Kommunalwahl 2020

Bürgermeister-Wahl in Meinerzhagen: Petra Freudenreich (SPD) im Portrait

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Petra Freudenreich (SPD) stellt sich in Meinerzhagen zur Wahl.

Meinerzhagen - Die Frau mit den dunklen kinnlangen Haaren wirkt besonnen, ein leichtes Lächeln umspielt ihr Gesicht. Wenn Petra Freudenreich aus ihrem Haus geht, sieht sie jedes Mal genau dieses Bild. Ein Plakat der SPD-Bürgermeisterkandidatin hängt auf der anderen Straßenseite.

Authentisch sei ihr Porträt, findet die Ortsvereinsvorsitzende. „Ja, das bin ich. So kennen mich die Leute.“ Wichtiger als Äußerlichkeiten sind der Frau, die nun auch an Meinerzhagens Spitze möchte, jedoch Inhalte. 

Der Strandkorb mit den roten Kissen in ihrem Garten am Rothenstein wirkt gemütlich. „Abends hier zu sitzen, ist einfach schön“, sagt Petra Freudenreich und betrachtet ihren gepflegten Garten, in dem Zucchinis wachsen, Kürbisse und Rote Beete. Das kleine Idyll ist ihre Oase und zugleich ein Lieblingsort. Und der Strandkorb ist nicht nur einladende Sitzgelegenheit, vielmehr steht er als Synonym für die große Leidenschaft Wasser.

Vorliebe für Wasser und die Ostsee 

Sie sei ein Wassermensch, verrät Petra Freudenreich. Im Wasser fühle sie sich einfach wohl. Aber Urlaub an der Nordsee komme nicht in Frage, vielmehr zieht es sie immer wieder an die Ostsee. Genau genommen nach Mecklenburg-Vorpommern: früher Heimat, heute bevorzugtes Urlaubsgebiet. „Mein Zuhause ist in Meinerzhagen.“ Wälder statt Wasser, aber immerhin die Talsperren in unmittelbarer Nähe. 

Statt im Wasser zu tauchen nimmt die Rettungsschwimmerin seit ein paar Wochen jedoch lieber auf einem Standup-Paddle Platz. „Das haben wir in diesem Sommer für uns entdeckt“, schwärmt sie. Die Nähe zum Wasser sei faszinierend, beschreibt sie und ist sich sicher, dass das neue Hobby in den nächsten Jahren ihre Urlaube bestimmen wird: „Ich möchte damit in ganz Deutschland unterwegs sein.“

Jetzt möchte Petra Freudenreich zumindest beruflich zu neuen Ufern aufbrechen. An der Spitze ihrer Partei steht die selbstständige Lerntherapeutin längst. Nun soll es noch einen Schritt weiter gehen. Seit fünf Jahren ist die 57-Jährige die Vorsitzende des Ortsvereins, außerdem die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion im Rat. Demokratie, sagt die Bewerberin um das höchste Amt der Stadt, sei ein hohes Gut. Sie lasse sich nur erhalten, „wenn ich bereit bin, das Leben in unserer Stadt mit zu gestalten“, steht für die Bürgermeister-Kandidatin fest. 

Großes Interesse für Politik

Der Entschluss, politisch aktiv zu werden, fiel nicht erst, als sie 1998 in die SPD eintrat. Interessiert habe sie sich schon immer für Politik. Auch schon zur DDR-Zeit. „Meine Denkweise war kreativ-demokratisch. Da bin ich schon angeeckt.“ 1991 zogen Petra und Olaf Freudenreich mit ihren beiden Kindern nach Kierspe. In den Jahren bis zu ihrem Eintritt in die Partei habe sie hier Demokratie erlebt. „Da war mir klar, dass ich mich politisch engagieren möchte.“ 

Berufliches Zuhause wurde die Awo. Zunächst arbeitete Petra Freudenreich, die Grundschullehramt studiert hat, als Erzieherin im Heilpädagogischen Kindergarten Schürfelde, von 1994 bis 2003 leitete sie die Awo-Tageseinrichtung in Kierspe. Gleichzeitig besuchte sie Weiterbildungen, um als Lerntherapeutin arbeiten zu können. Lernen habe auch für sie persönlich stets eine große Rolle gespielt, blickt Petra Freudenreich zurück. „Ich habe mich immer gefragt, ob das, was ich mache, wirklich das ist, was ich immer machen möchte und mich dann auf den Weg begeben.“ 

Auch in politischer Hinsicht war das so. Ende der Neunziger habe es auf kommunaler Ebene eine Entwicklung in ihrer Partei gegeben, alte Strukturen seien aufgebrochen worden. „Den Weg bin ich mitgegangen.“ Ihre beiden politischen Ämter füllen sie bis heute aus. Dass sie nicht in weiteren Vereinen aktiv ist – ein konsequenter Entschluss: „Ich konzentriere mich auf zwei Dinge – und das richtig.“

Die Entscheidung, als hauptamtliche Bürgermeisterin bei der Kommunalwahl am 13. September zu kandidieren, war an sich auch nur eine logische Konsequenz. Ein Prozess sei es gewesen, der sie seit dem Sommer 2018 beschäftigt habe, sagt Petra Freudenreich. Indes: Ein Typ, der in der Öffentlichkeit stehe, sei sie eigentlich nie gewesen, erzählt die SPD-Chefin. Durch ihre therapeutische Ausbildung habe sie jedoch gelernt, zu spiegeln – die Gefühle des Gegenübers zu erfassen. Das habe letztlich auch zu dem Punkt geführt, etwas zu wagen. 

