Aus dem Wald bei Lengelscheid auf die festlich gedeckte Weihnachtstafel

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30 Schützen, 20 Hundeführer und etwa 25 Hunde nahmen an der Bewegungsjagd im Wald bei Lengelscheid teil. Den Abschluss bildete die Übergabe der Brüche und eine Rede von Jürgen Kleppe (Landesbetrieb Wald und Holz.NRW) am Fortshaus im Revier Beckerhof

Meinerzhagen - Wer Fleisch essen möchte, der hat es leicht: Die nächste Metzgerei ist bestimmt nicht weit entfernt, die Theken der Supermärkte sind ebenfalls gut gefüllt. Wo der schmackhafte Schweinenacken allerdings ursprünglich herkommt, darüber machen sich nicht alle Konsumenten Gedanken.

Die 30 Jäger, die sich am Donnerstagnachmittag im Revier Beckerhof versammelt hatten, wissen hingegen ganz genau, wo so mancher Weihnachtsbraten in diesem Jahr seinen Ursprung hat: Im Wald bei Lengelscheid. Dort nämlich fand an jenem Tag die letzte Jagd des Jahres 2018 statt, zu der das Forstamt Olpe eingeladen hatte. 

Aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern kamen die Teilnehmer der Jagdgesellschaft, die sich am Donnerstag um 10 Uhr bei Temperaturen von unter Null Grad Celsius am Forsthaus in Beckerhof eingefunden hatte. 

Viele davon aus dem Raum Meinerzhagen, Lüdenscheid, Kierspe und Plettenberg. 30 Schützen, 20 Hundeführer und etwa 25 Hunde wurden von Jürgen Kleppe vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW und Hausherr und Revierförster Matthias Borgmann begrüßt, bevor es losging.

Im nordrhein-westfälischen Staatsforst bei Lengelscheid bezogen die Schützen ihre Positionen auf den Ansitzen in luftiger Höhe, Treiber und Hunde sollten ihnen das Wild vor die Gewehrläufe treiben. Und das gelang: „27 Stück Rehwild wurden erlegt“, berichtete Jürgen Kleppe nach Ende der „Bewegungsjagd“. 

Rot- und Damwild oder gar Schwarzwild in Form von Wildschweinen lief den Jägern allerdings nicht in die Schusslinie. Die waren aber auch so zufrieden. Warum, das erläuterte Kleppe: „Unser Ziel ist es, die Bestände zu regulieren. Beim Rot- und Rehwild ist das auch nötig, denn sie sind verantwortlich für den Verbiss an jungen Bäumen.“ 

Ein Wunsch des zuständigen Ministeriums in Düsseldorf konnte allerdings nicht erfüllt werden. Wegen der sich aus Richtung Belgien und Osteuropa ausbreitenden Schweinepest und der großen und weiter wachsenden Populationen sei es erwünscht, mehr Wildschweine zu erlegen, erläuterte Jürgen Kleppe. 

Zwar wurden Keiler und Bachen am Jagdtag auch gesichtet, keines der Tiere gehörte am Ende allerdings zur „Strecke“, die aus den erbeuteten Tieren traditionell gelegt wird. Ein Jäger war am Donnerstags übrigens besonders erfolgreich – und er hatte wohl die weiteste Anreise: Reinhard Wiemer aus dem niedersächsischen Bad Iburg. Der pensionierte Revierförster, der einst in Valbert seine Ausbildung machte, schoss sieben Rehe. 

Auf uralte Bräuche ging der letzte Teil der vorweihnachtlichen Jagd zurück. Die Strecke wurde von einer Jagdhorngruppe verblasen, jeder erfolgreiche Jäger erhielt aus der Hand von Jürgen Kleppe den „Bruch“ – einen kleinen Fichtenzweig, mit dem das erlegte Wild ebenso wie der Jäger geehrt wird. Beim Forstamt Olpe vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW, dem Ausrichter der Lengelscheider Jagd, kann allerdings niemand mehr Fleisch kaufen, das bei der Jagd in Meinerzhagen anfiel. „Damit können wir lediglich einige Vorbestellungen abdecken“, erläuterte Jürgen Kleppe. 

Prinzipiell ist Wildbret aus den Staatsforsten allerdings fast immer im Forstamt Olpe vorrätig. Portionsweise werde das allerdings nicht abgegeben, sondern immer nur als ganzes Stück, erläuterte Kleppe. Wer also wissen möchte, ob noch ein – in der Regel zwischen 14 und 15 Kilogramm schweres – Reh oder ein deutlich „gewichtigeres“ Wildschwein für das bevorstehende Fest zu haben ist, kann sich gern an das Forstamt wenden und nachfragen. 

Dass das am Donnerstag „erjagte“ Fleisch von bester Qualität ist, darüber wachte auch Amtstierarzt Dr. Jobst Trappe vom Märkischen Kreis. Er nahm erste Kontrollen vor Ort in Beckerhof vor. Und auch die beiden Metzger Winfried und Sebastian Grau, Vater und Sohn aus Plettenberg, waren am Donnerstag ganz begeistert. 

Sie brachen die Beute auch in diesem Jahr auf und – wie es in der Jägersprache heißt – versorgten das Wild, aus dem nun zum Beispiel Rehrücken oder Gulasch wird. "Sehr gutes Fleisch", bescheinigten sie.

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