„Brennpunkt“ Stadthalle

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Auf dem „Aldi-Dach“ am Volmecenter sind Schmierereien und Sachbeschädigungen keine Seltenheit. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Was in der Ratssitzung am Montag unter dem Punkt „Anfragen“ eher unscheinbar daherkam, entpuppte sich dann jedoch als offensichtlich großes Problem: Die „Zustände“ rund um die Stadthalle, die von Rolf Puschkarsky (SPD) zum Thema gemacht wurden.

Nicht nur nach seinen Beobachtungen ist das Gelände an „Meinerzhagens guter Stube“ kein Ort zum Wohlfühlen. Pöbeleien und Verunreinigungen sind nach Ansicht einiger Ratsmitglieder hier keine Seltenheit – auch in nichtöffentlicher Sitzung wurde das heikle Thema behandelt – sogar unter dem Aspekt „Videoüberwachung“ für diese Fläche. Diese drastische Maßnahme scheidet aber nach Ansicht der Verwaltung aus. Sich ständig wiederholende Straftaten – eine Voraussetzung für das Installieren von Kameras – sind hier nicht zu registrieren. Doch was tun?

Bei der Suche nach Lösungen kommt natürlich auch die Polizei ins Spiel, erst recht, weil nach Darstellungen einiger Ratsmitglieder zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten die Sicherheit von Passanten gefährdet ist. Erst Ende der vergangenen Woche rückten Beamte zum ehemaligen „Aldi-Dach“ am Volmecenter aus und sprachen elf Platzverweise gegen einige „auffällige“ Jugendliche aus. Leicht alkoholisierte Mitglieder der Gruppe, unter 16 Jahren alt, wurden außerdem ihren Eltern übergeben. Auch das Ordnungsamt, so Fachbereichsleiter Hans-Erich Schmidt, habe im Bereich Stadthalle/„Aldi-Dach“ bereits Kontrollen durchgeführt.

Für Paolino Barone, Ratsmitglied von Grünen/Bündnis 90, scheidet eine Videoüberwachung jedenfalls von vornherein aus. „Man würde das Problem nur an andere Orte verlagern.“ Barone hält als Lösung eher einen „Streetworker“ für geeignet – einen solchen Sozialarbeiter gibt es in Meinerzhagen allerdings nicht. „Denkbar, dass wir dieses Thema im Rat ansprechen“, äußerte Barone im Gespräch mit der MZ.

Auch CDU-Ratsherr Matthias Scholand weiß um die Problematik: „Die in letzter Zeit zunehmende negative Entwicklung um die Stadthalle herum und an anderen Orten ist bedauerlich. Mitbürger berichten von Vandalismus, Bedrohungen, Körperverletzungen und anderen Straftaten. Dem müssen wir gemeinsam entgegentreten. Polizei, Staatsanwaltschaft, Stadtverwaltung, Vertreter des Jugendamtes und andere Verantwortliche sollten zusammenfinden und konkrete Maßnahmen vereinbaren.“

Michael Stumpe, Leiter der Meinerzhagener Polizeiwache, kann gut verstehen, dass die Bürger ein Sicherheitsbedürfnis haben. Und er weiß auch, dass das Aldi-Dach und das Stadthallen-Gelände problematisch sind. „Horte der Kriminalität“ seien beide Plätze aber nicht. Leichte Straftaten wie Pöbeleien, Störung der öffentlichen Ordnung und Schmierereien seien dort schon festzustellen, auch Körperverletzungen habe es gegeben. „Die gibt es allerdings auch anderswo in der Stadt“, hat Stumpe beobachtet. „Die Treffen von Jugendlichen kann man nicht verhindern, wir wollen sie auch nicht von dort verscheuchen. Was wir wollen ist, dass sie sich benehmen“, setzt Stumpe auf Einsicht. Die Polizei hat bereits einige Gespräche vor Ort geführt – „wir stoßen dann auch häufig auf Einsicht“, weiß der Kriminalhauptkommissar.

In Zukunft wird die Meinerzhagener Polizei jedenfalls die „Brennpunkte“ vor allen Dingen spät nachmittags und abends verstärkt kontrollieren. Wenn nötig, werden wieder Platzverweise ausgesprochen – vorerst setzt man in der Wache an der Oststraße allerdings auf den Dialog. „Und zwar auf Augenhöhe“, gibt Michael Stumpe das Konzept vor. ▪ beil

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