Begnadeter Erzähler beschert „mörderisch guten Abend“

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Mit Stimme, Mimik und Gestik ließ Klaus-Peter Wolf in der Stadthalle seine Charaktere lebendig werden.

Meinerzhagen - „Das wird ein mörderisch guter Abend“, versprach Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf am Samstagabend den rund 250 Krimifans, die sich zur Lesung aus seinem Buch „Ostfriesenschwur“ in der Stadthalle eingefunden hatten, der er gleich ein Kompliment machte: „Ein schönes Haus mit hervorragender Akustik“, wofür er viel zustimmenden Applaus erhielt. Begleitet wurde er von seiner Frau, der Liedermacherin Bettina Göschl, und Kontrabassist Gunnar Peschke, Mitglied der Göschl-Band „Die Komplizen“.

Der 62-jährige quirlige Autor, der nie etwas anderes sein wollte als Schriftsteller, plauderte an diesem Abend munter „aus dem Nähkästchen“ und sorgte damit für allgemeine Heiterkeit. Er zeigte sein Arbeitsheft vor, in das er „mit spitzer Feder und schwarzer Tinte“ seine Krimis schreibt, bis er, wenn’s gut läuft, das Gefühl hat, er sähe dem Füller beim Schreiben zu. Seine anschauliche Schilderung, wie er sich in seine liebevoll gezeichneten Charaktere hineinversetzt, deren Vorbilder der gebürtige Gelsenkirchener in seiner neuen Heimat bei Norden fand, war ein weiterer Frontalangriff auf die Zwerchfelle der Zuhörer. Ebenso wie die Anekdoten, die er von Lesereisen, bei denen er immer wieder die Nähe zu seinen Lesern sucht, berichten konnte. 271 Mal hat er in diesem Jahr in Hotels übernachtet. Meinerzhagen war die letzte Station auf dieser Jubiläumstour, mit der er das Erscheinen des zehnten Bandes seiner Ostfriesenkrimireihe feiern wollte, die mittlerweile Kultstatus erlangt hat und als Taschenbuchausgabe über vier Millionen Mal verkauft wurde. Am Samstag kamen viele weitere Exemplare hinzu, die vom Autor und Bettina Göschl in der Pause und nach der Lesung emsig signiert wurden.

Der begnadete und fantasievolle Geschichtenerzähler Klaus-Peter Wolf unterhielt sein Publikum so gut, dass die Lesung selbst zur schönsten Nebensache geriet. Blitzschnell wechselte er von einer Rolle in die andere und ließ seine Figuren mit Stimme und Gestik lebendig werden. In „Ostfriesenschwur“ ermitteln Ann-Kathrin Klaasen und ihre Kollegen zum zehnten Mal im idyllischen Ostfriesland, das in den Krimis selbst zum Protagonisten wird. Diesmal haben sie es mit einem Serienkiller zu tun, der Ubbo Heide, dem ehemaligen Leiter des zentralen Kriminaldienstes, ein Paket mit einem abgeschlagenen Kopf zukommen lässt.

Mit der unterhaltsamen und spannenden Geschichte verbindet der Autor aber auch die tiefgründige Frage nach Recht und Gerechtigkeit, denn an sozial- und gesellschaftlichen Themen ist er seit jeher interessiert. 1985 erhielt er beispielsweise den Anne-Frank-Preis für das Buch und den Film „Die Abschiebung“. Außerdem verfasste er zahlreiche Kinder- und Jugendbücher und machte sich als Drehbuchautor für Fernsehfilme wie Tatort oder Polizeiruf 110 einen Namen.

Der erste Band seiner Ostfriesenkrimis – „Ostfriesenkiller“ – wurde kürzlich mit Emmy-Preisträgerin Christiane Paul in der Hauptrolle an Originalschauplätzen gedreht. Und dass das Leben selbst oft für ebenso gute Geschichten mit einem guten Schuss Realsatire sorgen kann, wurde den Zuhörern deutlich, als Wolf davon berichtete, wie er mit dem Filmteam geeignete Drehorte „ausbaldowerte“ und die illustre Crew dabei selbst in den Fokus der Polizei geriet.

Nach rund zweieinhalb Stunden bester literarischer Unterhaltung hatte Klaus-Peter Wolf sein Versprechen 100-prozentig eingelöst, überzeugt bei der Initiative Pro Stadthalle unterschrieben, und die Zuhörer, darunter auch viele neugewonnene Leser, gingen mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

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