Autor Michael Lüders schildert Hintergründe der Kriege im Nahen Osten

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Autor Michael Lüders informierte in der Stadthalle Meinerzhagen über die Konflikte in der Welt.

Meinerzhagen - Es gibt reichlich Klärungsbedarf im Hinblick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen, die Syrien, den Irak und weite Teile des Nahen Ostens seit Jahren verwüsten. Der KuK-Vorsitzende Karl-Heinz Kraus begrüßte den Nahost-Experten Michael Lüders am Donnerstag im bestens gefüllten Foyer der Stadthalle mit einer ganzen Reihe von Fragen: „Wie glaubwürdig sind die Quellen? Welche Ziele werden dort verfolgt? Welche Mittel werden eingesetzt? Worauf beruht unser Bild von Syrien?“ Und vor allem: „Warum gibt es so viel Gewalt im Nahen Osten?“

Michael Lüders beantwortete sie alle. Und es war nicht ausgeschlossen, dass dem einen oder anderen ein wenig schwindlig war nach der schier unglaublichen Fülle an Details und Informationen, die der Experte in zwei Stunden packte. Die Besucher zogen aus der leichten Überforderung vor allem zwei Konsequenzen: Sie kauften nach dem Vortrag eines der ausliegenden Bücher des Referenten und fragten nach weiteren verlässlichen Quellen, aus denen sich zukünftig ein realistischeres Bild der Auseinandersetzungen gewinnen lasse.

Michael Lüders begann mit einem Blick auf die hausgemachten Probleme der arabischen Welt zwischen Marokko und Pakistan: die ungebrochene Bedeutung feudaler und patriarchalischer Strukturen, die Clan-Mentalität bei der Verteilung der vorhandenen Ressourcen, die mangelnden Investitionen in Infrastruktur und Bildung: „Je dümmer die Bevölkerung ist, desto weniger Fragen stellt sie.“

Als 2013 die ersten freien Wahlen in der jahrtausendealten Geschichte Ägyptens stattfanden, wählte die riesige Unterschicht die politischen Vertreter jenes Islam, der ihnen schon in der Zeit der Diktatur einen nicht völlig unterworfenen Rückzugsort und soziale Unterstützung geboten hatte. Der demokratisch gewählte Präsident wurde nach nur einem Jahr weggeputscht, „weil die Militärelite keine Lust hatte, die Macht mit der Vertretung der Plebejer zu teilen“. Lüders machte klar, was er von diesem Putsch gegen die Muslimbrüderschaft hielt: „Das war eine ziemlich dumme Entscheidung.“

Gut besucht war das Foyer in der Stadthalle, als Autor Michael Lüders über die Konflikte in der Welt informierte – und viel Hintergründiges offenbarte.

Zu den traditionellen inneren Problemen der arabischen Länder kamen die Folgen der westlichen Kolonialpolitik und in jüngerer Vergangenheit regelrechte Verheerungen durch die amerikanische Interventionspolitik: „Der IS ist ein Geschenk der Amerikaner an die Welt, weil sie im Irak intervenierten.“ Mehrere Staaten seien „durch westliche Interventionen kaputtgemacht worden“. Die Problematik, dass sich perspektivlose Jugendliche in diesen Ländern fanatisierten und dem IS oder anderen radikalen Gruppierung anschlössen, „bleibt uns erhalten“.

Öl, Gas, Transportwege und die Sicherheit Israels – das seien die Triebkräfte der USA im Nahen Osten. Gnadenlos spottete Michael Lüders über das rosarote Bild, das westliche Politiker ihren Bevölkerungen über ihr Treiben vorgaukeln: Lüders’ bitterböses „So funktioniert Politik – immer werteorientiert“, grundierte sein Urteil über eine Politik, der es viel mehr um Macht, Ressourcen und den lukrativen Verkauf von Waffen geht als um Freiheit und Menschenrechte. Finster war der Blick auf die Zukunft des Gemetzels in Syrien, in dem „alle Kriegsparteien Blut an den Händen haben“.

Wenn die Menschen dort tatsächlich im Jahr sechs oder sieben eines 30-jährigen Krieges wären, würde das Morden noch lange weitergehen. „Ein Happy End habe ich leider nicht im Angebot“, lautete das illusionslose Fazit des Autors.

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