Die Meinerzhagener Tafel hilft 350 Menschen

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Drei von 50 Helfern: Herbert Dahlhaus, Klaus Reimann, Karl-Wilhelm von der Linnepe

Meinerzhagen - Etwa 150 Menschen kommen einmal im Monat zur Meinerzhagener Tafel. Im Gemeindezentrum am Inselweg werden dann 350 Personen mit Lebensmitteln versorgt – einige Kunden holen nämlich oft Nahrung für mehrere Familienmitglieder ab. 50 ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass das klappt. Jahr für Jahr, Monat für Monat.

Spenden sind das A und O, um Bedürftigen – inzwischen seit 16 Jahren – über die Tafel zu helfen. Geld und Waren, darauf ist die Einrichtung angewiesen. „Unsere Unterstützer kommen dabei meist aus dem heimischen Raum“, berichtet Pastor Klaus Kemper-Kohlhase. Und Ingrid Schnöring vom Finanz- und Ausgabeteam ergänzt: „Es gibt augenblicklich insgesamt 27 Geschäfte, die uns Waren zur Verfügung stellen.“ Dabei handele es sich auch keineswegs um Nahrungsmittel, die das Verfallsdatum überschritten hätten. „Die dürften die Geschäfte, die uns unterstützen, gar nicht mehr herausgeben“, heißt es. Trotzdem müssen die Tafel-Mitarbeiter regelmäßig Lebensmittel zukaufen, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. „Pro Monat sind dafür zwischen 2000 und 3000 Euro nötig“, berichtet Klaus Reimann, der bei der Tafel-Ausgabe für den Empfang der Gäste zuständig ist. Für die Abholung der Waren gibt es übrigens ein eigenes Fahrerteam, das mit Privatautos ehrenamtlich unterwegs ist. Koordiniert wird das durch Ulrich Roth. Er setzt sich auch schon einmal ins Auto, etwa um 250 Eier aus Attendorn abzuholen.

Bedürftige Rentner unter den Kunden

Dass in Deutschland niemand verhungern muss, das wissen die Organisatoren der Tafel. Was sie wollen, formuliert Pastor Kemper-Kohlhase so: „Wir haben nicht den Anspruch, Menschen vor dem Hunger zu bewahren. Wir bewahren wertvolle Lebensmittel davor, vernichtet zu werden und helfen dadurch Menschen.“ Klaus Reimann nennt ein Beispiel: „Wir begrüßen auch regelmäßig Rentner, deren Einkommen unter 800 Euro im Monat liegt. Die müssen dann davon auch noch Miete bezahlen – was dann übrig bleibt, reicht oft nicht aus.“ Als vor Jahren viele Flüchtlinge nach Meinerzhagen kamen, fanden einige von ihnen ebenfalls den Weg zur Tafel am Inselweg. „Früher waren es 15 bis 20 neue Flüchtlinge pro Monat, die kamen. Das hat jetzt stark abgenommen. Bei der letzten Ausgabe waren es noch drei“, berichtet Pastor Kemper-Kohlhase.

Berechtigung muss nachgewiesen werden

Flüchtlinge sind grundsätzlich bei der Tafel ebenso willkommen wie jeder andere Gast. Schlechte Erfahrungen – die machen die Mitarbeiter der Tafel eher selten. „Und wenn, dann ist das nicht an einer Gruppe festzumachen“, erläutert Klaus Reimann. Prekäre Situationen habe es nie gegeben, wird berichtet. Generell seien Gäste zuletzt auch aus der Berechtigung „herausgefallen“, die Tafel-Ausgabe nutzen zu dürfen. „Einige Menschen, die eine ganze Familie ernähren mussten, haben Arbeit gefunden. Dadurch sind sie nicht mehr anspruchsberechtigt“, erläutert Pastor Kemper-Kohlhase. Weil man mit der Stadt kooperiere, könne das auch überprüft werden. Schließlich muss jeder Tafel-Kunde durch Vorlage eines entsprechenden Dokumentes nachweisen, dass er beispielsweise Hartz-IV-Empfänger ist. Was die Ehrenamtlichen manchmal ärgert, ist eine überzogene Erwartungshaltung. Das seien aber Ausnahmen, wird betont. In der Regel sei die Dankbarkeit groß. Wer sich bei Wind und Wetter anstellt, um Lebensmittel zu bekommen, der tut das schließlich nicht aus Gier.

Johanneskirche als Wetterschutz

Angst davor, nichts mehr abzubekommen, gibt es bei den Ausgabeterminen aber offensichtlich schon. Man habe zeitweise versucht, den Kunden durch eine Öffnung der benachbarten Johanneskirche bei Regen und Schnee ein Dach über dem Kopf anzubieten. „Das wurde aber kaum genutzt“, erläutert Pastor Kemper-Kohlhase. Es habe wohl eine Hemmschwelle gegeben. „Vielleicht aus der Angst heraus, übersehen zu werden.“ Diese Furcht ist allerdings unbegründet, denn durch das Ausgabesystem mit verschiedenfarbigen Karten und ihnen zugeordneten unterschiedlichen Ausgabezeiten wurde längst ein gerechtes Verteilsystem eingeführt.

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