Wieder große Trockenheit?

Schon wieder: Die Angst geht um vor dem nächsten Dürre-Jahr

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Mitte Januar war Biologe Klaus Kraatz noch zufrieden. Damals stand das Wasser im Ebbemoor bis zu Oberfläche. Inzwischen registriert der Wissenschaftler dort allerdings wieder deutliche Stress-Symptome in Sachen Wasserhaushalt.

Meinerzhagen - Bigge und Lister sind gut gefüllt. „Da haben wir einen Normalstand. Im Dezember und Januar hat es ja auch heftig geregnet“, bilanziert Ruhrverbands-Pressesprecher Markus Rüdel. Und dennoch: Die Angst geht um vor einem erneuten „Dürrejahr“.

Und diese Sorgen scheint nicht ganz unbegründet zu sein, denn: Sogar das Ebbemoor hat „Stress“. 

Kaum stellte sich im April eine Schönwetterphase ein, mehrten sich die Befürchtungen, dass sich die Trockenheit aus dem vergangenen Jahr wiederholt. Zumindest was die Talsperren angeht, scheint das momentan kein Thema zu sein. Markus Rüdel: „Alle unsere Stauseen zusammen weisen einen Füllstand von 92,3 Prozent auf, die Bigge – mit der Lister als Vorbecken – ist zu 95,8 Prozent gefüllt. Das ist für diese Jahreszeit völlig normal und da machen wir uns auch keine Sorgen.“ Allerdings weiß auch Rüdel, dass die Grundwasserstände generell noch nicht wieder auf Normal-Niveau sind.

Einer, der unter dem trockenen Frühling, Sommer und Winter 2018 zu leiden hatte, war Ortslandwirt Karl-Wilhelm Biewald. „Wirkt die Trockenheit bei dem Milchbauern aus der Grünenbecke noch nach? „Ja, das tut sie. Und zwar im Geldbeutel“, erläutert Biewald. Nur zwei Grasschnitte waren ihm 2018 möglich. Üblich sind eigentlich vier. „Wir mussten viel Futter nachkaufen – und das hat Geld gekostet“, bilanziert er. Ob sich bereits in diesen Tagen andeutet, dass sich die Trockenheit wiederholt – diesbezüglich kann Biewald keine zuverlässige Prognose abgeben.

Von oben gesehen: Niedrigwasser in den Talsperren des Märkischen Kreises

Immerhin: „Mitte Mai werden wir den ersten Schnitt auf unseren Wiesen durchführen. Und da sieht es eigentlich momentan gut aus. Das wird klappen“, freut er sich darüber, Futter für seine Tiere ernten zu können. Biewald bilanziert: „Die Vegetation ist augenblicklich auf einem guten Stand. Nicht zu leugnen ist allerdings, dass der Boden ja auch metertief trocken war. Wie sich das auswirkt und ob der Grundwasserstand noch immer zu niedrig ist, davon merken wir natürlich nichts.“ 

Klaus Kraatz ist Biologe beim Märkischen Kreis. Eine seiner Aufgaben: Die Überwachung des Ebbemoores „Grundlose“. Noch im Januar hatte er festgestellt, dass sich der Wasserstand in dem Naturschutzgebiet nach dem Trockenstress wieder normalisiert hatte. Inzwischen ist er jedoch im Alarmzustand: „Das Moor ist erneut deutlich gestresst. Und das in einer Zeit, in der der Wasserstand eigentlich fast bis zur Oberfläche reichen sollte.“ 

Der Ist-Zustand der „Grundlose“ gibt Anlass zur Sorge. Kraatz: „Wir registrieren zurzeit eine regelrechte Zitterkurve, was den Wasserstand angeht. Es geht auf und ab, obwohl es im April eigentlich so sein sollte, dass das Wasser relativ konstant bis zur Oberfläche steht. Das könnte daran liegen, dass die Quellen, die das Moor mit speisen, nicht so ergiebig sind.“ Der heimische Wissenschaftler steht in regelmäßigem Austausch mit den Revierförstern im Ebbe. Und von denen habe er erfahren, dass tiefere Bodenschichten im Wald immer noch viel zu trocken seien. „Bis in eine Tiefe von etwa 30 bis 40 Zentimetern hat der Regen gewirkt. Darunter allerdings nicht“, erläutert der Biologe.

Was das für „sein“ Moor bedeutet, kann er nicht genau vorhersagen. „Das kommt darauf an, wie sich das Wetter entwickelt. Ein weiteres viel zu trockenes Jahr wäre für das Ebbemoor jedenfalls alles andere als gut“, bilanziert Kraatz.

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