Benefizveranstaltung mit der „Leipziger Funzel“

Das Ensemble der „Leiziger Funzel“ gastierte in der Stadthalle Meinerzhagen.

MEINERZHAGEN ▪ Hochkarätiges politisches Kabarett mit dem Ensemble der Leipziger Funzel in der Stadthalle Meinerzhagen. „Deutschland peinlich Vaterland“ heißt ihr aktuelles Programm. Der Lions-Club hatte eingeladen. Der Veranstaltungserlös ist für zwei Einrichtungen im heimischen Raum bestimmt.

„Waaahnsinn, ich glaub es nicht! Jetzt ist er einfach da – der Aufschwung”, frohlockt Kabarettistin Sabine Kühne-Londa. „Wir mussten nur daran glauben!“ „Es müssen wohl noch viele dran glauben”, kontert Bühnenkollege Thorsten Wolf trocken. „Spürst du auch diese veränderte Stimmung im Land?“ haucht sie hingerissen. „Natürlich!“, stimmt er zu. Man denke nur an jene, die sich auf dem Weg zum Arbeitsamt mit dem Gedanken „Keiner ist zu klein, um ein Hartz-IV-ler zu sein” wärmen. Und dann die Rentner: „3,4 Prozent mehr Rente und doch nicht mehr im Portemonnaie.”

Das Ensemble des Kabarett-Theaters Leipziger Funzel ließ sich am Samstagabend in Meinerzhagens „guter Stube”, dem Otto-Fuchs-Saal in der Stadthalle, vor rund 500 Besuchern genüsslich zum Thema „Deutschland peinlich Vaterland” aus.” Was im Lande vor sich gehe sei „grotesk, saukomisch, ja, eigentlich zum Totlachen – doch leider nur für wenige”, so die einhellige Meinung der vier Wortakrobaten, die von Pianist Helge Nitschke auch gesanglich unterstützt wurden.

Dass es Hoffnung gibt und neben all dem Wahnsinn im Lande auch Positives wie Großherzigkeit und Mitgefühl zu finden sind, bewies die Tatsache, dass der Kabarett-Abend überhaupt stattfand und so hervorragend besucht war. Es handelte sich nämlich um eine Benefiz-Veranstaltung des Lions-Clubs Meinerzhagen/Kierspe, die durch persönliche Kontakte und Sponsorengelder ermöglicht wurde. Der Eintritt war daher frei, am Ausgang standen jedoch Spendenboxen, die an diesem Abend möglichst reichlich gefüllt werden sollten.

„Geben Sie mit einem Lächeln und dafür lieber etwas mehr. Der Herr hört es lieber rascheln als klingeln,” zitierte der amtierende Clubpräsident Dr. Klaus Welschof bei der Begrüßung der Gäste einen gewitzten Geistlichen. Völlig zu Recht, denn das Geld könnte kaum sinnvoller eingesetzt werden: Eine Hälfte des Erlöses kommt über das Lions-Hilfswerk der Palliativ-Station des Lüdenscheider Klinikums Hellersen zugute. Mit der anderen Hälfte wird die Stiftung Hospizarbeit im heimischen Raum gefördert.

Wie wichtig diese Förderung ist, machten Thorsten Skodra, leitender Oberarzt der Palliativstation und Peter Osterkamp für die Stiftung Hospizarbeit den Besuchern deutlich. „Durch die Spenden können wir die Betroffenen mit mehr Menschlichkeit auf ihrem Weg begleiten und ihnen mehr Lebensqualität geben,” erklärte Skodra. So könnten etwa Krankentransporte bezahlt werden, um den Sterbenden noch einmal ein Zusammensein mit ihren Angehörigen in häuslicher Umgebung zu ermöglichen. Natürlich würden die Spenden auch genutzt, um das gesamte Umfeld wohnlicher zu gestalten.

Nach dieser nachdenklich stimmenden Einführung in den Abend enterten die Kabarettisten die Bühne und lotsten ihr Publikum auf einen Schleuderkurs durchs deutsche Ländle, der neben politischen Peinlichkeiten auch ganz alltäglich menschliche Abgründe offenlegte. Wie bei der Szene mit einer „netten Dame” im Park, die einer glücklichen Mutter alles, aber auch wirklich alles, madig macht, was diese sich für ihr Kind wünscht.

Dann die Bildung: „Früher macht man ja noch Lehrerwitze“, klagt eine geplagte Lehrerin wehmütig. „Heute lachen alle direkt über uns.” Außerdem konkurriere das deutsche Abitur mittlerweile mit einem Abschluss der AOK-Rückenschule. Die deutsche Sprache, unterwandert von Anglizismen, das künftige Deutschland eine Republik von Greisen. „Im Jahr 2035 kommen auf einen Leistungsträger zwei Gebissträger”, so die düstere Prognose.

Zwei Stunden lang frotzelten die Leipziger Wortakrobaten über manches, was in der Republik schief läuft und brachten viel Wahres und Bedenkenswertes als scharfzüngigen Gesang auf die Bühne.

Am Ende stand dann wieder die gute Sache im Mittelpunkt: Beim Hinausgehen „raschelte” es im Umfeld der Spendenboxen kräftig. Einzahlungen sind auch jetzt noch möglich auf das Konto 400 017 101 des Lions-Hilfswerks bei der Volksbank Kierspe, BLZ 458 614 34.

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