Feuerwehr probt beim Rescue Day den Ernstfall

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Wenn mit der Schere nichts mehr geht, muss „Plan B“ zum Einsatz kommen: Der Rettungszylinder drückt den wieder auseinander und ermöglicht so die Insassenrettung.

Meinerzhagen - Am frühen Samstagvormittag glich das Gelände des Meinerzhagener Baubetriebshofes einer „Großeinsatzstelle“. Mehrere Fahrzeuge, viele Ausrüstungsgegenstände und etliche Feuerwehrmänner, waren bereits ab 9 Uhr vor Ort, um sich im Rahmen des „Rescue Days“ verschiedenen Einsatzszenarien zu stellen.

An drei Stationen mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen trainierten 30 Feuerwehrkameraden der Löschzüge eins und drei ihre Fähigkeiten. Dabei ging es nicht um die eigentliche Brandbekämpfung, sondern um den heutzutage im Einsatzalltag dominierenden Bereich der technischen Hilfeleistung und Menschenrettung.

Jan und Rüdiger Sinderhauf, Marc Kurtenbach, Jörg Pieper und Torsten Malina hatten einen detaillierten Übungsplan für den so genannten Rescue Day ausgearbeitet. Weltweit wird bei derartigen, zentralen Ausbildungsveranstaltungen der Einsatz mit den Ausbildern der Feuerwehren an den verschiedensten Geräten geprobt.

Diese setzen dann die gewonnen Erkenntnisse vor Ort um. Auch vom Löschzug 1 nehmen seit einigen Jahren je zwei Feuerwehrleute an der entsprechenden Fortbildung teil. Im Oktober dieses Jahres werden sie dieses Mal noch von einem Mitglied des Löschzuges Haustadt begleitet. Die nicht unerheblichen Kosten für das zweitägige Seminar, immerhin insgesamt rund 700 Euro pro Person, bestreitet der Löschzug aus den Haussammlungen. Die aufgewendete Freizeit „verbuchen“ die Feuerwehrleute wie üblich unter dem Posten „Ehrenamt“.

Neue Fahrzeugtechniken und hierbei besonders die zum Teil immer vielfältigere Ausstattung mit Airbags, Elektronik und „hochfesten“ Fahrgastkabinen stellen die Feuerwehren und Hilfsorganisationen immer wieder vor neue Herausforderungen.

„Wo wir vor einigen Jahren noch mit der hydraulischen Schere die Karosseriesäulen durchtrennen konnten, stoßen wir heute an die Grenzen“, so Rüdiger Sinderhauf. Um dann den notwendigen „Plan B“ zu haben, übten die Kameraden an der zweiten Station auch den Einsatz mit einem Rettungszylinder. Eingedrückte Fahrzellen können mit ihm quasi „ausgebeult“ und so die Insassen befreit werden.

Rescue Day der Meinerzhagener Feuerwehr

Damit es bei dieser Arbeit nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt, bei denen plötzlich Gaspatronen von Airbags explodieren oder es zu Kurzschlüssen mit gefährlichen Stromstößen kommt, setzt die Feuerwehr das Crash Recovery System ein. Dieses System stand an Station 1 auf der „Übungsliste“.

In der Datenbank sind die einzelnen Fahrzeugtypen und ihre Ausstattungen aufgeführt und durch Zeichnungen und Fotos dargestellt. Zusätzlich gibt es Erläuterungen zum Vorgehen im Einsatzfall. „Am Einsatzort können wir damit auf unserem Tablet sofort die kritischen Stellen entdecken“, so Rüdiger Sinderhauf.

An der dritten Station ging es um das „Heben und Ziehen“. Geübt wurde mit der unterschiedlichsten Ausrüstung. Von der Seilwinde über die Umlenkrolle bis hin zur „Treibmatic“ im Rüstwagen. Als Zugobjekt musste dafür ein Trecker herhalten.

An einen Grundsatz erinnerten die Ausbilder beim rund sieben Stunden dauernden Rescue Day am Samstag die Kameraden immer wieder: Die Sicherheit für die vom Einsatz betroffenen Personen, aber natürlich auch die Sicherheit der Einsatzkräfte sind das oberste Gebot. - jjh

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