Heimische Politiker beziehen Stellung

Brücken-Lockdown – oder doch nicht?

Käme der Brücken-Lockdown, müssten noch mehr Türen verriegelt werden. Auch Ausgangssperren werden zumindest diskutiert.
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Käme der Brücken-Lockdown, müssten noch mehr Türen verriegelt werden. Auch Ausgangssperren werden zumindest diskutiert.

Er möchte mit einem „Brücken-Lockdown“ die Zeit überbrücken, bis die Impfungen erste Wirkung zeigen. Zwei bis drei Wochen sollen die harten Einschnitte gelten – wenn er sie durchsetzen kann. Die Inzidenz soll dadurch sinken, möglichst auf deutlich unter 100.

Meinerzhagen – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will inzwischen nichts mehr wissen von Lockerungen, er plädiert für den harten Weg, möglicherweise mit Ausgangsbeschränkungen für die Bürger. Was halten heimische Politiker von diesen Plänen?

Kaum konkrete Antworten

Thorsten Stracke, CDU Orts- und Fraktionsvorsitzender, sind diese Überlegungen noch zu unkonkret: „Für mich ist das noch nicht wirklich zu greifen. Was würde eine Verschärfung bedeuten? Würden Kitas geschlossen, der Präsenzunterricht in Schulen ganz ausgesetzt? Müssten Betriebe ihre Produktion einstellen? Darauf gibt es noch keine konkreten Antworten.“

Ausgangssperren für einen bestimmten Zeitraum – auch das eine mögliche Waffe im Kampf gegen Corona. In diesem Punkt gibt es für Thorsten Stracke besonders viele Fragen: „Darf ich dann nur noch in den Supermarkt? Kann ich noch Sport treiben, vielleicht alleine joggen? Und wie weit dürfte ich mich von zuhause entfernen? Alles unklar.“ Der CDU-Kommunalpolitiker aus Meinerzhagen plädiert auf jeden Fall dafür, alle Aspekte zu bedenken: „Einzelhändler, Kleinbetriebe oder Künstler – sie alle haben seit einem Jahr kaum oder gar keine Einnahmen mehr. Da muss man bei den Entscheidungen unbedingt die Verhältnismäßigkeit wahren.“

Für einen harten Lockdown

Rolf Puschkarsky, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Meinerzhagener Stadtrat, plädiert für einen harten Lockdown, der möglichst sogar vier Wochen gelten soll: „Das ewige Hin und Her der vergangenen Monate muss aufhören. Es geht hier auch nicht um Parteipolitik, sondern um die Gesundheit, da könnte ein harter Lockdown helfen. Mir fällt dazu auch nichts Anderes ein.“

Der Sozialdemokrat glaubt auch nicht, dass die ständigen Appelle an die Eigenverantwortung der Bürger wirklich helfen: „Natürlich hält sich die Mehrheit an die Verordnungen. Aber auch in Meinerzhagen ist immer wieder zu beobachten, dass es Verstöße gibt. Wenn diese Menschen sich nicht an die Vorgaben halten – dann geht es halt nicht anders.“

Keine klare Strategie

Karl Hardenacke ist es leid, dass immer neue Vokabeln wie der „Brücken-Lockdown“ in die Runde geworfen werden. Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen findet: „Das ändert an der derzeitigen Situation gar nichts. Was ich vermisse, ist eine klare Strategie.“ Bei dem Laschet-Vorstoß fehle ihm die Substanz. Und noch etwas stört den Grünen-Politiker: „Ich wundere mich, dass im Märkischen Kreis oder in Meinerzhagen aufgrund der jeweils sehr hohen Inzidenzwerte nicht schon längst härtere Maßnahmen ergriffen wurden.“ Für die hätte Hardenacke durchaus Verständnis, inklusive der Ausgangssperre.

Der Grünen-Politiker aus der Volmestadt hat in der Vergangenheit übrigens beobachtet, dass es in Meinerzhagen einige Orte gibt, an denen regelmäßig gegen die Kontaktbeschränkungen verstoßen werde: „Das betrifft zum Beispiel den Schützenplatz, den alten Sportplatz und das Gelände Auf der Freiheit.“ Auch diesem Treiben, so Hardenacke, könnte mit einer Ausgangsbeschränkung wirkungsvoll begegnet werden.

„Ausgemachter Humbug“

Christian Schön ist Ortsvereins-Vorsitzender der FDP. Sein Urteil zum Brücken-Lockdown: „Phantasielos. Ausgemachter Humbug.“ Der Liberale kritisiert, dass dieser Brücken-Lockdown enden würde, wenn vielleicht 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung geimpft seien. „Aus epidemiologischer Sicht macht das keinen Sinn. So öffnet man Fluchtmutationen beim Virus Tür und Tor. Für eine Herdenimmunität brauchen wir doch 70 bis 80 Prozent Geimpfte.“

Christian Schön plädiert stattdessen für eine Ausweitung der Testpflicht: „Das Zentrum in der Stadthalle ist zum Beispiel gut, ich selbst habe für meine Familie und mich Selbsttests gekauft.“ Für Schön wurden und werden die Osterferien im Kampf gegen die Pandemie verschenkt. „Da wäre ein solch harter Lockdown möglich gewesen.“ In der kommenden Woche enden die Schulferien. Und was dann? „Da brauchen wir verpflichtende Selbsttests“, fordert der FDP-Politiker, der außerdem „neue Verfahren“ im Kampf gegen die Pandemie vermisst: „Die sollte es in einem Forschungsland wie Deutschland doch geben.“

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