Dieb lässt sich tonnenschwere Beute in Seelenruhe aufladen

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Meinerzhagen - Dreister geht´s kaum: Sozusagen "unter falscher Flagge" fuhren Diebe im vergangenen Jahr bei einer Firma in Olpe vor, ließen sich fast 20 Tonnen Bronze aufladen und verschwanden wieder. Von der Beute fehlt bislang jede Spur.

Als olympisches Metall hat Bronze es zu einiger Prominenz gebracht. Dass die wertvolle Legierung aus Kupfer und Zink Anlass für sportliche Begehrlichkeiten ganz anderer Art sein kann, zeigt ein Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid. Dort muss sich ein 39-jähriger Angeklagter als mutmaßlicher Drahtzieher eines gemeinschaftlichen Diebstahls verantworten. 

Am Steuer des dabei eingesetzten Fahrzeugs soll nicht er, sondern ein Mittäter aus Radevormwald gesessen haben. Fest steht, dass ein Lkw-Fahrer am Morgen des 24. Mai des vergangenen Jahres einen Ersatzschlüssel an einer leeren Zugmaschine aufspürte, die in der Nähe eines Subunternehmens einer großen Meinerzhagener Spedition geparkt war. Er fuhr mit dem Fahrzeug dorthin, koppelte einen Sattelauflieger an und fuhr weiter zu einem metallverarbeitenden Betrieb in Olpe: Das dortige Unternehmen verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich 3300 Tonnen Bronzelegierungen zu Gussteilen und Armaturen, die in wassertechnischen Anlagen zum Einsatz kommen. Die Meinerzhagener Spedition indes holt werktäglich zwischen drei und sechs Lkw-Ladungen in Olpe ab und bringt die Ware an den Bestimmungsort.

Keine Spur von der Beute

Der Fahrer des in Meinerzhagen gestohlenen Sattelzugs muss die Abläufe auch in Olpe sehr genau gekannt haben, als er gegen 10.40 Uhr auf das Firmengelände fuhr, den Auflieger mit 19 673 Kilogramm Bronzebändern beladen ließ und mit der Beute davonfuhr. Das Fahrzeug wurde später leer an einer Autobahn in der Nähe von Köln aufgefunden. Von der Beute, deren Wert im Strafverfahren mit rund 200 000 Euro angegeben wurde, fehlt bis heute jede Spur. 

Das Foto, das die Überwachungskamera in Olpe von dem Fahrer gemacht hat, zeigt nicht den Angeklagten. Was also hatte er mit dem Diebstahl zu tun, den die Staatsanwaltschaft als „gewerbsmäßig“ einstufte? Nichts, versicherte der 39-Jährige im Amtsgericht. „Er weist die Vorwürfe entschieden zurück“, erklärte Rechtsanwalt Heiko Kölz im Namen seines Mandanten. 

"Anklage voller Spekulationen"

Die Anklageschrift sei voller Spekulationen und Vermutungen – vor allem hinsichtlich der Annahme, dass der Angeklagte mit im Boot war, als die Ware „gemeinsam“ verkauft wurde. Richter Andreas Lyra stimmte zu, dass es sich dabei um eine Schlussfolgerung aus der angenommenen Beteiligung des Angeklagten handele. 

Nach den ersten Zeugen mochte ein Beobachter sich tatsächlich fragen, warum ausgerechnet dieser Mann auf der Anklagebank saß: Denn die mit 3000 Euro befeuerten Ermittlungen des für die Spedition tätigen Subunternehmens hatten eine ganze Reihe von Namen möglicher Täter ins Spiel gebracht. „Darunter waren drei Namen von Personen, die die nötigen Kenntnisse gehabt haben könnten“, stellte Andreas Lyra fest. Ein Zeuge wollte oder konnte den Namen eines Informanten, der als weiterer Zeuge in Frage käme, nicht nennen. Er kenne den Nachnamen des Mannes nicht, erklärte er. 

Gezielte Fragen zu Abläufen

Der tatsächlich greifbare Angeklagte kam erst mit der Zeugenaussage von Kollegen ins Spiel: Schon vor dem Diebstahl habe er davon gesprochen, dass er bei der Firma Kupfer mitnehmen wolle und dabei auch einen möglichen Tatplan mit einem Lastwagen ins Spiel gebracht. Und er habe gezielte Fragen zu den Abläufen gestellt. „Ich kann nicht ausschließen, dass er es zum Spaß oder aus Scherz gesagt hat“, relativierte ein Zeuge das Gehörte. 

Die Auswertung einer Handy-Ortung des Angeklagten legt allerdings nahe, dass er sich am Morgen des 24. Mai in der Nähe der Tatorte befand und mit dem Fahrer des Lastwagens telefonierte. 

Das Schöffengericht sah noch weiteren Aufklärungsbedarf und vertagte sich auf den 4. Juni. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden.

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