Biotopbäume im Kirchwald

Totes Holz sichert das Überleben

Förster Markus Gumpricht kennt die Bedeutung, die Totholz in den Wäldern hat.
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Förster Markus Gumpricht kennt die Bedeutung, die Totholz in den Wäldern hat.

Mit Holz lässt sich nicht nur bauen, Holz wird auch gegessen.

Meinerzhagen – Einige kleine Lebewesen ernähren sich von Holz, bewohnen es oder verwenden Holzbestandteile zum Beispiel für den Nest- und Horstbau. Deshalb spielt Totholz eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Der Schöpfung dienen

Aber wo dürfen Bäume in den heimischen Wirtschaftswäldern noch langsam verrotten? Zum Beispiel in einem Gebiet zwischen der Schanze und den Aggerkurven. Dort besitzt die evangelische Kirchengemeinde Meinerzhagen einige Hektar Wald. Der wird zwar auch wirtschaftlich genutzt und bringt Einnahmen, bewusst wird manche Buche oder Eiche allerdings nach dem Absterben stehen gelassen und erfüllt dann eine wichtige Funktion im Ökosystem. „Das geschieht auch, um dem Erhalt der Schöpfung zu dienen“, sagt Markus Gumpricht, Leiter des Forstbetriebsbezirkes Meinerzhagen und als Berater für die Kirchengemeinde tätig.

An vielen Stellen im heimischen Forst prägen Fichten das Bild. Anders in dem von der Gemeinde bewirtschafteten Waldstück. Hier steht ein Mischwald. „Rotbuche, Traubeneiche und einzelne Bergahorne bilden den Schwerpunkt“, erläutert Gumpricht und zeigt auf eine große Buche, von der nur noch der mächtige Stamm existiert. Gerade macht sich dort ein Buntspecht an dem verrottenden Holz zu schaffen. Sogenannte Biotop-Bäume wie eben diese Buche gibt es einige auf dem Gelände. „Schätzungsweise fünf Prozent des Bestandes“, erklärt der Förster.

Multifunktionelle Forstwirtschaft

„Wir haben die Aufgabe, multifunktionelle Forstwirtschaft zu betreiben“, sagt Markus Gumpricht und fügt hinzu: „Natürlich ist auch das hier ein Wirtschaftswald. Aber Faktoren wie die Erholungsfunktion, Lärm-, Boden, Wasser- und Artenschutz spielen auch eine große Rolle. Und das nicht erst seit wenigen Jahren. Ich bin seit 1981 dabei – und eigentlich war all das in dieser Zeit stets von Bedeutung, ebenso wie die Totholz-Bestände.“

Dass es im Kirchenwald so viel Laubholz gibt, schreibt Gumpricht auch der Buche zu. Die benötige Schatten, spende ihn aber auch. Fichten kämen damit nur schwer zurecht – und würden verdrängt, erläutert der Förster. Die Nadelbäume will er aber auch nicht verteufeln: „Die wurden einst aus der Not heraus angebaut, um den Holzbedarf zu decken.“ Inzwischen, so Gumpricht weiter, gebe es im Märkischen Sauerland aber bereits mehr Laub- als Nadelholz. Man arbeite schon lange an einem Umbau des Waldes, damit der klimaresistenter werde und dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen habe. „Aber ein solches Projekt braucht wirklich viel Zeit.“

23000 Biotopbäume

Etwa ein Drittel der Tierarten im Wald, darunter unterschiedliche Käferarten, Wildbienen, sowie verschiedene Pilz- und Pflanzenarten, seien speziell auf alte, absterbende oder tote Bäume angewiesen, macht der Landesbetrieb Wald und Holz.NRW deren Bedeutung klar. „In den vergangenen fünf Jahren haben die Försterinnen und Förster im Staatswald von Wald und Holz.NRW mehr als 23 000 Biotopbäume mit einer Masse von rund 90 000 Kubikmetern erfasst. Die Erhebung geschieht mittels einer von Wald und Holz entwickelten App, der sogenannten ,Biotopbaum-App’, die sich auf den Revier-Toughpads der Mitarbeiter befindet“, schildert der Landesbetrieb die gängige Praxis.

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