Benefiz-Vernissage in Haus Nordhelle

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„mare nostrum – Bilder, die es nicht geben dürfte“ – so lautet der Titel der Ausstellung von Ulrike Langguth (3. von rechts).

Valbert - Bilder von Flüchtlingen, die Schutz und Zuflucht in Deutschland und den Nachbarländern suchen, begleiten uns seit Monaten.

„Es ist eine beglückende geistliche Erfahrung, wenn man dem Fremden hilft“, sagte Pfarrer Albert Henz, „das steht schon in der Bibel.“ In seinem Grußwort zur Benefissage „mare nostrum – Bilder, die es nicht geben dürfte“ freute sich der theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen darüber, dass so manche Kirchengemeinde, so manche Stadt in der Begegnung mit den Geflohenen aus dem Dornröschenschlaf erwacht sei.

Rund 30 Gäste konnten Christian Graf, Geschäftsführer von Haus Nordhelle, und Heidrun Redetzki-Rodermann (Ev. Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Iserlohn) am Samstag im evangelischen Tagungszentrum zur Benefiz-Vernissage begrüßen. Ulrike Langguth, freischaffende Künstlerin aus Iserlohn, gab mit ihren Bildern zum Thema Flüchtlinge den Anstoß für den Nachmittag, dessen Erlös Flüchtlingskindern und deren Familien in Iserlohn im Rahmen eines Sommerfestes zu Gute kommt.

Man müsse die Angst vor dem Fremden etwas besiegen, sagte Thomas Brenck, denn es gebe „Kein Abendland ohne Orient“. In seinem kulturhistorischen Vortrag zur Region Syrien und zum Zweistromland verdeutlichte der ehemalige Gymnasiallehrer aus Iserlohn, dass schon Anfang des 20. Jahrhunderts europäische Einflüsse dort zu finden waren. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass „das, was wir meinen bewahren zu müssen“, aus der Region komme, aus der heute viele Menschen fliehen. „Jesus sprach weder Sauerländisch noch Kölsch, sondern Aramäisch.“ Zudem würde es ohne Saulus, der in Damaskus zum Paulus wurde, das Christentum gar nicht geben. Und mit einem kleinen Schmunzler versehen stellte er fest, dass auch das Brauen nicht in unseren Breitengraden erfunden wurde, sondern Bier schon im 3. Jahrtausend v. Chr. im vorderen Orient als Grundnahrungsmittel galt.

Damaskus – das war auch die Heimat der 34-jährigen Dima Kamalmaz. Sie floh im Oktober 2014 mit ihrem Bruder Ahmad und ließ ihren Mann und ihre beiden Töchter im Alter von neun und zwölf Jahren zurück. „Eine Flucht mit Kindern haben wir wegen der bekannten Gefahren von vornherein ausgeschlossen“, trug sie den beeindruckten Zuhörern auf deutsch vor. „Für alle war es ein schwerer Abschied, denn niemand kann wissen, wie eine Flucht ausgeht – und ob man sich überhaupt noch einmal wiedersehen würde!“ 25 Tage dauerte die Flucht bis zur Ankunft in Dortmund.

„Man denkt, dass mit einer glücklich verlaufenen Flucht die Probleme beseitigt sind, aber ich habe ständig Angst um meine Familie gehabt, die täglich einem unbeschreiblichen Bombenterror ausgeliefert war.“ Die Hürden des bürokratischen Dschungels überwand sie mit Hilfe deutscher Freunde, nach sieben Monaten wurde Dima Kamalmaz’ Asylantrag bewilligt. „Ende September 2015 konnte ich meine Familie überglücklich in Düsseldorf in die Arme schließen.“ Die Kinder bekamen Plätze in den entsprechenden Schulen. Nun hofft die 34-Jährige, die ein Touristikstudium absolviert hat, auf eine berufliche Zukunft in Deutschland. „Mein Mann als Rechtsanwalt wird es sicher schwer mit einer Stelle haben.“ Ziel sei die Integration: „Wir werden alles daran setzen, dass wir in Deutschland Fuß fassen und eine neue, friedliche Heimat bekommen.“

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