Autobahnpolizei steht auf der A45 täglich vor neuen Herausforderungen

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Spanngurte, eiserne Stützen, Paletten – Martin Braune mit einem kleinen Teil der Objekte, die er und seine Kollegen auf der Autobahn eingesammelt haben.

Meinerzhagen - Auf den Schultern von Polizeihauptkommissar Martin Braune und denen seiner Kollegen lastet viel Verantwortung. Er ist Chef der Autobahnwache Lüdenscheid-West.

Der Chef der Autobahnwache Lüdenscheid-West ist für ein großes Gebiet zuständig. Mittendrin der Bereich Meinerzhagen. Insgesamt fällt der Abschnitt der A45 zwischen Hagen-Süd und Drolshagen in den Bereich, den er und seine 15 Beamten täglich und das ganze Jahr über kontrollieren. Für bundesdeutsche Verhältnisse ist die Sauerlandlinie gerade in diesem Bereich alles andere als normal.

„Die Topografie ist das Besondere. Man fährt im Winter in Hagen auf trockener Fahrbahn los und ,klettert’ anschließend um mehr als 300 Höhenmeter. ,Oben’ findet man sich oft im tiefsten Winter wieder. Außerdem sind die Kurvenradien sehr eng. Und das in Zeiten, wo heute beinahe jeder Golf Tempo 200 erreicht“, beschreibt Braune die Besonderheiten, zu denen für ihn auch die Talbrücken zählen. Hier sorgen regelmäßig Wind und Eisbildung für Gefahr.

Und so kommt es häufig zu Unfällen, bei denen Braune und seine Kolleginnen und Kollegen großen psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Dabei hat der Hauptkommissar aber auch eine Entwicklung beobachtet, die ihn positiv stimmt: „Früher gab es auf der A45 beinahe jede Woche einen Unfall mit Todesfolge. Das ist heute anders. Die schlimmen Unfälle haben abgenommen.“ Das führt Braune in erster Linie auf die Sicherheitstechnik in den Autos zurück.

Und dennoch gibt es Momente, die Braune und sein Team gerne aus ihrem Gedächtnis streichen möchten. Zum Beispiel die, bei denen Lastwagen die Leitplanke und den Zaun von Talbrücken durchbrachen und in die Tiefe stürzten. Geschehen so auf den Brücken Immecke und Beustenbach. Und auf der Homert durchbrach ein Transporter die Mittelplanke und raste in den Gegenverkehr. Auch dabei starb ein Mensch.

Froh ist Braune, dass es heute professionelle Hilfe gibt, die nach einem schlimmen Unfall greift: „Früher bekamen die Kollegen einen Klaps auf den Rücken, heute gibt es im Nachhinein psychologische Betreuung.“ „Wildwest“ auf der Autobahn – immer mehr Menschen beklagen rücksichtsloses Verhalten wie dichtes Auffahren und Raserei. Auch mangelnder Respekt vor der Uniform wird bei der Polizei registriert. Braune: „Ja. Rücksichtslosigkeit gibt es. Aber mit fehlendem Respekt haben wir auf der A45 eigentlich selten zu tun.

Das liegt an dem wenig problematischen Klientel. Wir haben es oft mit Berufskraftfahrern, Geschäftsleuten, Pendlern oder Urlaubern zu tun. Da ist niemand auf Krawall aus. Sie alle sind froh, wenn wir kommen, um ihnen zu helfen. Aggressives Verhalten am Steuer gibt es aber schon. Dann werden aus Akademikern und Familienvätern manchmal unbeherrschte Autofahrer. Generell ist die Grundstimmung auf der Autobahn aber eine andere als in den Städten. Wir haben hier auch keine Kneipen.“

Ein zunehmend größeres Problem stellt für Braune und seine Beamten das Telefonieren am Steuer dar. „Wir haben bei Kontrollen schon Telefone aus dem Fußraum des Wagens gefischt, die der Fahrer dort deponiert hatte, um von seinem Fehlverhalten abzulenken.“

Ein anderes Kapitel sind Gegenstände auf der Autobahn. Jeder hat im Radio schon entsprechende Warnhinweise gehört. Braune könnte in den Polizeigaragen inzwischen ein ganzes Teilelager eröffnen. „Lkw-Kotflügel, der Kühlschrank von der Ladefläche eines Schrotthändlers, Besen, Schubkarren und in den Ferien häufig Stützräder von Kinderfahrrädern“, zählt Braune auf, was er und seine Kollegen schon von der A45 geräumt haben. Meistens geschah das so rechtzeitig, dass niemand durch die „Objekte“ zu Schaden kam.

„Seinen“ Autofahrern macht der 55-jährige Lüdenscheider Martin Braune zum Schluss noch ein Kompliment: „Unsere Fahrer verhalten sich anders als die, die zum Beispiel auf der A2 unterwegs sind. Sie fahren vorsichtiger. Vom vielen Lenken auf der A45 agieren die Menschen bei uns aufmerksamer.“

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