G9-Initiative erhält Gegenwind

+
Anette Kulosa-Regh und Claudia Nölle warnen vor den Folgen eines erfolgreichen G9-Volksbegehrens.

Meinerzhagen - Zurück zum neunjährigen Gymnasium – diese Forderung vertritt derzeit die Initiative „G9 jetzt“, die dafür bekanntlich auch ein Volksbegehren gestartet hat.

Wenige Wochen vor der Landtagswahl bläst den Initiatoren jedoch kräftiger Gegenwind in die Gesichter. Anette Kulosa-Regh und Claudia Nölle, Ortsvereinsvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchten einen Abbau von Lehrerstellen.

„Viele Eltern würden sicherlich Abstand von der gegenwärtigen G9-Initiative nehmen, wenn sie über die Konsequenzen eines erfolgreichen Volksbegehrens für die schulischen Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Kinder richtig informiert wären“, sagen Kulosa-Regh und Nölle. Dabei sind sie sich mit den G9-Befürwortern in einer Sache durchaus einig: G8 halten sie für einen Fehler, der nach der Wahl unbedingt zu korrigieren sei. Den Weg, der mit dem Volksbegehren jedoch eingeschlagen werden soll, halten die Gewerkschafterinnen für den falschen. Sie halten eine Kürzung der Wochenstunden von 188 auf 180 im Bereich der Sekundarstufe I für fatal. „Was würde dann aus all denjenigen Schülerinnen und Schülern, die etwas mehr Zeit, Zuwendung und Unterstützung benötigen, um ihre Schullaufbahn erfolgreich abschließen zu können?“, fragen Anette Kulosa-Regh und Claudia Nölle, die in der Folge einen deutlichen Rückschritt auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit befürchten.

Und auch die vom Volksbegehren geforderte Reduzierung der Stunden in der Sekundarstufe II müsse nicht zwangsläufig eine Reduzierung der Grundkurse, sondern könne auch weniger Stunden und Wahlmöglichkeiten zur Folge haben. „Aber weniger Stunden heißt auch weniger Lehrerstellen – und welche Partei würde sich diese Gelegenheit zum Stellenabbau entgehen lassen, wenn das Volksbegehren genau das ermöglicht?“, erwartet Claudia Nölle Einsparungen im Bildungsbereich. Doch dann ließe sich nicht einmal die gegenwärtige Qualität der Bildungs- und Erziehungsarbeit in den Schulen aufrechterhalten.

Daher lehne die GEW eine Schulzeitverkürzung, wie sie von der G9-Initiative gefordert werde, ab und verweist auf Reformvorschläge, die teilweise bereits vor zehn Jahren im sogenannten Bochumer Memorandum verfasst worden seien. Diese umfasst unter anderem folgende Forderungen:

- die sechsjährige Sekundarstufe I an allen Schulformen,

- eine flexible Oberstufe, in der Schüler gemäß ihrer individuellen Fähigkeiten in zwei, drei oder vier Jahren zum Abitur gelangen können,

- die Einführung der zweiten Fremdsprache und des Wahlpflichtbereichs wieder in die siebte Jahrgangsstufe.

Die Initiative „G9-jetzt“ betont in ihren Positionsschreiben wiederum, dass bei kostenneutraler Umsetzung durch die Landesregierung an gebundenen Ganztagsschulen keine Lehrerstellen infolge einer geringeren Wochenstundenzahl entfallen würden. Einsparungen im Personalbereich würden außerdem nach erfolgreichem Volksbegehren lediglich an Gymnasien entstehen.

Der Ortsverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft trifft sich am 9. Mai ab 18.30 Uhr im Gasthaus Theile. Auch dann soll es unter anderem um das Schulsystem in NRW gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare