Türkischstämmige Meinerzhagener sehen "Gedicht" eher kritisch

Kritik an Böhmermann

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Murat Er ist froh, dass der Böhmermann-Beitrag inzwischen aus der ZDF-Mediathek verschwunden ist. Der Geschäftsmann fordert: „Man muss einen gewissen Respekt gegen Erdogan zeigen.“

Meinerzhagen - Üble Beleidigung oder künstlerische Freiheit? Jan Böhmermanns Schmähgedicht gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan spaltet die Bevölkerung und hat wohl ein juristisches Nachspiel.

Die „große Politik“ hat sich inzwischen positioniert – doch was denken türkischstämmige Meinerzhagener über die Verse gegen den Politiker?

„Ich kann es nicht fassen. Von manchen Menschen bekommt Böhmermann dafür sogar noch Applaus“, ist Murat Er entsetzt. Der Volmestädter betreibt das gleichnamige Reisebüro an der Hauptstraße und er hält die Verse schlicht und einfach für beleidigend, vermutet sogar eine Kampagne in „großen deutschen Medien“ gegen die Türkei. Dass der Beitrag nun vom ZDF und damit einem öffentlich-rechtlichen Sender herausgebracht wurde, ärgert ihn ganz besonders: „Auch ich zahle Steuern und Fernsehgebühren. Das ist also auch mit meinem Geld geschehen.“

Murat Er hofft nun, dass Böhmermann „nicht einfach so davonkommt“. „Man muss doch einen gewissen Respekt zeigen – und den vermisse ich dabei besonders. Erdogan hat viel getan für die Türkei und er ist schließlich das Oberhaupt eines großen Staates.“ Der Reise-Experte ist oft in der Türkei zu Besuch. Dass der Böhmermann-Beitrag dort für eine aufgeheizte Stimmung – vielleicht auch gegen Deutschland – sorgt, hat er allerdings nicht beobachtet: „Dort ist das kein großes Thema. Und man sollte Böhmermann auch keine übertriebene Aufmerksamkeit widmen und ihm dadurch noch mehr Öffentlichkeit verschaffen.“

Mehmet Aydin ist sportlicher Leiter beim RSV Meinerzhagen. Auch er kennt das „Gedicht“ – und hält nichts davon: „Erdogan ist ein Staatsoberhaupt. Und da sollte man schon Respekt haben. Ich beispielsweise verstehe auch die Kritik nicht, die in Deutschland oft an Angela Merkel geübt wird. Manche machen sich lustig über die Bundeskanzlerin, was ich nicht für richtig halte. Sie tut viel für Deutschland.“

Dass es eine gerichtliche Auseinandersetzung um Böhmermanns „Verse“ geben könnte, hält Aydin allerdings nicht für richtig. „Da müsste man eigentlich Größe zeigen.“ Der heimische Fußballfunktionär zieht bei dem umstrittenen Böhmermann-Beitrag Parallelen zu seinem Sport: „Ich habe beim Fußball noch niemanden beleidigt – und werde das auch nicht tun. Das ist wohl eine Sache der Erziehung.“

„Nein. Kunst ist das wirklich nicht.“ Abseits vom politischen Aspekt der Auseinandersetzung findet Osman Batgün, Vorstandsmitglied im heimischen Moscheeverein, dass Jan Böhmermann mit seinen Versen eine Grenze deutlich überschritten hat. „Die Kunst ist schutzwürdig – aber wie steht es denn mit den Persönlichkeitsrechten? Sind die nicht auch zu schützen?“, hinterfragt er. Kunst bedeute für ihn eben nicht, Menschen in dem Maße zu beleidigen, wie es in diesem Fall geschehen ist.

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