Sturz-Risiko „Schienen“? Rad-Experte warnt

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Bremen ist eine Fahrradstadt. Auf nahezu allen Hauptverkehrsstraßen verlaufen dort Schienen der Straßenbahn. Der märkische ADFC-Vorsitzende Martin Isbruch sieht darin generell eine Gefahr für Radfahrer.

Meinerzhagen - Bremst die Bahn das Autofreie Volmetal aus? Sind Schienen und Bahnverkehr eine Gefahr für Radfahrer? Das alles ist nach wie vor ungeklärt.

22 000 Besucher schrieben die Erfolgsgeschichte der Großveranstaltung auf der B 54 zwischen Meinerzhagen und Schalksmühle im Juli fort – doch anschließend wurden Bedenken gegen eine Weiterführung des Events laut.

Der Märkische Kreis sieht Probleme an den Bahnübergängen, wenn der Zugverkehr zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid wieder aufgenommen wird. Und die Bahn selbst bezeichnete die Spurrillen durch die Schienen als Gefahr (wir berichteten). Doch birgt das Überfahren der Gleise wirklich Risiken?

Der Iserlohner Martin Isbruch ist Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender des ADFC im Märkischen Kreis. Und er hat das Autofreie Volmetal in diesem Jahr selbst besucht. Seiner Ansicht nach sind Schienen für Radfahrer generell ein Problem: „Natürlich begrüßen wir als ADFC die Reaktivierung der Bahnstrecke im Volmetal. Gerade die Kombination zwischen Bahn und Rad ist doch positiv. Doch die Gleise sind gefährlich, wenn sie in einem zu spitzen Winkel überfahren werden – und das könnte an zumindest zwei Übergängen im Volmetal so sein. 90-Grad-Querungen hingegen sind völlig unproblematisch.“

Schienen auf Straßen sind für Isbruch vor allen Dingen in Großstädten für Radfahrer „nicht ohne“. So sei der Grünen-Abgeordnete Arndt Klocke in Düsseldorf mit den Fahrradreifen in eine Schiene geraten, gestürzt und er habe sich dabei den Arm gebrochen, berichtet Isbruch. Auf der B 54 hält er deshalb beim Autofreien Volmetal regulierende Maßnahmen für notwendig: Künstliche Verengungen an den Bahnübergängen beispielsweise, welche die Ströme der Besucher gezielt über die Gefahrenstellen leiten. Und Personal, das die Übergänge absichert. „In diesem Zusammenhang könnte man auch über Sponsoren nachdenken“, überlegt er. „Technisch wäre das sicherlich machbar“, sucht auch Martin Isbruch nach Möglichkeiten, die es erlauben, die größte Veranstaltung im oberen Volmetal fortzuführen.

Ob es eine Fortsetzung des Autofreien Volmetals geben wird, darüber herrscht auch beim Märkischen Kreis weiter Unklarheit. Pressesprecher Hendrik Klein: „An dem Sachverhalt hat sich noch nichts geändert. Die Bahn möchte den Fahrbetrieb im Personenverkehr erst einmal aufnehmen, sich das dann ansehen und anschließend eine Entscheidung treffen.“ Im kommenden Jahr, so Klein, finde die Veranstaltung turnusmäßig ohnehin nicht statt, es gehe also um „Autofrei“ 2019.

Das sagt die Bremer Polizei:

In den zurückliegenden zwölf Monaten ereigneten sich in Bremen laut Pressestelle der dortigen Polizeibehörde etwa 1450 Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung. Davon waren etwa 170 Alleinunfälle. Bei den polizeilich registrierten Alleinunfällen – gerade im Bereich der Straßenzüge, in denen der Fahrradverkehr parallel im Schienenbereich der Straßenbahn geführt wird – liegt der Anteil der Verkehrsunfälle, bei denen die Radfahrer durch das Einfahren in den Schienenstrang stürzten, bei 80 bis 100 Prozent. Im Stadtgebiet Bremen macht das laut Polizei etwa 10 bis 15 Prozent aller Alleinunfälle aus. All diese Verkehrsunfälle endeten ausnahmslos mit einer Verletzung des beteiligten Radfahrers. Eine Dunkelziffer bei diesen Verkehrsunfällen ist laut Polizei zu vermuten. Probleme bei der 90-Grad Querung von Gleisanlagen (an Überwegen etc.) sind aus Bremen nach Auskunft der Behörde bislang nicht bekannt.

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