Borkenkäfer-Plage

Die Fichten sind wohl nicht mehr zu retten

Bereits Anfang des Jahres wurden große Flächen Fichtenwald mit schwerem Gerät gerodet.
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Bereits Anfang des Jahres wurden große Flächen Fichtenwald mit schwerem Gerät gerodet. Doch das Baumsterben geht weiter. Schuld ist der Borkenkäfer.

Es hat geschüttet wie aus Kübeln. In Altena und vielen anderen Städten haben die Wassermassen großes menschliches Leid und immensen Sachschaden verursacht. Der einzig positive Aspekt der „Sintflut“: Der Wald bekommt im Überlebenskampf eine kleine Erholungspause.

Meinerzhagen – Nach den trockenen und heißen Jahren also alles in Ordnung im heimischen Forst? Mitnichten! Förster Matthias Borgmann vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW zieht für das Ebbe mittelfristig eine katastrophale Bilanz: „Wir haben den massivsten Befall mit Borkenkäfern, den es wohl je gab. Bei den Fichten droht uns der Totalausfall. Da ist wohl nichts mehr zu retten.“

Fichtennadeln verfärbt

Ein langer und nasser Winter, Schnee bis ins Frühjahr, danach Regen satt und im Moment sintflutartige Niederschläge. Wie ist es da möglich, dass sich die Borkenkäfer so massiv vermehrt haben? „Der Frühjahrsflug der Käfer war so massiv wie selten zuvor. Inzwischen sind alle Bereiche der Fichtenbestände befallen. Wir sehen jetzt schon die Nadelverfärbungen. Und das augenblickliche Wetter spielt dabei gar keine Rolle mehr. Die Käfer sitzen eingebohrt unter der Rinde. Da kann ihnen der Regen nichts anhaben“, bilanziert der Leiter des Forstbetriebsbezirkes Beckerhof. Und, noch schlimmer: Die ergiebigen Niederschläge fördern das Wachstum des Bläuepilzes (siehe Info-Kasten). „Der wird von den Borkenkäfern übertragen und er wächst bei diesem Wetter schneller“, hat Matthias Borgmann ein zusätzliches Problem ausgemacht.

Durch den Borkenkäfer bedingter Kahlschlag an vielen Stellen im Wald. Freie Flächen und völlig neue Ein- und Durchblicke – alles schon einmal da gewesen. Das ist ein schwacher Trost. Matthias Borgmann verweist auf eine ähnliche Situation im Jahr 1890. Damals sei der Holzeinschlag auch im heimischen Forst aufgrund der Industrialisierung so massiv gewesen, dass der Staat die Notbremse gezogen habe. „1897 wurde dann das Forstamt Attendorn gegründet, mit der Zielsetzung, den Wald zu retten“, erläutert der Förster. Ähnliches gilt es auch jetzt zu versuchen. „Vor vielen Jahrzehnten war es die Industrialisierung, heute ist es der Borkenkäfer-Befall. Jetzt versuchen wir, einen Mischwald aus Laub- und Nadelbäumen anzulegen. Und trotz der dramatischen Situation verlieren wir den Mut nicht“, gibt sich Matthias Borgmann angesichts der enormen Herausforderungen kämpferisch.

Regen gut für das Moor

Die Fichten sterben, das ebenso bedrohte wie sensible Ebbemoor lebt. Klaus Kraatz, Biologe beim Märkischen Kreis, beobachtet die Auswirkungen des Wetters auf die sehr empfindlichen Hangquellmoore genau: „Das ist – aber auch nur in dieser Beziehung – mein Wunschwetter. Die Regenmenge kann für unsere Moore nicht groß genug sein. Und wenn sie voll mit Wasser sind, läuft der Niederschlag oberflächlich ab“, erklärt er.

Alles gut also? Jein. „Einige Gebiete beispielsweise in der Grundlose sind gut versorgt, andere weniger“, gibt Kraatz die Ergebnisse wieder, die seine jüngsten Messungen in dem Moor ergeben haben. Die Moore werden durch Quellen gespeist. Und einige von ihnen haben wenig Wasser hervorgebracht. Andere hingegen lieferten größere Mengen an überlebenswichtigem Nass. Wie sich diese Situation langfristig auf die heimischen Moore auswirkt, kann auch der Biologe nicht genau sagen. „Das ist ein sehr komplexes System, aber die Versorgung mit Wasser von oben ist zurzeit natürlich sehr gut“, gibt sich der Experte verhalten optimistisch.

Erderwärmung

Was vielen Menschen nach den Trocken-Sommern ungewöhnlich vorkommt, ist eigentlich normal – allerdings in abgeschwächter Form. „Im Juni und Juli gab es hier immer Regen. Das war typisch und die Moore haben stets profitiert. Die Ebbemoore sind etwa um 3000 vor Christus entstanden. Damals war das Klima ein anderes. Wie sich die Erderwärmung jetzt auf diese Flächen auswirkt, das ist kaum zu sagen“, erklärt der Biologe des Kreises. Ein wärmeres Klima ist allerdings kaum das, was er sich auch für die Moore wünscht.

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