Buddhisten wollen in Sellenrade die Ruhe bewahren

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Buddhismus in alten Gemäuern: Das Gehöft in Sellenrade soll sich in ein sogenanntes Retreat-Zentrum verwandeln, in dem die Gäste für einen begrenzten Zeitraum meditieren und so zur Ruhe kommen sollen.

Meinerzhagen - Die Ankündigung der sogenannten Karma Kagyü Linie im Diamantweg-Buddhismus, ein Retreat-Zentrum in Sellenrade zu eröffnen, stieß im vergangenen Jahr nicht überall auf Begeisterung. Insbesondere im Dorf selbst war die Skepsis groß. Doch viele Hürden scheinen genommen zu sein.

Es war eine Zahl, die nicht nur Bürger, sondern auch Politiker aufschreckte: 200. So viele Gäste könnten, so heißt es in einer Bauvoranfrage, maximal an einem jener Workshops teilnehmen, die regelmäßig an den Wochenenden im Retreat-Zentrum stattfinden sollen. 

Viele Leute, viel Verkehr – und ein hoher Wasserverbrauch. Der ansässige Wasserbeschaffungsverband hatte entsprechende Bedenken angemeldet – die mittlerweile aber ausgeräumt sein sollen, wie Friedrich Rothaar, Fachbereichsleiter Technischer Service, in der jüngsten Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses betonte. Und: Auch die Zufahrt sollte im Sinne der etwa 20 Sellenrader geregelt sein: Eine eigene Zuwegung soll die Anfahrt der Gäste durch das Dorf überflüssig machen, wie auch der Antragssteller Olaf Holbeck im Gespräch mit der MZ betont. „Es ist schließlich auch die Ruhe, die die Bewohner und wir an dem Ort besonders schätzen. Und diese Ruhe wollen wir auch den Anwohnern natürlich erhalten“, sagt der Bauingenieur, der mit dem anstehenden Umbau des Bauernhofs betraut ist – so die Genehmigung zur Umnutzung denn erteilt wird. 

Gegen die spricht aber nichts, sodass auch der Bau- und Vergabeausschuss am Dienstag einstimmig sein Einvernehmen in dieser Sache erteilt hat. Zumal sich baulich – zumindest äußerlich – nichts ändert, wie Olaf Holbeck betont. „Natürlich werden wir im Innenbereich Anpassungen vornehmen, außen bleibt aber fast alles so, wie es ist.“ Problematisch sei bislang nur ein als Werkstatt genutztes Gebäude, in dem der Holzbock seine Spuren hinterlassen habe. „Da müssen wir intensiv zurückbauen“, sagt Holbeck. 

Das Innere indes soll den neuen Bedürfnissen natürlich angepasst werden. Unter anderem in Form eines großen Meditationssaals sowie verschiedener Räume und Wohnungen. Sechs bis zehn Personen der Glaubensgemeinschaft, so die aktuellen Pläne, sollen dauerhaft auf dem Hof wohnen, das Zentrum betreuen und verwalten. Hinzu kämen dann die „Gäste“, die den Rückzug (englisch: Retreat) aus dem teils stressbehafteten Alltag antreten. „Das dürften in der Woche zwei bis fünf Leute sein, am Wochenende schon mal zehn bis zwölf“, erwartet Holbeck eine überschaubare Zahl an externen Gästen. 

Verbunden ist dieser „Retreat“ mit Meditationen gemäß der Diamantweglinie, die auch in Workshops gelehrt werden. „Zu diesen Workshops können dann durchaus bis zu 200 Gäste erwartet werden“, sagt der Hagener Olaf Holbeck. Die Belastungen für die Sellenrader sollen dabei allerdings auf ein Minimum beschränkt werden, betont er. 

Und warum ausgerechnet Sellenrade? „Hier hat alles gepasst“, sagt Olaf Holbeck. Die Diamantweg-Buddhisten suchten in der westlichen Region Deutschlands einen geeigneten Ort für das neue Zentrum – und haben dafür circa 100 potenzielle Standorte besucht. „Natürlich müssen verschiedene Faktoren eingehalten werden. In Sellenrade sind wir nun auf einem guten Weg“, freut sich der Ingenieur über das gewonnene Vertrauen der künftigen Nachbarn und die sich abzeichnende Lösung in Sachen Wasserbeschaffung. Läuft alles nach Plan, soll das Zentrum im Sommer seinen Betrieb aufnehmen. Finanzieren soll es sich mit den Mieten der Bewohner, den Teilnahmegebühren der Gäste sowie mit Spendengeldern.

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