Treibende Rhythmen und ein Seeungeheuer

Das Duo Bardic steht für Folk-Musik abseits bekannter Klischees:

MEINERZHAGEN ▪ Wer sie kennt weiß, dass sie auf Anhieb Schwung in jeden Saal bringen. So war es auch am Samstagabend, als Eddie Arndt und Sarah-Jane Himmelsbach, besser bekannt als Bardic, in der Villa im Park auftraten.

Das Dortmunder Duo hat eine große Fangemeinde, die auch in der Volmestadt mit jedem Auftritt wächst. Hier sind sie seit langem alljährlich im La Provence anzutreffen, wo sie jedes Mal für drangvolle Enge und beste Stimmung sorgen. Holger Weyland von der Vereinsinitiative Villa im Park war daher begeistert, durch den guten Kontakt zu Familie Wette einen Konzerttermin mit dem Duo vereinbaren zu können. Mit irischem Lammtopf bot das La Provence in der Konzertpause eine besondere Spezialität von der grünen Insel an.

Danach gab’s einen musikalischen Nachtisch der Extraklasse: Die quirligen treibenden Rhythmen der Folk-Musik und die rauchige Stimme des Sängers verfehlten ihre Wirkung nicht: Die Zuhörer ließen sich auf die Musik ein und wippten je nach Temperament mit den Fußspitzen oder bewegten sich zum Rhythmus der Musik. Das Duo Bardic steht für Celtic Folk abseits bekannter Klischees, für viel Charme und Humor bei der Vorstellung ihrer Songs, für Ausstrahlung und Spielkunst. Eddie Arndt hatte wie gewohnt den Schalk im Nacken und brachte den Besuchern die Geschichte einzelner Songs nahe. Auch die des alten Seemannslieds „Come up the Stairs“, das von einer Begegnung der ungewöhnlichen Art berichtet: Ein junger Inselbewohner muss jeden Tag ans Festland rudern, um seine angebetete „Molly“ zu treffen. Als das Boot im Sturm kentert, taucht ein Seeungeheuer auf und wundert sich, warum der Jüngling die Überfahrt bei Wind und Wetter riskiert. „Heirate doch, dann könnt ihr zusammen leben“, rät der Tiefseebewohner und verabschiedet sich mit dem denkwürdigen Satz: „Ist es denn nicht besser in der Ehe zu leiden, als sich den Tod auf See zu holen?“ Nicht weniger dramatisch geht es in „Step it out Mary my fine daughter“ zu, das vom Schicksal einer jungen Frau berichtet, die gegen ihren Willen verheiratet werden soll.

Die treibenden mitreißenden Rhythmen der Folksongs vermittelten trotz der dramatischen oder melancholischen Geschichten pure Lebensfreude. Die beiden Vollblutmusiker, die seit ihrer Gründung im Jahr 1997 bei rund tausend Auftritten im In- und Ausland, in Belgien, Irland und Cornwall ihre Fans begeisterten, sind bekannt für einen Mix aus eigenen Songs und Interpretationen von Traditionals oder Songs anderer Künstler. 2011 erschien mit „The High and the Low“ das lange erwartete vierte Studioalbum. Bardic machte sich auch durch zahlreiche Auftritte in Radio und Fernsehen einen Namen und trat etwas als Vorband von Jethro Tull und Runrig auf.

Am Samstag begeisterten die Musiker ihr Publikum erneut, das nach dem Schlussakkord noch lange nicht genug hatte. So wartete das Duo abschließend noch mit einem musikalischen Leckerbissen auf und sang a capella.

Petra Schüller

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