Der Bedarf an Tagespflegeplätzen steigt

Galina Partej hat ihre Schützlinge ins Herz geschlossen. „Es ist schön zu beobachten, wie sich die Kleinen entwickeln“, sagt die Tagesmutter.

Meinerzhagen - Mats spielt mit dem großen Bagger, Valeria und Lou haben jeweils ein Buch in der Hand. „Wollen wir das anschauen?“, fragt Galina Partej und nimmt die beiden auf ihren Schoß. „Das ist der morgendliche Ablauf: Spielen, spielen, spielen“, lächelt sie und fügt hinzu: „Ein Bürojob könnte mich nicht mehr locken.“ Die 38-Jährige arbeitet als Tagesmutter.

Von Simone Benninghaus

So wie Galina Partej kommen viele Tageseltern zu ihrem Job: Die Meinerzhagenerin ist vierfache Mutter. Als das jüngste Kind, heute sechs Jahre alt, noch klein war, begann sie, sich für die Tätigkeit zu interessieren. „Ich habe überlegt, was ich machen kann, bis mein Kind den Kindergarten besucht.“ Inzwischen ist sie „rundum zufrieden“ damit, „achtfache Mutter auf Zeit“ zu sein.

„Es ist einfach schön, zu beobachten, wie sich die Kleinen entwickeln, besonders, wenn sie immer neue Wörter mitbringen“, sagt Galina Partej. Bei den täglichen Spielstunden versuche sie stets, die Feinmotorik oder die Sprache ihrer Schützlinge zu fördern, berichtet sie. Ihre vier Tageskinder, alle zwischen einem und zwei Jahren alt, kommen morgens zu ihr – dann, wenn die eigenen „Großen“ in der Schule sind. Nach Mittagsschlaf und Mittagessen werden sie von ihren Eltern wieder abgeholt. „Meine Kinder freuen sich aber jedes Mal, wenn sie mit den Kleinen noch etwas spielen können.“ Genug Platz gibt es bei Familie Partej mit drei großen Spielräumen – eine optimale Voraussetzung.

Wer sich für eine Tätigkeit in der Kindertagespflege interessiert oder einen Betreuungsplatz sucht, kann sich mit dem Awo Kindertagespflegebüro Märkischer Kreis in Verbindung setzen, Tel. 0 23 54/90 45 04.

„Ein Herz für Kinder“ ist für Lillian Tanzius allerdings das Wichtigste. Wer in der Kindertagespflege arbeite, dürfe für das Wertvollste sorgen, das es gibt. „Das sind Kinder“, sagt Lillian Tanzius, die sich im Meinerzhagener Awo-Kindertagespflegebüro Märkischer Kreis am Prumbomweg um die Vergabe von Pflegeplätzen kümmert und Eltern berät, die auf der Suche nach Betreuungsangeboten für ihren Nachwuchs sind.

In Meinerzhagen und Valbert sind 16 Tagesmütter in der Betreuung tätig, in Kierspe sind es zwölf – gerne dürfen es mehr werden. „Eltern kehren heute immer früher in den Beruf zurück. Daher steigt auch der Betreuungsbedarf“, so Lillian Tanzius.

Grundsätzlich können Kinder bis zu ihrem 14. Lebensjahr von Tagespflegeeltern betreut werden. „In der Praxis ist es aber so, dass die meisten Kinder unter drei Jahre alt sind und von Tagesmüttern betreut werden, ehe sie einen Kindergarten besuchen“, berichtet Lillian Tanzius. Manchmal benötigen Eltern auch eine so genannte „Randzeitenbetreuung“ vor oder nach der Schule oder dem Kindergarten.

Die flexiblen Betreuungszeiten, am Bedarf der Eltern angepasst, seien ein großer Vorteil der Tagespflege. „Manche Tagespflegemütter bieten sogar Betreuungen über Nacht oder an Wochenenden an. Die Betreuung in den Ferien sollte individuell abgesprochen werden“, informiert die Sozialpädagogin. Das Alter spielt in der Kindertagespflege eine eher untergeordnete Rolle. „Jüngere mit kleinen Kindern arbeiten ebenso als Tagesmütter wie ältere Frauen, deren Kinder schon aus dem Haus sind und die nun Zeit haben, sich einer neuen Aufgabe zu widmen.“

Die Arbeit habe viele Vorteile: „Man kann sich die Zeiten einteilen und den Tagesablauf selbst strukturieren“, wirbt die Koordinatorin des Kindertagespflegebüros für die Tätigkeit als Tagesmutter. Die wichtigste Voraussetzung liegt allerdings auf der Hand: „Man muss Kinder einfach gern haben.“ Kleine Schnupfnasen putzen, wickeln, trösten – all das gehört zum Alltag. Für Eltern und Betreuer gilt natürlich gleichermaßen: „Die Chemie muss stimmen.“

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