Der Bereich Lernen hat Einfluss

Dass der Bereich Lernen ihr gesamtes Leben nicht nur begleitet, sondern in gewisser Weise auch steuert, wird nicht nur in ihrer Vita deutlich. Kindern zu erklären, was Lernen bedeutet und wie es am effektivsten funktioniert, zeigt auch in ihrem eigenen Leben Wirkung. Den Ausschlag, als Lerntherapeutin zu arbeiten und Kinder zu begleiten, die ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie oder Motivationsstörungen bewältigen müssen, habe aber wohl auch der Verlust ihrer Tochter gegeben, die im Alter von zehn Jahren an einem Gehirntumor starb. Sie habe gelernt, was wichtig und was unwichtig sei, resümiert Petra Freudenreich. Die Trauer habe auch ihre Persönlichkeit geprägt. „Ich weiß, wie ich anderen Menschen begegnen möchte und habe mich damit beschäftigt, wie ich wahrgenommen werden möchte.“ 

Präsent zu sein, zuzuhören, Worte wirken lassen und ernsthaft darüber nachdenken, was andere beschäftigt, das sei ihr wichtig, betont Petra Freudenreich. Wichtiger, als etwa stundenlang zu debattieren. „Da mache ich vieles eher mit mir selbst aus und bringe die Dinge dann auf den Punkt.“ Ergebnisorientiert zu denken, das sei ihr Ziel.

Multiplikator und Koordinator zu sein, darauf komme es ihr an, sollte sie im Rathaus, zu dem sie übrigens gern mit dem Rad fahren würde, auf dem Chefsessel Platz nehmen. Wichtig im Umgang mit den Mitarbeitern sei das Vertrauen. „Ich weiß, dass ich mich auf die Verwaltung verlassen kann. Das hat sich mir in den fünf Jahren meiner Ratsarbeit gezeigt.“ Sie sei jemand, der zuhöre, aber auch jemand, der konsequent sei, beschreibt sie sich selbst. „Und mich kann man schlecht ins Boxhorn jagen.“ Den Bereich Verwaltung kenne sie aus ihrer Zeit als Kita-Leiterin – auch wenn sich ein Rathaus natürlich nicht mit einem Kindergarten vergleichen lasse. Ruhig schlafen, sagt der Nachtmensch Petra Freudenreich, könne sie bei dem Gedanken, dass sich ihr Leben schon bald komplett verändern könnte, aber doch. 

Ihre Eigenschaft Konsequenz zeigt sich im privaten Bereich auch mit dem Entschluss, mit den Beaglen Max und Eddie zwei Laborhunden ein Zuhause zu schenken und ebenso auch damit, die Patenschaft für drei Kinder in Südamerika zu übernehmen, nachdem der Sohn inzwischen erwachsen ist. Dass sie und ihr Mann ihr Vorhaben wahr machen und die Mädchen besuchen werden, daran besteht kein Zweifel, wenn Petra Freudenreich über die Patenschaft erzählt. Diesen Wunsch in naher Zukunft zu realisieren – aufgrund der Pandemie wird das wohl nicht möglich sein.

"Meinerzhagen hat noch Potenzial in Sachen Tourismus"

Corona hat das gesellschaftliche Leben verändert. Dass sich Meinerzhagens erste weibliche Bürgermeister-Kandidatin aufgrund des Virus keinem wirklichen Wahlkampf stellen kann – für sie kein Nachteil. „Es kommt wohl eher darauf an, was vor Corona passiert ist.“ Frauen zeigten in einem Wahlkampf ohnehin eine andere Präsenz. Corona habe aber auch etwas gezeigt, was ihrer Meinung nach trotz der Regionale bisher zu kurz gekommen ist: „Meinerzhagen hat noch Potenzial in Sachen Tourismus. Da möchte ich genauer hinschauen“, hat sich die Bürgermeister-Kandidatin vorgenommen und ein konkretes Projekt vor Augen. „Im Bereich um die Schanze muss etwas passieren. Sie ist ein Wahrzeichen unserer Stadt, wird aber vernachlässigt.“ In Winterberg etwa gebe es viele Beispiele touristischer Magnete, die sich auch an der Volme realisieren lassen könnten, um die Stadt vor allem auch für Familien attraktiver zu machen. „Wir sind der ländliche Raum. Damit müssen wir arbeiten.“ Das betreffe Radwege ebenso wie Camping-Stellplätze oder auch die regionale Vermarktung.

Bei dem Stichwort Attraktivität kommt auch schnell die Innenstadt ins Spiel. Wenn es gelinge, die Planungen für die Stadthalle umzusetzen, sei man auf dem richtigen Weg, ist Petra Freudenreich überzeugt. Leider bedeute der Prozess auch „Geduld ohne Ende“. „Nicht meine Stärke“, wie Petra Freudenreich zugibt. Dafür hat sie Ideen, die sie bündeln möchte und die das Ziel haben sollten, die Innenstadt zu beleben. „Es gibt so viele kreative Menschen hier. Sie sollte man motivieren und unterstützen, sich in der Innenstadt oder auch in dem neuen Stadthallen-Komplex anzusiedeln.“

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