Miese Masche

Betrüger wollen älteren Mann mit Schockanruf überrumpeln - der riecht den Braten

Senioren sind häufig das Ziel von Schock-Anrufen.
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Senioren sind häufig das Ziel von Schock-Anrufen.

Corona ist schlimm. Noch schlimmer ist es, wenn das Virus benutzt wird, um Menschen zu betrügen. Unbekannte haben genau dies bei einem 87-jährigen Meinerzhagener versucht – glücklicherweise vergeblich.

Meinerzhagen – Als das Telefon geklingelt und er abgehoben habe, habe er sich zunächst erschrocken, berichtet der Betroffene: „Mit schwacher Stimme meldete sich mein angeblicher Sohn.“ Er sei direkt von der Schule nach Hagen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Er habe Corona, berichtete der vermeintliche Sohn. „Er atmete ganz schwer und als ich sagte, dass sich seine Stimme ja so merkwürdig anhören würde, antwortete er, dass das an den Schläuchen in seiner Nase liegen würde. Er würde auch kaum Luft bekommen. Jetzt sollte er ins künstliche Koma versetzt werden. Ob er aber wieder wach werden würde, könnte niemand versprechen. Es sehe nicht gut aus“, schildert der Meinerzhagener. Das Gespräch ging weiter und der Anrufer erklärte, dass es eine Möglichkeit gebe, die ihn retten könnte: Der Professor habe die Möglichkeit, ein Mittel zu bekommen, das ihm helfen könnte, „in zwei, drei Tagen“ wieder gesund zu werden. „Das Mittel sei noch nicht zugelassen und müsse daher selbst bezahlt werden“, berichtet der Meinerzhagener weiter über den Verlauf des Schock-Anrufs: „Ich sollte 40 000 Euro für das Mittel bezahlen“, so der 87-Jährige, der daraufhin geantwortet habe, dass das eine Menge Geld sei und solch eine Summe nicht so schnell beschafft werden könnte. Daraufhin habe der Anrufer gefragt, ob er nicht vielleicht Goldbarren besitze oder eine Hypothek aufnehmen könnte.

Cool reagiert

Trotz seiner Verunsicherung habe er „cool“ reagiert, erinnert sich der Betroffene: „Ich habe gesagt, dass ich den Professor vorher doch mal sprechen möchte.“ Der „Sohn“ habe daraufhin geantwortet, dass das im Augenblick nicht gehe und das alles sowieso geheim bleiben müsse – auch wegen der Schule: „Er sagte, dass die Schule geschlossen werden müsste, wenn raus kommen würde, dass er Corona habe. Das werfe kein gutes Licht auf die Schule. Ich habe dann gesagt ‘Du bist doch geimpft’, daraufhin hieß es, es sei die gefährliche Mutante.“

Er habe gespürt, dass etwas „faul“ gewesen sei an den Erzählungen des Anrufers – „auch wenn es verunsichernd war, dass er sich mit dem Vornamen meines Sohnes gemeldet hatte und wusste, welche Schule dieser besucht.“ Der Familienvater legte auf, rief sein Kind in der Schule an – („Mir sind alle Steine vom Herzen gefallen, als ich ihn hörte.“) – und dann die Polizei.

Mit Älteren reden

Die warnt ausdrücklich vor dieser Methode und appelliert: „Reden Sie mit Ihren älteren Mitmenschen über diese Masche! Warnen Sie vor den Tricks der Betrüger und Diebe, damit nicht noch mehr Senioren den Tätern auf den Leim gehen.“

Dass dies leider immer wieder gelingt, zeigt ein ähnliches Beispiel aus Iserlohn, wo ein 84-Jähriger in der vergangenen Woche einer Frau eine fünfstellige Summe übergab. Zuvor hatte ihre weinende Mittäterin mehrfach bei ihm angerufen und berichtet, alle seien an Corona erkrankt. Man benötige dringend Geld. Wenn nichts passiere, werde sie sterben. Der Senior vermutete eine Angehörige am anderen Ende. Er legte auf, versuchte vergeblich Verwandte zu erreichen, um sich zu vergewissern, als wieder das Telefon klingelte und der Druck erhöht wurde. Die Anruferin kündigte den Besuch einer Frau an und dieser Fremden übergab der 84-Jährige sein Erspartes. Erst danach erreichte er seine Verwandten. Auch der Meinerzhagener möchte nach seinem Erlebnis unbedingt warnen: „Die Leute müssen wissen, dass so etwas passieren kann. Ich kann nur raten ruhig zu bleiben und nicht die Nerven zu verlieren.“

Mehrere Schock-Anrufe

Die Nerven behalten, dazu rät auch die Polizei. Anna Becker von der Pressestelle der Polizei im Märkischen Kreis berichtet in diesem Zusammenhang, dass es in den vergangenen Wochen viele solcher Schock-Anrufe gegeben hat: „Unter anderem in Iserlohn, Lüdenscheid, Plettenberg und Menden. Wir haben festgestellt, dass diese Anrufe wellenartig vorkommen, wie beispielsweise am vorletzten Wochenende. Dabei geht es dann meistens um angebliche Unfälle oder eine teure Krankenhausbehandlung.“

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