Literarische Leckerbissen in der Voss’schen Mühle

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Das Literaturcafé fand dieses Mal unter dem Motto „Küchengeschichten“ in der Bäckerei Voss statt. Autorin Gudrun Seeberger schilderte einen genussvoll zelebrierten Mord. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Zucchiniblüten überbacken, „zart wie Engelsflügel“, Hähnchen in Rosensud, duftende Kräuter, ein Traum von Soufflee – und das alles garniert mit genüsslich zelebrierter Mordlust, einer Prise Ironie oder Sarkasmus, mit Witz oder einem Hauch Melancholie.

Die Besucher des 28. Literaturcafés, ausgerichtet von den Autoren der VHS-Geschichtenschmiede, schwelgten am Sonntagnachmittag in der Sinnlichkeit kulinarischer Genüsse, vor dem inneren Auge entstanden die verlockendsten Speisen, der Magen knurrte und die Lust sich mit neuen Rezepten in der Küche auszutoben wurde deutlich angeregt.

Da das Thema dieses Mal „Küchengeschichten” hieß, bildeten Gaumenfreuden den roten Faden. Um ihre Zubereitung rankten sich witzige, skurrile und originelle Kurzgeschichten – die meist eine überraschende Wendung nahmen und mit einem literarischen Knalleffekt endeten. Die Autoren um VHS-Leiterin Marion Görnig ließen es sich nicht nehmen, ebenso genussvoll mit Worten und Ideen umzugehen, wie ein Gourmet mit erlesenen Zutaten. Als Veranstaltungsort hatte die Autorengruppe folgerichtig einen Ort gewählt, der kulinarische Verführungen in großer Vielfalt bietet: Der Verkaufsraum der Bäckerei Voss wurde am Sonntag zur Bühne für die literarischen Leckerbissen. Karl-Jörg und Ruth Voss hatten sich nicht nur spontan bereit erklärt, ihre Bäckerei zur Verfügung zu stellen, sie bewirteten die Gäste zudem unentgeltlich mit feinsten Kuchen und Kaffee. Die Anwesenden konnten jedoch zum Ende der Veranstaltung ein Sparschwein füttern. Dessen Inhalt will die Bäckerei dem Kindergarten Hochstraße zur Verfügung stellen.

Mit Autorin Denise Brilla fanden sich die Zuhörer unter Palmen wieder: Meeresrauschen, Reggae-Klänge, kühle Cocktails und eine elektrisierende Begegnung fesselten auch die Besucher – bis sich die Trauminsel als ebensolche herausstellt und die Träumerin unsanft geweckt wird. Gudrun Seeberger schilderte einen genussvoll zelebrierten Mord an einem Ehemann, wobei dem Zuhörer die Abgründe der Ehe scheinbar im Plauderton und ganz nebenbei während der Zubereitung eines Apfelkuchens nahegebracht wurden. Die einzelnen Komponenten des Kuchens stehen in der Geschichte metaphorisch für die „Zutaten“ der gescheiterten Ehe. Der Gatte, der „die Finger einfach nicht von den süßen Früchten lassen kann“ wird feierlich zum 25. Hochzeitstag mit einem ganz besonderen Gaumenschmaus ins Jenseits befördert. Weitere packende Geschichten steuerten die Autoren Hans Halbfas, Barbara Hoos, Anette Kaufmann, Felicitas Zelic, Doris Petermeier, Martina Schnerr-Bille und Claudia Lüsebrink-Wirth bei, die unterhaltsame Einführung in den Abend übernahmen Marion Görnig und Hans-Werner Bongard, der die Besucher mit seinen Ansichten zur „Kalorie” amüsierte, die bekanntlich “ein ganz hinterhältiges Wesen ist”.

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