilverfahren in Gang und vom Ministerium per Verordnung mit Wirkung vom 1. August in Kraft gesetzt wird, kann in der praktischen Umsetzung für große Probleme sorgen. Das befürchtet Müller und begründet das im Gespräch mit der MZ mit harten Fakten. Womöglich werden demnächst viele der Millionen deutschen Fahrradfahrer mit einer Beleuchtung unterwegs sein, die nicht den nach wie vor hohen Sicherheitsstandards entsprechen.

Denn weiter gilt: Nur Beleuchtungstechnik für Scheinwerfer vorn und Rücklichter hinten am Rad mit deutschem Prüfzeichen darf genutzt werden – alles andere wäre eine mit Geldbuße bedrohte Ordnungswidrigkeit. Müller schätzt, dass mindestens 90 Prozent der Fahrräder im meist niedrigeren Preis- und Ausstattungssegment auch mit Licht ausgestattet sind, das als Billigprodukt meist aus Fernost diesem Anspruch nicht gerecht wird.

Auch in seiner Eigenschaft als Präsidiumsmitglied des Zweirad-Industrie-Verbandes hat der Meinerzhagener Unternehmer versucht, im Vorfeld der auf der Agenda stehenden Änderung der einschlägigen Paragrafen der Straßenverkehrsordnung bezüglich der „lichttechnischen Einrichtung an Fahrrädern“ Einfluss auf den Gesetzgeber zu nehmen. Dazu reiste er auch nach Berlin, um sich mit dem zuständigen parlamentarischen Staatssekretär Jan Mücke (FDP) auszutauschen. Gebracht hat es, so Müllers resignatives Fazit, „leider nichts“.

Mit Experten von Tüv, Dekra und anderen Instituten teilt Müller vor allem Bedenken hinsichtlich der Betriebssicherheit von Beleuchtung, die statt per Dynamo nun mit Batterie oder Akku gespeist werden kann und bringt dies plastisch auf diesen Nenner: „Ein Dynamo ist immer da, ein Akku immer leer.“ Busch und Müller hat übrigens schon 1993 auch einen Nabendynamo entwickelt, der für Licht an Fahrrädern auch im Stand sorgt. Wegen der bestehenden Sicherheitsbedenken, so war es laut Müller vereinbart, sollte bis zu einer gesetzlichen Änderung das Ergebnis eines aktuell bei der Bundesanstalt für das Straßenwesen laufenden Forschungsprojekts abgewartet werden.

Davon verspricht man sich Erkenntnisse, unter welchen Bedingungen eine Batterie- oder Akkubeleuchtung das gleiche Sicherheitsniveau wie ein Dynamo bietet. Müller ist sicher, dass bei Vorlage der Ergebnisse die jetzt beschlossene neue Regelung noch einmal überarbeitet werden muss. Dessen ungeachtet ist man bei Busch + Müller vorbereitet auf jeden Eventualfall mit gewohnt qualitativ hochwertigen Beleuchtungsartikeln. - Von Horst vom Hofe

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