Alte Züge, unfertige Trasse

Der „digitale Schriftanzeiger“ – oder einfacher die Fahrgast-Infotafel – funktioniert noch nicht. Sie ist in der Probephase.

Meinerzhagen - Raimo Benger hat schlechte Erfahrungen mit der Bahn gemacht. Der Meinerzhagener UWG-Kommunalpolitiker hatte Anfang Mai am heimischen Bahnhof den Zug Richtung Köln bestiegen. In Dieringhausen war die Fahrt allerdings bereits beendet. Begründung: „Schäden“. Für den Volmestädter ging es damals per Taxi weiter. Die Kosten dafür: 47,55 Euro.

Von Jürgen Beil

Für Benger war die „Sache“ damit aber noch nicht abgehakt. Er schrieb an den Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) und beschwerte sich. Durch solche Zwischenfälle verliere man Kunden. „Was schade ist, da wir alle hinter der Bahnlinie stehen“, ließ er den ZRL wissen (wir berichteten).

Michael Dubbi vom Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hat inzwischen ein Antwortschreiben an Raimo Benger geschickt. Darin geht er auch auf ein Problem ein, das offensichtlich Auswirkungen auf Meinerzhagen hat: Die alten Züge. Michael Dubbi: „Derweil sind die im Rahmen der Ausschreibung von DB Regio bestellten Neufahrzeuge noch immer nicht im Regeleinsatz. Derzeit kommen auf der Regionalbahn 25 die Altfahrzeuge des vorherigen Kölner Dieselnetzes zum Einsatz. DB Regio setzt diese Fahrzeuge bislang deutlich länger ein als es vorhersehbar war und muss im laufenden Betrieb zusätzliche und damit teils umfangreiche Instandhaltungsarbeiten (...) durchführen. Ursprünglich sollte die Flotte der Altfahrzeuge für umfangreiche Umbauten ab Dezember 2013 außer Betrieb genommen werden, um ab Dezember 2014 runderneuert an anderer Stelle wieder in Betrieb zu gehen. Somit kommt es derweil zu Kapazitätsengpässen oder auch Zugausfällen, die fahrzeugbedingt sind.“ Hauptuntersuchungen wie beim Auto und Instandhaltungsarbeiten einzelner Fahrzeugteile an den alten Zügen sorgen also für Ungemach bei den Reisenden.

Doch damit nicht genug: Dubbi berichtet weiter, dass die immer noch nicht abgeschlossenen Bauarbeiten am Bahnhof Gummersbach eine „bedeutende Beeinträchtigung für das gesamte Betriebsprogramm“ darstellen.

Immerhin: Um Fahrgäste schon am Bahnhof Meinerzhagen rechtzeitig über Verspätungen oder Zugausfälle zu informieren, wurde in dieser Woche bereits ein „DSA“, ein „digitaler Schriftanzeiger“ oder schlicht eine Info-Tafel, installiert. Die funktioniert aber noch nicht, sondern wird in einem Probebetrieb erst getestet. Wenn die Arbeiten am Bahnhof einmal beendet sind, soll der „DSA“ in Betrieb gehen. Vorerst zeigt die Tafel nur die Uhrzeit und einzelne Züge an – deshalb sei ein Blick in den Fahrplan weiter nötig, informiert die Bahn.

Bauarbeiten, defekte und alte Züge – und dann auch noch das: Die Bahntrasse ist ebenfalls noch nicht fertiggestellt. Dadurch, so Dubbi, komme es zu „teils erheblichen Einschränkungen in der Verfügbarkeit und damit in der planmäßigen Befahrbarkeit“. Dies sei jedoch Voraussetzung dafür, um überhaupt einen stabilen und pünktlichen Fahrbetrieb erbringen zu können. Dubbi: „Diese Verantwortung trägt die DB Netz. Die beteiligten Aufgabenträger und DB Regio stehen hier in kontinuierlichem Kontakt, um diese Angelegenheit mit Nachdruck zu beseitigen.“

Ein kleiner Lichtblick, zumindest für Raimo Benger: Er wird wohl nicht auf den 47,55 Euro Taxikosten sitzen bleiben. Dubbi: „Ihren Wunsch zur Erstattung der Taxikosten werden wir an die DB Regio weitergeben, mit der Bitte diese zu begleichen.“

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