Bäche und Flüsse renaturieren

Auch Bürgermeister Erhard Pierlings und Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper nahmen an dem Treffen teil.

MEINERZHAGEN ▪ Der Zug zur Umsetzung der EU-Wasser-Rahmenrichtlinie nimmt Fahrt auf. Das Ziel: Bis 2027 die Regulierung und Begradigung von Fließgewässern samt Befestigung der Ufer weitestgehend umzuwandeln in den ursprünglichen Lebensraum mit seiner Vielfalt von Uferbildung, Profil, Strömungsgeschwindigkeit und unterschiedlicher Tiefe

. Denn die rigorose wasserbauliche Unterwerfung der Flüsse und Bäche zwecks menschlicher Nutzung, einhergehend mit der Errichtung von Wehren, Dämmen und „Abstürzen“ sowie der wissentlichen oder unbeabsichtigten Einbringung von Schadstoffen zeitigte neben der Lebensfeindlichkeit noch andere Tücken: Den beschleunigten Wasserfluss, ein selbsttätiges Eingraben der Flüsse und größere Hochwasserspitzen. Den Fließgewässern soll daher Raum und unverbaute Durchgängigkeit gegeben werden, samt ökologisch aufgewerteter Säume mit standortgerechter Begleitvegetation.

Den Entwurf des lokalen Umsetzungsfahrplans, betreffend die zum Stadtgebiet gehörenden Flüsschen Lister, Ihne und Volme mit ihren Nebenbächen, präsentierten jetzt Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper und Diplom Ingenieur Sylvia Steiger vom Planungsbüro Hagen. Den Ausführungen der Akteure in der Runde auf dem Podium folgten rund 100 Interessierte; darunter Sach- und Fachkundige, Kommunalpolitiker und Naturschützer.

In der Beschreibung des Ist-Zustandes wiesen Lister und Ihne die geringsten lebensfeindlichen Situationen für einen Wasserorganismus auf. Vorhandene Hindernisse und Hürden zwischen naturnahen Bachauen und Mäandern seien mit wenigen Intensiv-Maßnahmen zu beseitigen. Verrohrungen könnten entfernt und durch Brücken ersetzt, funktionslose Wehre weggenommen oder geschleift, angrenzende Bereiche ökologisch aufgewertet werden. Zumal ein Großteil der Flächen im Besitz der öffentlichen Hand sind.

Das Listertal von der Talsperre aufwärts könne ein Vorzeigeprojekt in NRW werden. Schlecht in der Bewertung kamen die 4,3 Kilometer Volme innerhalb des Stadtgebietes weg. Insgesamt sind 88 Einzelmaßnahmen zur „Entfesselung und naturnahen Gestaltung“ der Gewässer geplant. „Da ist Meinerzhagen schon mittendrin“, erläuterte Bürgermeister Erhard Pierlings, und Friedrich Rothaar stellte dazu das in Valbert angelaufene Projekt „Ihnewiesen“ vor (wir berichteten). Wo sich, etwa mit privaten Grundstücksbesitzern, Konfliktpotenziale böten, müssten diese einvernehmlich gelöst werden, betonte Pierlings. „Das ist zwar ein mühsamer Prozeß, aber es lohnt sich, ihn zu beginnen.“ Die Umsetzung der EU-Richtlinie sei eine Pflichtaufgabe, die Meinerzhagen zu leisten habe. Dabei müsse das Notwendige vor dem Wünschenswerten rangieren. Sponsoring könne bei kleineren Maßnahmen helfen.

Manfred Künsting vom „Brügger Freundeskreis“ regte eine ganzheitliche Betrachtung der 30 Kilometer Volme unter Einbeziehung der Stadt Hagen an. Johannes Bayerschen von der Unteren Wasserbehörde MK merkte an, dass diesbezüglich „drei aufeinander abgestimmte Umsetzungspläne“ greifen. Friedrich-Wilhelm Korspeter von der Unteren Landschaftsbehörde mahnte, dass Sicherung, Schutz und Pflege des bisher Erreichten bei allen Vorhaben nicht gefährdet sein dürften. Landwirt Ernst Albert Lück verwies darauf, dass zehn Meter breite Grünlandstreifen entlang der Ihne schon seit langem nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, da sich das erforderliche Mähen mit der Sense nicht lohne. Gerd Wirth vermisste zukunftsweisende Visionen, etwa zur Offenlegung der Volme innerhalb des Stadtgebietes. „Prioritäten setzen, Maßnahmen priorisieren, die uns auch weiterbringen“, forderte Dr. Thomas Grünebaum vom Ruhrverband. „Unter bestimmten Aspekten und unter dem finanziellen Aufwand“, ergänzte Pierlings. „Alle Maßnahmen werden von übergeordneten Stellen wie Bezirksregierung und Land auf die Förderwürdigkeit hin überprüft“, versicherte die Kreisdirektorin und versprach: „Zur Abdeckung des eigenen 20prozentigen Kostenanteils werden wir eine hohe Kreativität entwickeln, um Beteiligungen Dritter daran zu eruieren.“ Mehrmals appellierte sie an Grundeigentümer, Kauf oder Pacht von Flächen zu ermöglichen. Die Bevölkerung rief sie auf, über das Internetportal des Kreises, das dazu bis zum 31. März geöffnet ist, zu kommunizieren und Vorschläge und Ideen einzubringen. Das Material zu sichten, zu ordnen und zu priorisieren sei der nächste Schritt. Ergebnisse sollen bei einer „Fluß-Volme-Konferenz“ im Rahmen der „Märkischen Wasserwoche“ am 28. September in der Stadthalle vorgestellt werden. Hier und heute machte sich eine Grundstimmung breit: „Wir sind auf einem guten Weg!“ ▪ as

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