Brückenbogen wird „gespannt“

Brücke an der B 54 wächst

Mithilfe von zwei Betonpumpen wurden and er Brücken-Baustelle 200 Kubikmeter Beton verarbeitet.
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Mithilfe von zwei Betonpumpen wurden an der Brücken-Baustelle 200 Kubikmeter Beton verarbeitet.

Wackeln? „Hier wackelt nichts“, sagt Andreas Berg. Was auf der noch nicht fertigen Brücke an der B54 hingegen zu spüren ist, ist die Vibration, die die Rüttelflaschen verursachen, erklärt der Bauingenieur und Sprecher des Landesbetriebs Straßen.NRW. Wie beim Hausbau wird auch an der Brückenbaustelle mithilfe der Geräte der Beton verdichtet, der an diesem Tag in Mengen verarbeitet wird.

Meinerzhagen – Auch wenn das Bauwerk mit etwa zehn Metern nicht besonders hoch ist – wer hier arbeitet, muss schwindelfrei sein. Die Betonbauer, die damit beschäftigt sind, die graue Masse zu verteilen, sind es. Ins Schwanken kommt hier niemand, nur ins Schwitzen.

Großbaustelle am Ortsausgang

Seit dem Frühjahr ist an Meinerzhagens Ortsausfahrt Richtung Valbert eine Großbaustelle. Jahrzehntelang hat die Willertshagener Brücke das Bild bestimmt, bis sie Anfang Mai aus Altersgründen weichen musste. Seitdem sorgt eine sogenannte Behelfsbrücke, bestehend aus mehreren Stahlelementen, für Ersatz und eine Verbindung zwischen den Gebieten Willertshagen und Scherl. Wenige Meter daneben entsteht die neue 3 Millionen Euro teure Bogenbrücke mit einer Spannweiter von 40 Metern. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt Bauingenieur Lars Führt, der an diesem Morgen in Meinerzhagen ist, um als Bauaufsicht dabei zu sein, wenn der Bogen aus Beton „gespannt“ wird. Noch wirkt der bisherige Bau eckig und staksig, doch die Ansicht wird sich ändern. Prägend soll hier einmal eine 50 Meter lange sogenannte Spannbetonbrücke sein.

Arbeiten von beiden Seiten

200 Kubikmeter Beton werden dafür an diesem Tag in dem Fundamentwerk aus Stahl und Holz verarbeitet. Mithilfe von zwei großen Betonpumpen wird dafür der Beton zeitgleich auf beiden Straßenseiten mit Druck nach oben gepumpt.

Wichtig sei, dass von beiden Seiten gearbeitet werde, erklärt Lars Führt. „Sonst ist die Belastung für das Traggerüst zu groß.“ „Das statische System gerät sonst aus dem Ruder“, macht auch sein Kollege Andreas Berg deutlich.

Brückenbau gehört zum Berufsalltag

Für die Bauexperten gehört der Bau von Brücken quasi zum Berufsalltag. Der Neubau in Meinerzhagen ist eines von vier Projekten, die Straßen.NRW-Ingenieur Führt überwacht. Trotzdem, sagt Fürth, gibt es natürlich gewisse Herausforderungen und Besonderheiten. Die betreffen beispielsweise auch die Vorbereitung für das Ingenieurbauwerk. Sichtbar für Autofahrer sind so etwa die eigens für die Bauphase angefertigten Fundamente nahe der Fahrbahn, auf denen das Traggerüst steht und die später wieder zurückgebaut werden.

Sprengung war eine Herausforderung

Die Entfernung der alten Brücke sei ebenfalls eine Herausforderung gewesen. Ein Bauwerk sprengen, das über eine Bundesstraße führt, „das macht man nicht alle Tage“, blickt Andreas Berg zurück. Die Prozedur verlief vor mehr als vier Monaten plangenau, auch jetzt ist Führt hochzufrieden mit den Arbeiten der ausführenden Unternehmen Straßen- und Tiefbau aus Kirchhundem und Bauunternehmung Mees aus Lennestadt: „Die wissen, was sie tun.“

Kein Baustoffmangel beim Brückenbau

Baustoffmangel gibt es beim Brückenbau zur Zeit nicht. Zum Glück, sagt der Baufachmann: „Das für dieses Bauwerk erforderliche Material wurde schon lange vor Einsatz bestellt und teilweise eingelagert. Wir verarbeiten auch keine Dämmstoffe oder dergleichen.“ Vergleichbar mit konventionellem Hochbau sei der Brückenbau ohnehin nicht.

Arbeiten sind schweißtreibend

Trotzdem sind die Betonarbeiten beim „Bogenbau“ zumindest ähnlich und vor allem schweißtreibend, wenn die Oberfläche mit Reibbrettern glatt gerieben werden muss. Meter für Meter arbeiten sich die Betonbauer bei dieser Handarbeit nach oben. 28 Tage muss der Beton danach aushärten, um seine Normfestigkeit zu erreichen.

In dieser Woche soll laut Zeitplan das Traggerüst erweitert werden, um auf beiden Widerlagerseiten jeweils die Schalung für die noch fehlenden Anschlüsse und somit den Lückenschluss zu der „Fahrbahnplatte“ herzustellen – die spätere Fahrbahn, auf der der Verkehr im nächsten Jahr wieder rollen soll. Auch dafür wird im November noch einmal eine große Menge an Beton verarbeitet werden. Läuft alles weiterhin nach Plan und spielt vor allem die Witterung mit, soll das Traggerüst bereits Ende des Jahres wieder zurückgebaut werden. Endgültig fertiggestellt wird das neue Bauwerk im nächsten Jahr.

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