Bitteres Fazit: „Papua ist das neue Afrika“

+
Pfarrer Friedrich Tometten mit zwei HIV-Tests – einmal positiv, einmal negativ. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Agnella Chingwaro ist eine gut ausgebildete Gesundheitskraft aus Botswana und arbeitet für die Vereinte Evangelische Mission (VEM).

An einer Mittelschule in Apahapsili führte sie im vergangenen Jahr bei 94 Schülern einen HIV-Test durch und davon fielen 53 positiv aus. Damit liegt bei 53 Schülern ein Anfangsverdacht auf HIV-Aids vor. Die Schüler sind zwischen zwölf und 18 Jahre alt.

Apahapsili liegt in Papua, der östlichsten Provinz Indonesiens – nicht zu verwechseln mit Papua-Neuguinea, das direkt an die Provinz grenzt. Im Februar und März kehrte Pfarrer Friedrich Tometten wieder in die Region zurück, in der er von 1989 bis 1997 lebte und zwei seiner Kinder zur Welt kamen.

„Schon seit 20 Jahren ist Aids dort ein Thema“, sagt der Meinerzhagener nach seiner Rückkehr, „doch jetzt war zum ersten Mal eine Mitarbeiterin des VEM vor Ort und konnte die Krankheit mit den durchgeführten Bluttests sichtbar machen.“ Die Menschen im Hochland von Westpapua glaubten zuvor an Verfluchungen oder sie meinten, an Malaria oder Tuberkulose erkrankt zu sein.

Auch auf dem Markt des Ortes führte Agnella Chingwaro Bluttests durch. Auch hier war das Ergebnis verheerend. Von 100 freiwillig getesteten Personen waren 42 nach nötigen Wiederholungstests definitiv infiziert.

Ein Grund für diese Entwicklung sieht Pfarrer Tometten in der sprunghaften Entwicklung der Region. In seinem Bericht aus dem vergangenen Jahr schreibt der Pfarrer: „Apahapsili, das seinem Namen („der Ort, an dem man Menschen die Haut abzieht“) bis 1968 alle Ehre gemacht hat, war bis vor wenigen Jahren noch eine Ansammlung von Rundhütten. In den Männerhütten teilten sich bis zu 20 Männer etwa zehn Quadratmeter an Wohnraum. Sie trugen nicht mehr als einen Flaschenkürbis auf ihrem Leib und ihr gesamter materieller Besitz fand in einem kleinen Netz Platz.“ Seit Eröffnung eines Landeplatzes in den 1960er Jahren kommen heute schon zwei bis drei Flugzeuge täglich in die früher schwer erreichbare Region. Damit kam auch das Geld.

„Der ansässige Gouverneur führe sich dort auf wie ein König mit Hofstaat“, beschreibt Tometten weiter. Durch das Geld, das er an die Menschen verteilte, stiegen auch die Ansprüche. „Es gibt dort keine Kultur des Nein-Sagens“, betont der Pfarrer und erzählt von entstandenen Bars, in denen Prostituierte arbeiten und deren Zahl ebenfalls sprunghaft angestiegen ist.

Für Friedrich Tometten ist Papua das neue Afrika. Viel Aufklärungsarbeit ist zum Thema Aids bei den Einheimischen zu leisten. „Wir verlangen Disziplin von Menschen die sich augenscheinlich gesund fühlen“, sagte Tometten zur Versorgung der Menschen mit den nötigen Medikamenten. Diese sind in Indonesien kostenlos, aber leider gibt es in der Region nicht genug ausgebildete Ärzte. Diese zieht es häufig in die großen Städte. „Erkrankte werden stigmatisiert, dürfen zum Beispiel ihre Wäsche nicht im Fluss waschen“, beschreibt der Pfarrer von den Schwierigkeiten. „Wir müssen Menschen motivieren, Familien begleiten, das Umfeld im Blick haben und HIV muss regelmäßig Thema an Schulen und in Gottesdiensten sein.“ Hier sieht Tometten aber auch positive Aspekte. „Wir können unsere Kompetenz aus Afrika aufgrund unseres Netzwerkes nutzen“, zielt der Pfarrer auf den Besuch der ausgebildeten Gesundheitskraft Agnella Chingwaro ab.

Die Aids-Aufklärung ist nur eine Aufgabe, der sich Friedrich Tometten in Papua verschrieben hat. Wichtig ist ihm natürlich auch der Unterricht an der örtlichen Bibelschule. Schon seit Jahren arbeitet der Pfarrer an einer Bibelübersetzung in die Jali-Sprache. Auch ein Gesangbuch mit einer Auflage von 10 000 Büchern konnte in diesem Frühjahr, dank zahlreicher Spender, schon gedruckt werden.

Zurück in der Heimat hat sich der Pfarrer weiter seiner Bibelübersetzung gewidmet, „Dafür stehe ich manchmal schon zwischen 4 und 5 Uhr morgens auf“, sagt der Pfarrer und betont damit gleichzeitig seine Verbundenheit zu der Region. ▪ ds

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare