Wahlkreis 149

Nezahat Baradari: „Verschiedenheit ist unser Reichtum“

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Nezahat Baradari möchte für die SPD in den Bundestag einziehen.

Meinerzhagen - Sie ist 52 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Töchter. Nezahat Baradari hat neben ihrer Familie auch einen Beruf, der ganzen Einsatz fordert: Die in Ankara geborene Attendornerin führt in der benachbarten Hansestadt eine Praxis als Kinder- und Jugendärztin.

Bald kann es allerdings gut möglich sein, dass sowohl Ehemann und Kinder als auch die Patienten zeitweise auf sie verzichten müssen. Denn: Nezahat Baradari tritt für die SPD im Wahlkreis 149 – Olpe und südlicher Märkischer Kreis – bei den Bundestagswahlen an.

Ihre Praxis werde sie, wenn möglich, auch als Bundestagsabgeordnete „in kleinem Umfang“ weiterführen, hat die Medizinerin überlegt. Aber vorrangig werde es ihr dann darum gehen, „dem ländlichen Raum in Berlin eine Stimme zu geben und kommunale Themen in die Hauptstadt zu transportieren“. Wie das konkret aussehen könnte, darüber hat sich die Sozialdemokratin bereits Gedanken gemacht. Und klar: Sie möchte besonders ihre Stärken einbringen. „Mein Wunsch wäre, in den Bereichen Kinder, Familie, Senioren und Gesundheit Schwerpunkte zu setzen und in entsprechenden Ausschüssen mitzuarbeiten.“

Nezahat Baradari hat einen Migrationshintergrund. Ihre Kenntnisse über und die Erfahrungen in zwei Kulturen könnten in Berlin helfen. Zum augenblicklichen Streit zwischen Deutschland und ihrem Geburtsland hat sie eine klare Meinung: „Wir möchten dadurch nicht auseinanderdividiert werden. Es hat mich gefreut, dass Moscheen in Deutschland zum Frieden aufrufen und den Terrorismus klar verurteilen. Und der Zentralrat der Muslime hat die hier lebenden Türken mit deutscher Staatsbürgerschaft aufgefordert, sehr wohl zur Wahl zu gehen. Auch wenn Erdogan Gegenteiliges möchte, auf bestimmte Parteien bezogen.“

Das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Deutschland begrüßt Nezahat Baradari ausdrücklich: „Verschiedenheit ist unser Reichtum – und kein Manko.“ Sehr wohl sieht sie aber eine Gefahr in der aktuellen Entwicklung: „Wir müssen aufpassen, dass kein Keil in unsere Gesellschaft getrieben wird und es nicht zur Spaltung kommt. Von den Deutsch-Türken muss ein klares Bekenntnis zu Deutschland verlangt werden. Aber es ist schon so, dass Erdogan die türkische Gesellschaft spaltet. Da gehen die Risse manchmal durch die Familien.“

Das Themengebiet „Migration“ sei allerdings, auch wenn sie dazu klare Meinungen habe, nicht das Politik-Feld, dem sie in Berlin verstärkte Aufmerksamkeit widmen möchte. Viel mehr liegen Baradari eben das Gesundheitswesen und andere Bereiche am Herzen. „Zum Beispiel die kommunalen Finanzen. Man kann doch den Kommunen nicht immer mehr Vorgaben machen, und sie dann nicht mit den nötigen finanziellen Mitteln ausstatten“, sagt Baradari. Die Schulen stärken, die Verkehrsinfrastruktur vernünftig und umweltverträglich sanieren und ausbauen – auch das hat sich die Ärztin auf die Fahne geschrieben. Dazu gehört auch der sechsspurige Ausbau der A 45: „Dieses Vorhaben ist richtig – dabei wären aber vernünftige Umweltauflagen einzuhalten. Umweltschutz und Verkehrspolitik schließen sich nämlich nicht aus.“

Nezahat Baradari wird auf Platz 18 der NRW-SPD-Landesliste geführt. Das findet sie gut: „Dafür, dass ich neu auf der großen politischen Bühne bin, hat mir meine Partei damit einen großen Gefallen getan.“

Und wie lauten die politischen Ziele der Kandidatin aus der Hansestadt im Sauerland kurz zusammengefasst? Ohne lange zu überlegen, setzt Nezahat Baradari diese Schwerpunkte: „Gesundheit, Bildung, Stärkung der Familien, Entlastung der Kommunen und der Breitband-Ausbau.“

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