Gesine Marwedel (26) erzählt:

Wie aus nackten Körpern anziehende Kunst wird

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MEINERZHAGEN - Nackte Körper werden anziehende Kunst: Mit dem Pinsel verteilt Gesine Marwedel rote Farbe auf dem Bauch des nackten Modells Sunny S. Woodpecker. Gesine Marwedel ist Bodypainterin. "Bote"-Redakteur Matthias Clever zeichnet ein Porträt.

Von Matthias Clever

Seit vier Jahren bringt die 26-Jährige ihre Kunstwerke auf Körper. "Davor war ich aber auch aktiv - allerdings habe ich nur auf Leinwände gemalt. Der Fotograf Thomas van de Wall hat mich damals angesprochen und gefragt, ob ich mal Bodypainting versuchen will." Nach dem ersten Werk "explodierte die Sache", sagt Gesine Marwedel. Inzwischen hat sie weit mehr als 100 Menschen unter anderem in Tiere und Blumen verwandelt. Darunter viele Models.

Mit einem Schwamm verteilt Marwedel Farbe auf dem Bauch. Anschließend zieht sie mit einem feinen Pinsel schwarze Striche. "Das werden die Umrisse."

Von Meinerzhagen, wo sie ein Atelier nutzt, aus schaffte Gesine Marwedel den Sprung auf das internationale Treppchen der Bodypainter-Gemeinschaft. Im vergangenen Jahr war sie in den USA, in den Niederlanden, Korea sowie in anderen Staaten und nahm dort an Wettbewerben teil oder beurteilte in Jurys die Arbeiten anderer Künstler.

Gelb- und orangefarbene Töne trägt Marwedel auf der Brust auf. Mit einem dicken Pinsel malt sie einen schwarzen Strich, der wie eine falschherum gebogene Auto-Antenne aussieht, auf den linken Oberarm. Auf den Hals kommt ein dicker Klecks.

Die Arbeit von Gesine Marwedel in Fotos:

Bodypainting von Gesine Marwedel aus Meinerzhagen

Das Malen hat sich Gesine Marwedel selbst beigebracht. Kunstschulen, bei denen sie sich nach dem Abitur beworben hatte, lehnten sie ab. Deshalb zog es sie 2005 erstmal nach Indien. Die Freiwilligenarbeit in einem Kinderheim beeinflusste sie schließlich bei der Wahl eines anderen Berufes. An der Universität Dortmund studierte sie Rehabilitationspädagogik. Auch während des Studiums verbrachte die junge Frau mehrere Monate in Indien, wo sie in einem Kinderheim für behinderte und autistische Kinder musik- und sprachtherapeutische Arbeit anbot. In dem hinduistisch geprägten Land kam sie mit Hennakunst in Berührung.

Bevor die Arbeit am Körper von Sunny S. Woodpecker weitergeht, ist ein Zwischenstopp nötig. "Auch wenn zwischendurch gegessen wird und der Gang zur Toilette nötig ist, macht die Arbeit mit lebendigen Untergründen wirklich Spaß", sagt Marwedel.

Die verschiedenen Hauttypen und unterschiedlichen Charaktere machten die Arbeit spannend. Dadurch käme sie permanent mit Menschen in Kontakt und ins Gespräch. Während Sunny S. Woodpecker sich wieder in Pose bringt, den rechten Arm auf den Boden stützt und das Becken in die Höhe drückt, malt Gesine Marwedel weiße Farbe auf Haut und Haare.

Die Arbeit von Gesine Marwedel im Video:

Die Erlebnisse in Indien prägten die Künstlerin und bestimmten ihren weiteren Weg. Seit 2009 arbeitet Gesine Marwedel als Sprachtherapeutin in Dortmund, parallel dazu studierte sie Kreativtherapie und machte im vergangenen Jahr eine Prüfung für Psychotherapie. Inzwischen kombiniert sie häufig ihren Beruf und ihre Berufung. Die Verwandlung eines Menschen in eine lebende Leinwand ist für sie nicht nur Kunst, sondern habe auch eine Wirkung auf die Psyche des Verwandelten, auf das Körperbild und die Selbstwahrnehmung.

Menschen mit großflächige Narben, starkem Übergewicht oder etwa einer Brustkrebserkrankung kommen zu ihr und lassen sich verwandeln. Für einen Moment vergessen sie die Sorgen, das Minderwertigkeitsgefühl - mit einem Lachen schauen sie sich im Spiegel an. "Das bestärkt mich darin, die Arbeit zu machen."

Nach zehn Stunden und unzähligen Pinselstrichen auf Bauch, Beinen und Brust ist das Kunstwerk fertig. Der Specht (das deutsche Wort für Woodpecker) hat sich in ein Insekt verwandelt: einen Grashüpfer. Ein Fotoshooting folgt. Danach ist das Werk innerhalb von zehn Minuten mit Wasser und Seife im Abfluss. Was bleibt, sind die Bilder. Gesine Marwedel: "So ist auch diese Kunst von Dauer."

Weitere Infos:

- Ab 5. März zeigt Gesine Marwedel auf Schloss Burg in Solingen erstmals ihre gesammelten Werke in einer Fotoausstellung.

- Ein Wunsch der Bodypainterin ist es, ein Baby zu bemalen.

- In Meinerzhagen besteht die Möglichkeit zu einem Bodypainting mit anschließendem Fotoshooting. Kontaktmöglichkeit per E-Mail: info@gesine-marwedel.de.

- Weitere Informationen zur Künstlerin gibt's im Netz unter www.gesine-marwedel.de.

Neugierig? Hier gibt's weitere Videos aus der Körperkunst-Schmiede:

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