"Die Arbeit füllt mich wirklich aus"

Großes Interview: Meinerzhagens Bürgermeister Jan Nesselrath will erneut kandidieren

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Bürgermeister Jan Nesselrath will im kommenden Jahr wieder kandidieren.

Meinerzhagen - Jan Nesselrath, Bürgermeister Meinerzhagens, will im kommenden Jahr erneut für das höchste Amt in der Stadtverwaltung kandidieren. Das sagte er jetzt im Rahmen eines großen Interviews mit der Meinerzhagener Zeitung.

Ein neues Jahr erfordert neue Impulse, neue Entscheidungen. Mit Blick auf das neue Jahr sprach MZ-Redaktionsleiter Frank Zacharias mit Bürgermeister Jan Nesselrath über die Herausforderungen der kommenden Monate, die großen Ereignisse des vergangenen Jahres – und der möglichen Kandidatur zur Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr. 

Herr Nesselrath, das Jahr 2018 ist Geschichte. Was werden Sie mit Blick auf die Entwicklung der Stadt in besonders positiver Erinnerung behalten?

Das letzte Jahr war für uns wieder mit sehr viel Arbeit verbunden, aber es war praktisch durchweg positiv. Die Dinge sind im Fluss, die Stimmung hier in der Stadt ist gut und das ist die beste Bestätigung dafür, dass wir unsere Arbeit richtig machen. Wenn Sie mich nach greifbaren Ergebnissen fragen, dann fällt mir neben dem Otto-Fuchs-Platz vor allem die Villa im Park ein, die vor ihrer Fertigstellung steht und in städtebaulicher Hinsicht ebenfalls ein Meilenstein ist. Außerdem haben wir unsere neue Tourist-Info in Betrieb genommen, das Quartier der Generationen wurde eingeweiht und wir haben mit der Beschlussfassung zum Thema Stadthallenareal erfolgreich die Weichen für dieses Großprojekt gestellt. 

Und was lief Ihrer Meinung nach nicht so gut?

Natürlich gibt es immer Dinge, die reibungsloser hätten laufen können. Aber insgesamt war 2018 ein sehr gutes Jahr und man kann zunehmend die Ergebnisse unserer Arbeit sehen. Schwierig ist sicherlich die sich in allen Kommunen widerspiegelnde rückläufige Einzelhandelssituation durch die immer größer werdende Konkurrenz im Online-Bereich. Hier steuern wir bestmöglich an den Stellen gegen, an denen wir Einfluss nehmen können, zum Beispiel mit Aktivitäten von Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung oder durch die Aufwertung der Innenstadt. Auch dass die neue Awo-Kita nicht wie geplant in Betrieb gegangen ist, hätten wir uns anders gewünscht. Aber insgesamt bin ich mit dem Erreichten tatsächlich sehr zufrieden. 

An der Butmicke ist tatsächlich eine Dauerbaustelle entstanden: Nach der Verzögerung des Kita-Baus ist die Arbeiterwohlfahrt mittlerweile aus der Vereinbarung mit der Investorin ausgestiegen. Wie bewerten Sie diese Entscheidung? 

Angesichts der zeitlichen Verzögerung und des bereits laufenden Kita-Betriebes kann ich diese Entscheidung nachvollziehen. Aus einer Bewertung werde ich mich aber heraushalten, da die Entscheidung ganz allein bei den Beteiligten lag.

Die Stadt hatte seinerzeit das Grundstück mit dem Ziel verkauft, den Bau einer Kita zu ermöglichen. Nun besteht die Gefahr einer unvollendeten Baustelle in exponierter Lage. Stehen Sie in Kontakt mit der Investorin, um dieses Szenario zu verhindern? 

Wir unterstützen den Prozess und geben Hilfestellungen dort, wo sie gewünscht und sinnvoll sind, mit dem Ziel, dass dort eine Kindertagesstätte entsteht und keine unvollendete Baustelle zurückbleibt. Insbesondere aufgrund unserer Bemühungen, die Betreuungssituation auszubauen, kann ich mir gut vorstellen, dass wir zu einer guten Lösung kommen. 

Die Kinderbetreuung beschäftigt gerade junge Familien. Die U3-Betreuungsquote ist in Meinerzhagen im kreisweiten Vergleich äußerst niedrig, Mitte 2018 lag sie bei 21,7 Prozent. Wie kann die Stadt entgegensteuern? 

Im kreisweiten Vergleich ist die Betreuungsquote in Meinerzhagen rechnerisch tatsächlich niedrig, wobei unser Platzangebot bislang auskömmlich war. Trotzdem, da haben Sie Recht, müssen wir auch an dieser Stelle Richtung Zukunft denken und die Abdeckung nach oben anpassen. Hierzu stehen wir zusammen mit anderen Kommunen, die in der gleichen Situation sind, in konstruktiven Gesprächen mit dem Kreis. Ich gehe davon aus und bin optimistisch, dass wir dieses Ziel gemeinsam erreichen. 

Es gab weitere „Baustellen“, die Sie und die Verwaltung mit ins neue Jahr nehmen mussten. Stichwort Stadthalle: Wie schätzen Sie die Chancen ein, deren Umbau mit Fördermitteln realisieren zu können?

