82 Boten bringen Zeitung frühmorgens zu den Lesern

+
Bald nachdem die Zeitungen gegen 2.30 Uhr in Eseloh angeliefert worden sind, macht sich Britta Bräucker in ihrem Auto auf den Weg, um die MZ-Leser in und um Hunswinkel mit der neuen Ausgabe zu beliefern.

MEINERZHAGEN/KIERSPE - Bis auf zwei bis drei Monate im Jahr sind sie jeden Tag in aller Frühe im Dunkeln unterwegs. Sechs Tage in der Woche, häufig auch an Feiertagen.

Bei gutem Wetter, aber auch bei Regen, Wind und Sturm oder bei Schnee und Glatteis. Gemeint sind die 82 Zeitungsboten, die in den beiden Volmestädten die MZ-Leser mit der Heimatzeitung beliefern.

Einer von ihnen ist Ralf Mühe aus Kierspe. Zunächst hatten sich seine Kinder mit dem Zeitungsaustragen etwas dazu verdienen wollen. Dann musste der Vater, der im Gemeindedienst seine Berufung gefunden hat, Referate schreibt und Seminare gibt, sie vertreten. „Das frühe Aufstehen war erstmal der Horror,“ erinnert er sich. Aber bald hatte er sich daran gewöhnt und fand in der morgendlichen Bewegung einen guten Ausgleich zur sitzenden Arbeit am Computer. Das war vor 16 Jahren. Mittlerweile sind die 4,5 Kilometer zur Routine geworden. Heute sieht Ralf Mühe das ganz entspannt: „Um diese Zeit scheint die Welt noch in Ordnung. Die Straße gehört einem fast allein. Man kann in Ruhe nachdenken. Es begegnen einem kaum Menschen, dafür aber Rehe, Füchse, Igel, Marder, Iltisse und Katzen.“

Seit 15 Jahren ist in Meinerzhagen Lothar Gebauer unterwegs. Er beliefert wie auch seine Frau Silke die MZ-Leser in der Innenstadt. Da er außerdem bei der Firma Otto Fuchs im Schichtdienst arbeitet, ist er morgens zu unterschiedlichen Zeiten unterwegs: Entweder beginnt er seine Runde um 3.15 Uhr oder um 4.45 Uhr. Der Zeitdruck an manchen Tagen sorgt dabei schon mal für Stress. Dann muss der begeisterte Läufer durch die Straßen joggen. An anderen Tagen nimmt er das locker als Trainingsergänzung und läuft nach getaner Arbeit gleich noch eine weitere Runde. „Wirklich problematisch wird es erst bei Schnee oder Glatteis,“ betont Gebauer.

Denn in der Winterzeit wird den Zeitungsboten voller Einsatz abverlangt. Sieben Mal hat sich Ralf Mühe schon mit seinem Wagen im Schnee festgefahren. Und auch zu Fuß, mit Zeitungen bepackt, ist das Durchkommen schwierig. Häufig sorgen unbeleuchtete und/oder nie geräumte Zugänge für zusätzliche Gefahren. Wenn hier der angetaute Schnee wieder anfriert, balanciert der Bote auf einer spiegelglatten Eisfläche, die sich manchmal auch noch tückisch unter frisch gefallenem Schnee verbirgt. Manche helfen sich mit Spikes, aber Stürze und Verletzungen sind dennoch keine Seltenheit.

Vor besonderen Herausforderungen stehen die Boten, die mit dem Auto über Land zu den Außenbezirken unterwegs sind, wo zu dieser frühen Stunde die Straßen und Zufahrten häufig noch nicht geräumt sind. Da steckt der Wagen schnell in einer Schneewehe fest, und zu den Häusern muss durch hohen Schnee gestapft werden. Wenn es auch noch schneit oder regnet, sind Kleidung und Autositz bald ungemütlich nass, der Fußraum voller Schnee oder Wasser, und trotz der Kälte wird geschwitzt. Da kann sich die Auslieferung der MZ schon mal verspäten.

„Die meisten Leser haben dafür volles Verständnis und bedanken sich trotzdem am Jahresende mit einem anerkennenden Geschenk für den zuverlässigen Lieferservice. Aber es gibt auch andere. Die schimpfen und beschweren sich sofort,“ berichtet Britta Bräucker aus Eseloh, die seit 1998 in und um Hunswinkel Zeitungen ausliefert, heute sind es 160. Dabei hatte sie bisher Glück. Nur einmal konnte sie morgens gar nicht fahren.

Die Mutter von sechs Kindern arbeitet außerdem noch in einer Firma für Oberflächentechnik. Wenn sie gerade erst von ihrer Schicht gekommen ist und die Zeitungen gegen 2.30 Uhr in Eseloh angeliefert werden, macht sie sich bald auf den Weg. Fehlenden Schlaf holt sie, wie viele ihrer Kollegen, während des Tages nach. „Trotzdem mache ich die Arbeit gern. Dabei habe ich meine Ruhe und ich komme mal raus,“ sagt sie. Und so übernimmt sie auch häufig die Vertretung, wenn ein anderer Bote ausfällt. Dabei ist es nicht leicht, sich im Dunkeln in einem unbekannten Bezirk zurechtzufinden. Denn vor allem in den kleinen Dörfern muss man meistens nach den Hausnummern suchen, da die Häuser nach der Reihenfolge ihrer Erbauung nummeriert sind, und oft fehlen auch die Namensschilder.

Wenn also die Leser der Meinerzhagener Zeitung morgens wie selbstverständlich zu Hause oder am Arbeitsplatz ganz entspannt die neuesten Nachrichten aus aller Welt und aus dem lokalen Umfeld lesen können, dann verdanken sie das nicht zuletzt dem zuverlässigen Einsatz der Zeitungsboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare