Schaurig schön: Lesung in der Knochenmühle

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Einmal mehr sorgten sieben „Stimmen von morgen“ am Samstag in der Knochenmühle mit ihren einfühlsamen Lesungen für Spannung und Nervenkitzel.

Mühlhofe - „Beinhart“ war die zweite Veranstaltung in der Reihe „Kunst in der Mühle“ überschrieben – und „beinhart“ war auch der Kreis furchtloser Zuhörer, der sich am Samstagabend kaltblütig dem Grauen stellte, das der Titel der Grusellesung versprach.

Geheimnisvolle Musik „waberte“ durch die alte Knochenmühle. Grablichter und kleine Feuer beleuchteten den Weg zum Eingang. Der Regisseur, Schauspieler und Moderator Kai Mönnich begrüßte die Fans schaurig schöner Literatur, die bei Kerzenlicht an den Tischen zusammenrückten.

„Schon immer glaubten die Menschen, dass in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November die Schleier zwischen den Welten der Lebenden und der Toten und Geister besonders dünn sei, das Übernatürliche somit leichter in unsere Welt eindringen könne“, stimmte er auf die Lesung ein, zu der er wieder einige Absolventen seiner Kurse mitgebracht hatte, in denen er an der „Akademie deutsche POP“ angehende Sprecher unterrichtet. Ort und Zeit für die gruseligen Geschichten waren also gut gewählt.

Angesichts der kühlen Temperaturen in der Mühle hatte der Veranstalter – der Stadtmarketingverein, unterstützt von der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen – Vorkehrungen getroffen und Heizstrahler aufgestellt. Außerdem lagen Fleece-Decken gegen ein Frösteln bereit, das nicht immer nur von der Kälte verursachte wurde.

Zwei Altmeister der Gruselliteratur ließen Kurt Gutjahr, bekleidet mit Zylinder und Frack, aus dessen Ärmeln Spitzenmanschetten hervorlugten, und Sandra Zitzen zunächst zu Wort kommen. Gutjahr führte mit H.P. Lovecraft zu einer Begegnung mit dem Tier in der beklemmenden Dunkelheit einer Höhle. (K)eine Geschichte für Klaustrophobiker! Zitzen las mit verhaltener Stimme den Grusel-Klassiker„Die Maske des roten Todes“ von Edgar Allen Poe.

Die blutrünstige Geschichte „Der rote Berg“, in der Zuschauer ein so schauriges Ende finden, dass die Zuhörer Gänsehaut bekamen, hatte Christian Olah, mit Künstlernamen No Index, speziell für diese Lesung selbst geschrieben und damit sein Talent für dieses Genre unter Beweis gestellt.

Vanessa Eiser, die bereits bei der Krimilesung in der vergangenen Woche dabei war, konfrontierte ihr Publikum – diesmal als Untote geschminkt – mit einer unheimlichen und unerklärlichen Mordserie in der verträumten amerikanischen Kleinstadt Tarker Mills, hinter der ein Werwolf als Täter vermutet wird. In Szene gesetzt hatte diese Story Stephen King.

Nach einem wärmenden Glas Rotwein ging’s nach der Pause ebenso spannend weiter: Mit grabestiefer Stimme führte Joachim Spandick die gespannt Lauschenden mit einer Geschichte von Klaus Frank in feuchte Untiefen, in denen ein unheimlicher Schwimmer sein Unwesen treibt. Christa Lehmann, ebenfalls schon bei der Krimilesung zu Gast, begeisterte diesmal mit „schauriger“ Lyrik. Sie las Goethes „Erlkönig“, „Das Gespenst“ von Charles Baudelaire sowie Gedichte aus der eigenen Feder über Halloween, Alb und Werwolf sowie einen fröhlichen Geisterreigen.

Volker Knur beendet die einfühlsamen Vorträge der „Stimmen von morgen“ mit Ralph Papes Erzählung „Wolf Hole Junction – Der Fluch des Gehenkten“, wobei die Zuhörer Zeuge eines Lynchmordes wurden, dessen Aufklärung die Dämonen der Vergangenheit wieder auf den Plan ruft und die Geisterstadt zu neuem, grauenhaften Leben erweckt. Dann erst konnten die Zuschauer erleichtert aufatmen und sich auf die nächste Veranstaltung der Reihe freuen.

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