Keine Rechtskraft

Wirkungsvoll, aber umstritten: "No trucks"-Schilder in der Diskussion

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Warnschild an der Bergstraße: Nach Rücksprache mit dem Märkischen Kreis hat die Stadt das rot umrandete Verkehrszeichen in der schwarzen Hand überklebt. Die Verwaltung geht davon aus, dass diese Form der Beschilderung weiter zulässig ist.

Meinerzhagen - Sie sind groß, gelb und auffällig: „Stop, no trucks“, heißt es auf gelbem Grund schon seit Ende 2013 an der Bergstraße, um ortsfremde Lastwagenfahrer auf ein Durchfahrverbot hinzuweisen. „Wirkungsvoll“, sagen die einen. „Ohne Rechtskraft“, sagt die Bezirksregierung in Arnsberg.

„Lastwagen fährt sich wieder in Willertshagen fest“, „Kein Durchkommen an der Bergstraße“ – Meldungen wie diese waren jahrelang nichts Außergewöhnliches in Meinerzhagen. Das Problem: Anstatt auf vermeintlich teure Navigationssysteme für Lkw zu setzen, statten viele Spediteure ihre Fahrzeuge mit Pkw-Systemen aus. 

Aus der Abkürzung wird so schnell ein Nadelöhr, durch das es für die „Brummis“ kein Durchkommen gibt. Die Folge: Spektakuläre Wendemanöver, die nicht selten im Morast endeten, stundenlange Straßensperrungen. 

Aus Österreich über Werdohl an die Volme

Diesen Fehlfahrten wollte die Stadtverwaltung durch verschiedene Maßnahmen Herr werden: Mal mit Höhenbegrenzern, mal mit Fahrbahnverengungen – beide Installationen wurden aber immer wieder schnell ignoriert und beschädigt. 

Eine Lösung fand dann im Jahr 2013 ein Mitarbeiter des Werdohler Baubetriebshofs. Das gelbe Schild mit der schwarzen Hand und dem „No Trucks“-Hinweis hatte er zuvor in Österreich gesehen und für Werdohler Verhältnisse modifiziert. 

„Mit der Wirkung des Schildes war nicht nur die Stadt Werdohl jahrelang zufrieden“, hieß es dazu in der Partnerzeitung der MZ, dem Süderländer Volksfreund in Werdohl. Viele Kommunen in ganz Deutschland kopierten die Idee – darunter auch Meinerzhagen. Schon seit Ende 2013 weisen sie Lastwagenfahrer an der Bergstraße auf ein Durchfahrverbot hin. Im Jahr 2014 zog Willertshagen nach. 

Doch damit könnte nun bald Schluss sein. Denn: Nachdem die Stadt Hagen hochoffiziell beim Bundesverkehrsministerium und der Bezirksregierung in Arnsberg die Rechtmäßigkeit der großformatigen, gelben Schilder hinterfragt hat, herrscht nun Klarheit. „Dass die Schilder keine Rechtskraft haben, steht außer Frage“, sagte Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, im Gespräch mit der Westfalenpost Hagen. Zwar werde nun kein Rundschreiben an die Kommunen gesendet, aber jede Stadt oder Gemeinde, die ein solches „No Trucks“-Schild aufgestellt hat, werde aufgefordert, dieses abzubauen. 

Tatsächlich handelt es sich bei dem gelben Schild um kein offizielles Verkehrszeichen im Sinne der Straßenverkehrsordnung. Das offizielle, das ein Durchfahrverbot für Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen Gesamtgewicht verbietet (siehe oben), hat aber offenbar einen gravierenden Nachteil: Es wirkt nicht. 

Fachbereichsleiter bleibt entspannt 

Und so plädiert Jürgen Tischbiereck, zuständiger Fachbereichsleiter in der Meinerzhagener Stadtverwaltung, für einen Erhalt der Schilder. „Die sieht man einfach besser als ein kleines, rundes Schild. Und meines Erachtens haben sie auch ihre Wirkung nicht verfehlt. Es gibt sicher immer noch Lastwagen, die wir etwa in Willertshagen aus dem Acker ziehen müssen, aber nicht mehr die Flut wie vor einigen Jahren“, sieht der Fachbereichsleiter eine positive Entwicklung. 

In der Folge hat die Stadt auch an anderen Zufahrten „No Trucks“-Schilder installiert: an der L 539 in Richtung Niederhengstenberg, in Darmche und Ihne. Dass diese Schilder nun demontiert werden müssen, glaubt Tischbiereck trotz der Stellungnahme aus Arnsberg aber nicht. 

„Es handelt sich meines Wissens nach um jene Schilder, die das Verkehrszeichen 253 in der schwarzen Hand darstellen. Nach Rücksprache mit dem Märkischen Kreis hatten wir diese Schilder bereits vor längerer Zeit durch einen weißen Lkw auf schwarzem Grund ausgetauscht.“ 

Das genüge, um viele Lastwagenfahrer von einer unglücklichen Fahrt durchs Nadelöhr abzuhalten. Und Jürgen Tischbiereck hofft, dass dieses Instrument auch in Zukunft noch angewendet werden darf.

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