Zunächst einmal haben wir ja sehr viel Arbeit in das Projekt investiert, auch um realistische Chancen auf eine Förderung zu haben. Unter anderem haben wir intensive Gespräche mit dem zuständigen Landesministerium, der Bezirksregierung und anderen Stellen geführt, und das Projekt wurde dort sehr positiv aufgenommen. Nachdem der Rat nun unseren Vorschlägen zugestimmt hat, können wir die weiteren Vorbereitungen treffen. Die endgültige Entscheidung bleibt aber natürlich dem Ministerium vorbehalten, und die Fördertöpfe sind, das muss man auch sehen, stark überzeichnet. Nur das beste Konzept kommt in die Förderung: Deshalb haben wir uns enorm angestrengt, um das beste Konzept auf die Beine zu stellen. Ich sehe dem weiteren Prozess aufgrund der guten Vor- und Zusammenarbeit aber insgesamt optimistisch entgegen. 

Was geschieht, wenn es keine Förderung des Landes geben sollte? Gibt es einen Plan B? 

So lange es in meinem Einflussbereich als Bürgermeister liegt, werde ich mich für den Erhalt der Stadthalle einsetzen. Sollte es also nicht zu einer Förderung kommen, werden wir nach anderen Wegen suchen, damit die Stadthalle saniert werden kann. 

Wenn es um den städtischen Haushalt geht, sind immer auch die freiwilligen Leistungen ein Thema, sei es für Vereine oder Freibäder. Wie sicher sind diese Leistungen auch für den Fall, dass sich die Konjunktur in den kommenden Jahren abschwächt?

Ich kann natürlich nicht in die Kristallkugel schauen. Aber abgesehen davon, dass unsere Prognosen für das laufende Haushaltsjahr optimistisch sind, bleibt es unser erklärtes Ziel, die freiwilligen Leistungen zu erhalten. Das galt für die vergangenen Jahre, in denen ich trotz Haushaltssicherung daran festgehalten habe, und das gilt auch weiterhin. Freiwillige Leistungen tragen wesentlich zur Lebensqualität bei, und die zu erhalten und zu steigern, ist meine Aufgabe als Bürgermeister. Der Otto-Fuchs-Platz wurde als ein zentrales Regionale-2013-Projekt im vergangenen Jahr eingeweiht. Ein weiterer „Leuchtturm“ soll die Villa im Park sein. 

Was erhoffen Sie sich von dieser neuen Einrichtung nach deren Fertigstellung? 

Zunächst einmal ist die Villa architektonisch und optisch ein Schmuckstück und Alleinstellungsmerkmal für Meinerzhagen. „Leuchtturm“ ist also die passende Beschreibung dafür. Darüber hinaus bietet sie ideale Räumlichkeiten für Seminare, Vorträge und viele weitere Gelegenheiten und steht den Bürgerinnen und Bürgern, Firmen, Vereinen und anderen für Veranstaltungen offen. Ich hoffe also, dass die mit ihrem wunderschönen Ambiente und ihren variablen Einsatzmöglichkeiten gut angenommen wird und sich als gern genutzte Ergänzung der bestehenden Einrichtungen etabliert. 

Ein weiteres Thema, das Politik und Verwaltung im vergangenen Jahr beschäftigt hat, waren die Straßenbaubeiträge von Anliegern. Was halten Sie persönlich von der Forderung etwa der UWG, diese Beiträge künftig nicht mehr zu erheben?

Natürlich bin ich grundsätzlich immer für eine Entlastung der Anlieger. Wir sind aber zunächst einmal an das geltende Recht gebunden, und das sieht zwingend die Erhebung der Beiträge in dieser Form vor. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern, müssen wir eine Regelung finden, die sozialverträglich und für alle gerecht, sprich tatsächlich eine Entlastung für die Anlieger und nicht einfach eine Umverteilung auf die gesamte Bürgerschaft ist. 

Und dann steht auch schon das Jahr 2020 vor der Tür – inklusive der Kommunalwahl. Machen wir also mal einen Zeitsprung in den Dezember des kommenden Jahres: An welchem Schreibtisch werden Sie dann Platz nehmen? 

Es ist ja doch noch ein bisschen hin bis zur nächsten Kommunalwahl, aber wenn Sie mich so fragen, kann ich nur sagen, dass mich die Arbeit, die ich mit dem Amt des Bürgermeisters verbinde, wirklich ausfüllt. Es macht mir große Freude, Dinge zu bewegen und zu gestalten. Wie gesagt: In Meinerzhagen ist viel im positiven Sinne im Fluss und es gibt noch viel zu tun. Dabei glaube ich auch, dass Konstanz wichtig ist, und die würde ich gerne weiter gewährleisten. Mein aktueller Schreibtisch gefällt mir also gut, das gebe ich ehrlich zu. 

Finden Sie aber nicht, dass der Ton in den städtischen Gremien in den vergangenen Monaten rauer geworden ist? 

Nein, das kann ich für Meinerzhagen so nicht bestätigen. Auseinandersetzungen gehören zur Demokratie dazu, aber in Meinerzhagen bleiben sie auf der Sachebene und werden mit Offenheit und Respekt geführt. 

Springen wir zum Abschluss wieder ins Jetzt: Was nehmen Sie sich ganz persönlich für das Jahr 2019 vor? 

Als Bürgermeister will ich diese positive Grundstimmung weiter ausbauen, indem ich die vielen guten und wichtigen Ansätze weiter verfolge. Dazu habe ich mit den Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung eine ganz tolle Mannschaft, die hoch motiviert und mit großem Sachverstand dazu beiträgt. Im Privatleben will ich möglichst viel Zeit mit meiner Familie verbringen und meine Töchter bei ihrem Großwerden begleiten. Es bleibt spannend!

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