Christine Westermann lässt den Funken überspringen

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Scheute bei der Signierstunde nicht den Kontakt zu den Besuchern: Christine Westermann (links) stand nach der Lesung noch Rede und Antwort.

Meinerzhagen - „Wo will ich noch hin mit meinem Leben? Wo will das Leben noch mit mir hin? Zwei Fragen und keine Antworten. Nicht mal eine.“ Oder doch? Für sich selbst, ganz persönlich, fand die bekannte Fernseh- und Radiomoderatorin, Journalistin und Autorin Christine Westermann, die in der Stadthalle ihr neues Buch „Da geht noch was – Mit 65 in die Kurve“ präsentierte, Antworten auf bewegende Lebensfragen.

Von Monika Salzmann

Offen, natürlich und herzerfrischend selbstironisch betrachtete Westermann ihr Leben und die Sache mit dem Älterwerden. „Das sichtbare Altwerden hat mich bewegt, eine leise innere Unruhe, eine unbestimmte Traurigkeit hat mich stets begleitetet“, erklärte sie. Charmant und gewandt nahm sie die Zuhörer auf eine emotionale, heiter-melancholische Reise mit optimistischem Ausgang mit. Von Anfang an stimmte die Chemie zwischen der sympathischen Fernsehfrau und den 450 Besuchern im Saal, die bei aller Ernsthaftigkeit des Themas einen höchst vergnüglichen, unterhaltsamen Abend erlebten.

Auf Einladung von KuK (Verein für Kommunikation und Kultur) las Christine Westermann aus ihrem im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buch, das kein Ratgeber, sondern ein ehrliches, sehr persönliches Buch über die schweren und leichten Momente des Älterwerdens geworden ist: eine Selbstreflexion, keine Allerweltsweisheit. „Es hat für mich gepasst oder ich hab’s für mich passend gemacht.“ Die Antwort, wie sich mit dem Alter anzufreunden, müsse jeder für sich selbst herausfinden. Fest stehe jedoch: „Da geht noch was“.

Von Anfang an fand die Grimme-Preisträgerin, die deutschlandweit durch die Talkshow „Zimmer frei!“ mit Co-Moderator Götz Alsmann bekannt ist, den richtigen Draht zum Publikum. „Wie sieht die Frau vom Fernsehen aus? Ist die wirklich so dick wie sie im Fernsehen aussieht?“, witzelte sie – und hatte gewonnen. Dass Fernsehen „breit“ und mindestens drei Kilo schwerer macht, kam als Pointe hinterher. Mit ihren Pfunden hatte Christine Westermann eigenen Aussagen zufolge ihre liebe Not.

Sowohl mit den Auszügen aus ihrem Bestseller wie mit den Anekdoten und Geschichten aus ihrem Leben, die sie humorvoll zum Besten gab, machte die gebürtige Erfurterin, die zehn Jahre in San Francisco lebte, Lust auf ihr Buch. Warum Geburtstage allgemein und der 65. speziell für sie große Bedeutung haben, das Titelbild von „Da geht noch was“ keine ernste Christine Westermann (wie beabsichtigt) zeigt und sich ihr Verhältnis zum Alter in den drei Jahren der Entstehungszeit des Buches allmählich veränderte, erfuhren die Besucher – in der Mehrzahl Frauen – ganz nebenbei im lustigen Plauderton.

„Mein Mann hatte in einem weinseligen Moment die Idee zum Untertitel des Buchs.“ Von prägenden Erlebnissen mit zitronengelben Turnschuhen und Taxifahrern mit Zuhälter-Vergangenheit, Flatterarmen und Oma-Bildern von früher, grässlichem Smalltalk und dem Roland, den es in Westermanns Leben nie gab, Meditation und Achtsamkeitsübungen, richtigem Atmen, Schweigen und Klo-Putzen im Kloster war die Rede. Die Gelassenheit, mit dem Altwerden positiv umzugehen, schöpfte die Moderatorin letztlich aus der schlichten Erkenntnis: Schubladendenken aufgeben und offen sein für das, was kommt. Für Fragen und zum Signieren nahm sie sich im Anschluss an die Lesung ausgiebig Zeit.

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