58 Millionen Quadratmeter Staatswald – das „Ebbe“

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Förster Matthias Borgmann (links) ist für das Revier Beckerhof zuständig. Auch er muss versuchen, es allen Interessengruppen und seinem Arbeitgeber recht zu machen.

Meinerzhagen - 5800 Hektar Wald im „Ebbe“ gehören dem Land Nordrhein-Westfalen. Eine gewaltige Fläche von umgerechnet 58 Millionen Quadratmetern, die vom Landesbetrieb Wald und Holz bewirtschaftet wird und auf der die vielfältigsten Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen. Und mittendrin liegt Meinerzhagen.

Von Jürgen Beil

Der Wald dient einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen als Lebensraum. „Wald und Holz“ bewirtschaftet den Bereich und erzielt aus der Holzvermarktung Gewinne. „90 Prozent unserer Einnahmen werden durch Holz generiert“, erläutert der Leiter des Regionalforstamtes Kur-kölnisches Sauerland, Klaus Lomnitz. Und dann sind da auch noch die Touristen, die den Forst zu Spaziergängen nutzen oder die Mountainbiker, deren bevorzugtes Terrain die Waldwege sind. Nicht zu vergessen Ski-Langläufer und Jäger, die ebenfalls bestimmte Bedingungen an den heimischen Wald stellen. „Das alles unter einen Hut zu bringen, ist oft nicht einfach“, weiß Klaus Lomnitz.

Und dabei geht es nicht ohne Kompromisse. Bestes Beispiel: Die durch Holztransporte stellenweise arg ramponierten Waldwege. „Es geht halt nicht anders und wir bitten um Verständnis“, hofft Lomnitz auf die Einsicht der „Freizeit-Nutzer“ des Waldes. Er verspricht, dass die Wege wieder instandgesetzt werden und die Unannehmlichkeiten nur zeitweise in Kauf genommen werden müssen.

Drei vom Landesbetrieb eingesetzte Förster kümmern sich um ebenso viele Reviere im „Ebbe“. Matthias Borgmann ist für den Bezirk Beckerhof zuständig, sein Kollegen Markus Ingenohl für das Ebbetal und Bernd Rosenbauer für den Bereich Lieberhausen. Insgesamt bekleiden sie zweieinhalb Stellen. Die Experten in Sachen „Flora und Fauna“ müssen sich um die vielfältigsten Fachbereiche kümmern. Neben der Holzwirtschaft obliegt ihnen beispielsweise auch die Umsetzung der so genannten Klima-Anpassungsstrategie. Dadurch sollen die Wälder fit gemacht werden für den Klimawandel, beispielsweise die höheren Durchschnittstemperaturen, die in den kommenden Jahrzehnten erwartet werden. „Ein Umdenken hat hier sicherlich der Sturm Kyrill ausgelöst“, erläutert Klaus Lomnitz. Die Folge: Statt flach wurzelnden Fichten wird bei Neuanpflanzungen künftig verstärkt auf andere Baumarten gesetzt. Dabei muss aber auch darauf geachtet werden, dass durch die bevorzugten Holzarten genügend Erlös erwirtschaftet werden kann.

Das Ebbe ist so genanntes Rotwild-Kerngebiet, also natürlicher Lebensraum dieser Wildart. Ein Hirsch kann durchaus 150 Kilogramm auf die Waage bringen und eine Schulterhöhe von 1,70 Metern erreichen. Dass diese äußerst scheuen und empfindlichen Tiere geschützt werden – ebenso wie dutzende Arten, die im Ebbe leben und auf der Roten Lister der bedrohten Arten stehen – ist ebenfalls Aufgabe von Borgmann, Ingenohl und Rosenbauer. Schwarzstorch, Roter Milan oder der Hochmoor-Perlmutfalter reagieren schließlich sofort auf geänderte Lebensbedingungen.

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