Arbeit für ein Buch über Flucht aus Ostpreußen

Brunhilde Schulz ist in der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil für Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen zuständig. - Foto: vom Hofe

MEINERZHAGEN -  „Keine Zeit für Trauer – keine Zeit für Tränen...“ Das ist der Titel eines gerade im Rautenberg-Verlag neu erschienen Buches. Beteiligt an dem Projekt war die Meinerzhagenerin Brunhilde Schulz.

Von Horst vom Hofe

Sie hat die zahlreichen Manuskripte von Zeitzeugen lektoriert und war zudem mitverantwortlich für die redaktionelle Konzeption des Bandes, in dem es um das Schicksal von Menschen geht, die Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen überlebten und als Zeitzeugen nun über dieses Schicksal und ihre Erlebnisse berichten.

Auch der Ehemann von Brunhilde Schulz, geborene Kammler aus Meinerzhagen , gehört zu den Betroffenen. Als sie den „Flüchtling“ als damals 18-Jährige kennenlernte, war das, was er als kleiner Junge in den dramatischen letzten Kriegstagen in seiner ostpreußischen Heimatstadt Heiligenbeil und dann auf der Flucht übers Eis des Frischen Haffs und die kurische Nehrung Richtung Danzig sah und erlebte, lange Zeit ein Tabuthema. „Er konnte darüber einfach nicht sprechen“, weiß Brunhilde Schulze heute. Später haben sie dann gemeinsam erstmals und dann immer wieder seine alte Heimat besucht und bekamen 2006 auch eher per Zufall zur Kreisgemeinschaft Heiligenbeil, einem landsmannschaftlichen Verein, in dem Siegfried Schulz heute die Funktion des Stadtverteters für Heiligenbeil-Nord bekleidet. Seine Frau Brunhilde engagiert sich als Beisitzerin mittlerweile für die Öffentlichkeitsarbeit und betreut hier auch die Publikationen, zu denen bislang schon ein Band über die Güter in Heiligenbeil und eine Reprint-Reihe von Ansichtskarten gehörten. Außerdem ist sie Schriftleiterin des einmal jährlich erscheinenden Heimatblattes der Kreisgemeinschaft.

Die amtierende Vorsitzende Elke Ruhnke aus Wuppertal gab vor drei Jahren den Anstoß, dem Beispiel anderer Gemeinschaften folgend auch eine Buchdokumentation über das Schicksal der Betroffenen von Flucht und Vertreibung herauszugeben. „Über viele Jahre wurde in den Familien nichts oder nicht viel über die Erlebnisse während der Zeit von Flucht und Vertreibung gesprochen. Jeder hat versucht, allein mit dem Erlebten klar zu kommen. Aber viele Menschen sind auch heute nach fast sieben Jahrzehnten immer noch traumatisiert durch die damaligen schrecklichen Ereignisse. Um Zeitzeugen Gelegenheit zu geben, ihr jahrelanges Schweigen zu brechen und auf diese Weise auch ihre Erlebnisse zu verarbeiten, hat sich die Kreisgemeinschaft entschlossen, diese Dokumentation herauszugeben“, so Elke Ruhnke im Vorwort zum Buch. Einige Erlebnisberichte von Zeitzeugen lagen schon vor. Über einen Aufruf im Heimatblatt fühlen sich dann auch etliche ehemalige Heiligenbeiler mehr angesprochen, ihr persönliches eigenes Erleben niederzuschreiben und damit auch für spätere Generationen festzuhalten.

Entstanden ist eine außergewöhnliche Dokumentation mit einem Umfang von 288 Seiten. Das Buch enthält neben den spannenden und unter die Haut gehenden Zeitzeugen-Berichten auch viele Fotos, Karten und weitere Illustrationen, die die Geschehnisse zwischen dem letzten Kriegswinter 1944/45 und der Flucht aus Ostpreuße zu einem anschaulichen historischen Gesamtbild verdichten. Zu haben ist das Buch unter anderem in der Buchhandlung Schmitz in Meinerzhagen oder bei Brunhilde Schulz, Telefon (02354) 4408.

Weitere Informationen auch im Internet unter:

www.heiligenbeil-ostpreussen.de

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